Handyrechnung

08. Mai 2012 08:10; Akt: 08.05.2012 10:15 Print

EU verbilligt Roamingtarife - Bern unter Druck

von Jessica Pfister - Während die EU ihre Roaminggebühren auf Juli massiv senkt, zeigen sich Schweizer Telecom-Anbieter knausrig. Damit könnte es bald vorbei sein - der Druck auf den Bundesrat steigt.

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Wer im Urlaub telefoniert, muss heute tief in die Tasche greifen. Die Politik könnte bald eingreifen. (Bild: Thinkstock)

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Da reiben sich Schweizer Handykunden verwundert die Augen: Ab Beginn der Sommerferien zahlen EU-Bürger für einen Anruf im europäischen Ausland gerade mal 35 Rappen pro Minute. Zum Vergleich: Sunrise-Kunden kostet die Minute im Standardtarif aktuell Fr. 1.70, Orange-Kunden müssen für die erste Minute Fr. 1.20 zahlen und für jede weitere Minute 40 Rappen und bei den Swisscom B”rsenkurs-Kunden beträgt der Minuten-Tarif 80 Rappen. Immerhin kündigte der ehemalige Monopolist letzte Woche eine minimale Preisreduktion von 5 Rappen an - und Konkurrent Sunrise will laut eigenen Angaben zumindest in der Ferienzeit «einige Neuerungen in Sachen Roaming» bekannt geben.

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Für Telekom-Experte Ralf Beyeler sind solche Preissenkungen nur «ein Tropfen auf den heissen Stein». «Die Schweizer werden nach wie vor abgezockt», sagt Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis. Der Wettbewerb zwischen den hiesigen Telekom-Anbietern funktioniere überhaupt nicht. «Obwohl die Swisscom im Jahr 2007 die Standardtarife für das Telefonieren im Ausland massiv gesenkt hat, haben die anderen Anbieter bis heute nicht nachgezogen.»

Mit der Swisscom geht der Experte ebenfalls hart ins Gericht. Der Datentransfer sei stark überteuert. «Die absolute Gewinnmaximierung steht auch bei den Mobilfunk-Anbietern im Vordergrund.» Für Beyeler ist klar: «Es liegt nun an der Politik, den Druck auf eine Regulierung zu erhöhen».

«Kommen massiv schlechter davon»

Tatsächlich stehen die Chancen gut, dass die Schweiz künftig für alle Handyanbieter verbindliche Höchsttarife für die Ausland-Telefonie festgelegt. Am Donnerstag diskutiert die Fernmeldekommission des Ständerats einen entsprechenden Vorstoss von SP-Nationalrätin Ursula Wyss. Der Nationalrat hat das Anliegen im vergangen September bereits klar unterstützt.

Bis auf die SVP stehen auch die Ständeräte einer Regulierung durchwegs positiv gegenüber. «Ich bin öfters auf Konferenzen im Ausland und stelle immer wieder fest, dass wir Schweizer bei den Telefonkosten massiv schlechter davonkommen als ausländische Kollegen», sagt FDP-Ständerat Hans Hess. Es könne nicht sein, dass ein Schweizer Handynutzer im Durchschnitt mehr als das Doppelte bezahlen müsse als EU-Kunden. Einen «deutlichen Nachteil» sieht auch CVP-Ständerat Konrad Graber. «Ich gehe davon aus, dass wir explizit die Forderung nach einem Abkommen mit der EU stellen werden.»

«Junge wechseln den Anbieter»

Nicht einverstanden damit wäre SVP-Ständerat This Jenny. Er bezeichnet die Gebühren für das Telefon im Ausland zwar auch als «unverschämt» - dennoch glaubt er, dass der Markt hier regulierend wirke. Er sei zuversichtlich, dass die Preissenkungen von Swisscom auch bei den anderen Anbietern ein Umdenken auslösen. «Gerade auch, weil die jungen Handybenutzer sonst einfach zum günstigsten Anbieter abwandern.»

Beim Marktführer Swisscom will man - wenig überraschend - von verbindlichen Höchsttarifen ebenfalls nichts wissen. Tiefere Roamingpreise seien auch in der Schweiz möglich, wenn man sich mit Nachdruck für Preissenkungen einsetze, so Mediensprecher Carsten Roetz. Daher brauche es keine Regulierung. Eine solche würde gar die Marktposition des Ex-Monopolisten Swisscom weiter stärken, sagt Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons. «Eine Regulierung könnte dem Preiswettbewerb bei den Inlandtarifen schaden.» Sunrise verfolge den Vorstoss mit «grossem Interesse», wie es heisst. Man setze sich dafür ein, den Kunden günstigere Roamingtarife bieten zu können.

«Abkommen prüfen»

Der Bundesrat bestreitet nicht, dass die Schweizer fürs mobile Telefonieren im Ausland viel mehr zahlen als EU-Bürger. Dennoch hielt er bisher nichts von einem staatlichen Eingriff. «Die einseitige Festlegung von Preisobergrenzen wäre nicht sachgerecht, weil sie nur nur die Endpreise für die Kunden erfassen würde, nicht aber die Preise, die Mobilfunkanbieter für die Benutzung eines ausländisches Netzes bezahlen müssen», schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion. Dies würde insbesondere die kleineren Schweizer Betriebe benachteiligen.

Doch auch die Landesregierung weiss, dass sie unter dem Druck des Parlaments wohl nicht mehr um ein Abkommen mit der EU herumkommt. So sagt Roberto Rivola vom Bundesamt für Kommunikation zu 20 Minuten Online: «Falls sich das EU-Roaming-Regime auf weitere europäische Staaten ausdehnen lässt, würde die Schweiz die Möglichkeit eines entsprechenden Abkommens prüfen.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde, dass man unbedingt beim Datenroaming den Hebel ansetzen muss. Ich finde es nicht in Ordnung wenn man in den angrenzende Länder für 1MB 15.40 Fr. zahlen muss und in der Schweiz nur 10 Rappen kostet. Man zahlt also im Ausland 154 mal mehr als in der Schweiz. Ist für mich reine Abzockerei!!! – Peter Lehner

Wird allerhöchste Eisenbahn! Denn wir werden gnadenlos abgezockt. Ich bin durchaus bereit, ETWAS mehr zu bezahlen im Ausland. Aber die Preise sind völllig überrissen. Und mit Service alleine lässt sich das schlicht nicht rechtfertigen. Da ich oft in D unterwegs bin und Kontakte habe dort, habe ich mir ein Deutsches Prepaid Handy für 29 Euro gekauft. Tarif in alle D- Netze: 9 Cent pro SMS und Telefonminute- geht doch! – Alfred Newman

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alfred Newman am 08.05.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wird auch Zeit

    Wird allerhöchste Eisenbahn! Denn wir werden gnadenlos abgezockt. Ich bin durchaus bereit, ETWAS mehr zu bezahlen im Ausland. Aber die Preise sind völllig überrissen. Und mit Service alleine lässt sich das schlicht nicht rechtfertigen. Da ich oft in D unterwegs bin und Kontakte habe dort, habe ich mir ein Deutsches Prepaid Handy für 29 Euro gekauft. Tarif in alle D- Netze: 9 Cent pro SMS und Telefonminute- geht doch!

  • Find ich gut am 08.05.2012 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Supii

    Super! Endlich! Für jemanden wie mich der mindestens 7 Wochen pro Jahr im Ausland ist!

  • meccano am 08.05.2012 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    hochpreisinsel bröckelt?

    auf diese weise können wird aber unser traditionelles und lange standhaft verteidigtes markenzeichen "hochpreisinsel" nicht mehr halten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Orange-Kunde am 08.05.2012 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wettbewerbskommission

    Es geht doch nicht, dass Anbieter das Telefonieren ins Ausland für 3 Rappen/min anbieten, während die 3 Grossen für Inlandtarife das 10fache verlangen!! Ständig drehen sie einem Gratis-SMS an, dabei willich doch nur günstig telefonieren. Was meint denn die WEKO zu diesem Fall? Mit welchem Anbieter haben die Verträge abgeschlossen?? Im Ausland ersetze ich meine SIM-Karte durch eine lokale. 1. will ich meine Ruhe haben von zuhause und 2. der Tarif... PS: Gibt es ausländische Anbieter, die in der CH einen tieferen Preis anbiet

  • Daniel am 08.05.2012 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso die Aufregung?

    ... die meisten Schweizer wollen Marktwirtschaft. Warum wird jetzt staatlicher Schutz verlangt? Eine grosse Mehrheit der Schweizer verdient immer noch sehr gut. Als Unternehmer würde ich die Eidgenossen ebenfalls abzocken. Telefonieren ins Ausland gehöhrt ja nicht zu den Grundelementen des Überlebens. Also Gebühr bezahlen oder auf das Telefonieren verzichten.

  • Marion Gutknecht am 08.05.2012 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch ohne

    Ich glaube das hier zum Teil wieder am Thema vorbei diskutiert wird und die Swisscom am Schluss deswegen nichts tut. So war es auch allgemein mit den Handytarifen. Weil alle, obwohl Festnetzanschluss zuhause, mit dem Handy telefonierten, wohlgemerkt auch von zuhause, sah die Swisscom keinen Grund die Tarife zu senken. Es wird immer zu reden geben weil wir nicht in der EU sind und daher auch andere Preise haben. Ich hingegen brauche kein Telefon in den Ferien. Für Notfälle hat es im Ausland genau soviele Telefone wie hier. In den Ferien mache ich alles andere ausser telefonieren!!!

  • Mark am 08.05.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Na, nutzt es einfach nicht...

    Ich habe für mich schon lange die Konsequenzen gezogen: Ich nutze das Mobiltelefon im Ausland grundsätzlich nur im Notfall. Internet über WLAN Hotspots. Wenn ich für ein SMS mit Prepaid sagenhafte -.90 bezahlen soll kann Swisscom das vergessen. Sollen sie von all den immer noch Unwissenden leben, die nach Rückkehr in die Schweiz gleich der Schlag trifft bei den aufgelaufenen Kosten. Nicht benutzen - es geht erstens auch ohne und zweitens verstehen Swisscom & Co nur diese Sprache.

  • Ausländer am 08.05.2012 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu Teuer

    nicht jeder Arbeitnehmer Verdient hier in der achso schönen Schweiz viiiieeeeel Geld im vergleich zu Schweizern. Die Schere geht immer weiter auseinander. Schweizer Arbeitgeber beuten Ausländer immer mehr aus um mehr in Ihren eignen Geldbeutel zu stecken. Handy und Festnetz Tarife sind in Deutschland weitaus günstiger wie hier in der Schweiz. Ich bezahlte in Deutschland für eine all inklusive Flat 45.- Euro, hier bezahl ich bei Sunrise 60.- Sfr Sunrise-Festnetz und gerade mal 1gb Internet ohne SMS. Anbieter schon günstig für Schweiz doch zu vorher viel zu Teuer.