Beziehungen Schweiz - Kolumbien

12. Juli 2008 16:28; Akt: 12.07.2008 16:42 Print

EDA wartet mit Auswertung der FARC-Dokumente

Die von Kolumbien gelieferten FARC-Dokumente sind in Bern noch nicht ausgewertet. Es bleibt weiterhin unklar, ob der Schweizer Vermittler im Dienste des EDA, Jean-Pierre Gontard, für die FARC-Guerilla 500 000 Dollar Lösegeld transportiert hatte. Kolumbien erwartet von der Schweiz, dass diese Konsequenzen zieht.

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Auf ihrer Basis hatte die Regierung in Bogotá dem Schweizer Vermittler für eine Geiselbefreiung Nähe zu der marxistischen Organisation vorgeworfen.

Man habe Kolumbien eine erste Stellungnahme auf diplomatischer Ebene zu den elektronischen Dokumenten zukommen lassen, wiederholte Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine Aussage vom Donnerstag.

Grund für die Vorwürfe aus Bogotá sind Dokumente, die im beschlagnahmten Computer von FARC-Vizechef Raul Reyes gefunden worden waren. Diese belegen laut kolumbianischen Regierungsvertretern, dass der Schweizer Vermittler im Dienste des EDA, Jean-Pierre Gontard, bei einer früheren Geiselbefreiung den FARC eine Lösegeldzahlung über 480 000 Dollar überreicht habe.

Laut dem EDA handelt es sich bei der Affäre um die Befreiung von zwei Novartis B”rsenkurs-Mitarbeitern aus den Fängen der «Bewaffneten revolutionären Kräften Kolumbiens» (FARC) aus dem Jahr 2000.

Am Montag hatte der Friedensbeauftragte der kolumbianischen Regierung, Luis Carlos Restrepo, verlauten lassen, sein Land habe kein Vertrauen mehr zu den europäischen Vermittlern für eine Geiselbefreiung, neben Gontard der Franzose Noël Sáez. Die Beiden seien wiederholt eher als politische Berater der FARC denn als Mediatoren aufgetreten, sagte Restrepo.

Bogotá erwartet nach der Analyse der elektronischen FARC- Dokumente durch das EDA Konsequenzen von Seiten der Schweiz, wie Kolumbiens Botschafterin in Bern, Claudia Jiménez, am Donnerstag sagte.

Kein Rechtshilfegesuch

Noch handelt es sich nicht um einen Fall für die Justiz. Aus Bogotá sei bisher kein Rechtshilfegesuch in Bern eingetroffen, sagte Jeannerat am Samstag der SDA.

Gontard arbeitet für das EDA auf Mandatsbasis im Rahmen eines Vertrags mit dem Genfer Institut für internationale Beziehungen und Entwicklung (IHEID), wo er unterrichtet. Er ist kein Diplomat, sondern ein externer Berater. Sein Arbeitsverhältnis mit dem Schweizer Aussenministerium bestehe weiter, sagte Jeannerat. Noch sind rund 700 Geiseln in der Gewalt der FARC.

(sda)