Kampf gegen Homo-Ehe

21. August 2015 08:44; Akt: 21.08.2015 13:14 Print

EDU nimmt Schwule und Lesben ins Visier

Die EDU bereitet sich auf den Kampf gegen die Homo-Ehe und die Stiefkindadoption vor. Ein Grund: Homosexuelle hätten nicht den Willen, sich bis ins hohe Alter treu zu bleiben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kaum wird es ruhig um den Churer Bischof Vitus Huonder, nimmt die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) Schwule ins Visier: Am Wochenende dürfte die Partei an der Delegiertenversammlung ein Referendum gegen die Homo-Ehe und das Recht zur Adoption von Stiefkindern beschliessen – obwohl die Geschäfte noch der Behandlung durch das Parlament harren.

In einer Medienmitteilung legt Marco Giglio, Geschäftsführer der Berner EDU und Co-Präsident des Vereins für eine traditionelle Familie, die Argumente für ein Referendum dar. Die gleichgeschlechtliche Ehe werde aus drei Gründen «nie so sein wie die traditionelle Ehe». Erstens reiche Liebe allein nicht aus, um eine Ehe zu begründen. Zweitens brauche es neben dem «Willen zur Fortpflanzung auch die theoretische Möglichkeit» dazu. Und drittens fehle homosexuellen Paaren der Wille, die Ehe bis ins Alter zu halten.

«Ausbau der Schwulenrechte verhindern»

Auf Anfrage sagt Giglio, der sich als Katholik bezeichnet: «Studien belegen, dass schwule und lesbische Bindungen weniger lang halten. Sie stimmen nicht mit den Plänen von Gott überein und sind darum zum Scheitern verurteilt.» Dies sei auch ein Hauptargument gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle. Aus christlicher Sicht könne man die Homo-Ehe nicht goutieren. «Homosexualität an sich ist keine Sünde, aber man sollte enthaltsam leben.»

Dieser Meinung ist auch EDU-Präsident Hans Moser. Die Partei wolle bereit sein, wenn es darum gehe, einen Ausbau der Schwulenrechte zu verhindern. «Es ist wahrscheinlich, dass das Parlament der Homo-Ehe und der Stiefkindadoption zustimmen wird.» Da die Frist für das Sammeln der 50‘000 Unterschriften kurz sei, wolle man die gedruckten Unterschriftenbögen nur noch aus der Schublade ziehen müssen. Der Referendumsbeschluss ist offenbar nur noch Formsache: «Ich wäre enttäuscht, wenn der Entscheid in der EDU nicht einstimmig fiele.»

«Abstruse und homophobe Äusserungen»

Beim Dachverband der Schwulen Pink Cross sorgt die Attacke für Kopfschütteln. «Aber von einer christlichen Kleinstpartei mit einem Wähleranteil von 1,3 Prozent habe ich nichts anderes erwartet als abstruse und homophobe Äusserungen», sagt Geschäftsleiter Bastian Baumann. Natürlich sei es das demokratische Recht, ein Referendum zu ergreifen. Allerdings zeigten seine Erfahrungen, dass die Gesellschaft weiter sei, als die EDU vermute.

Baumann verweist auf eine repräsentative Gfs-Umfrage, gemäss der 70,4 Prozent der Schweizer die Homo-Ehe befürworten. Auch das Argument, dass schwule oder lesbische Paare sich eher trennten, stimme nicht. «In der Schweiz wurden bislang rund 7300 Partnerschaften eingetragen – und nur 600 wieder aufgelöst.» Man versuche mit Scheinargumenten, die Rechte einer Minderheit zu beschneiden.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan Solidarisch am 21.08.2015 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Nicht den Willen die Ehe bis ins hohe Alter zu Halten?! Bei einer Scheidungs Rate von 50% bei "normalen Ehen", ist diese schwache Argumentation einem Politiker nicht würdig.

  • Nick am 21.08.2015 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wille und Möglichkeit zur Fortpflanzung

    Also dürfen nach der EDU auch keine heterosexuellen Paare mehr heiraten, bei denen ein Teil davon zeugungsunfähig ist?

  • Sasch am 21.08.2015 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn!

    Als ob Schwule und Lesben nicht auch fähig sind eine lange Ehe zu führen. So ein Schwachsinn! Wir sind im Jahr 2015! Jeder sollte die selben Rechte geniessen dürfen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Milo Baechtold am 21.08.2015 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Partnerschaft

    Ich bin bereits seit 37 Jahren mit meinem Partner zusammen. Aber Treue? Monogamie ist doch wohl eine pure Erfindung der Kirchen. Wir sind auch so - oder gerade deswegen - glücklich. Schön, dass sich die EDU noch vor den Wahlen geoutet hat.

  • Desiree Alge am 21.08.2015 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nächstenliebe

    Steht in der Bibel nicht, du sollst deinen nächsten Lieben? Wieso also, als bekennender Katholik, dem Nächsten die Hölle auf Erden bereiten, nur weil er eben nicht dasselbe sexuelle Interesse hat? Das beste Beispiel für ein schlechtes Vorbild.

  • personx am 21.08.2015 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    das ist doch ein schlechter witz

    jeder 3te aus meinem freundeskreis ist entweder geschieden, in der 2ten ehe oder hat anderweitige probleme mit der gewählten partnerschaft... ich spreche hier von hetero beziehungen. deshalb ist die frage berechtigt = welche studie soll das den sein, wer wurde befragt und wie alt waren diese menschen? wie soll eine studie über homo ehen überhaupt aussagekräftig sein, wenn es in so vielen ländern noch ein tabu thema ist ?

  • Benny Rizzo am 21.08.2015 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine andere probleme???

    Ich denke unsere Politiker sollten sich mit den wirklichen Probleme widmen!!! Und nicht den Menschen vorzuschreiben mit wem und welchem geschlecht sie zusammen sein dürfen! das ist Privatsphäre!

  • H. Etero am 21.08.2015 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hetero, verheiratet, aber wie lange noch?

    Ich bin hetero, verheiratet und habe zwei Kinder. Dennoch habe ich nicht vor, "diese Ehe bis ins Alter zu halten". Ob die EDU weiss, dass es Leute wie mich gibt?