CVP-Delegiertenversammlung

20. Juni 2009 11:00; Akt: 20.06.2009 11:07 Print

Easyjet-Strategie für Krankenkassen

CVP-Präsident Christophe Darbellay will das Gesundheitssystem «neu erfinden». Ein qualitativ gutes und günstiges Gesundheitswesen à la Easyjet im Flugverkehr muss her.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Darbellay plädierte am Samstag vor den Delegierten in Delsberg dafür, von «kosmetischen Reformen» wegzukommen. Zudem wandte er sich gegen eine medizinische Überversorgung und forderte eine stärkere Palliativmedizin.

Das Schweizer Gesundheitssystem stehe vor einem Wendepunkt, sagte Darbellay und appellierte an die Parteimitglieder: «Werden heute keine Reformen für einen echten Umbau eingeleitet, wird die obligatorische Krankenversicherung in finanzielle Schieflage rutschen.» Die von Gesundheitsminister Pascal Couchepin vorgeschlagene 30-fränkige Praxisgebühr bezeichnete er als eine von vielen «kosmetischen» Reformen, die überwunden werden müssten. «Die Politik muss ihr Recht geltend machen und ein Gesundheitssystem mit hoher Qualität zu vernünftigen Preisen neu erfinden», sagte Darbellay gemäss Redetext und verwies auf Europas führenden Billigflieger, der das Flugwesen reformierte. «Alle haben Easyjet bei deren Lancierung kritisiert; inzwischen fliegen alle mit Easyjet herum», sagte der Walliser Nationalrat und zeigte sich überzeugt, dass höhere Leistungen im Gesundheitswesen auch mit geringerem finanziellen Aufwand realisierbar wären. Dies zeige das Beispiel Japan. Dabei kritisierte Darbellay unter anderem, dass in der Schweiz bisher ein einheitliches Qualitätsmessungssystem fehle.

Der CVP-Präsident sprach auch das umstrittene Thema des Umgangs mit todkranken Menschen erneut an. In dem Gesundheitspapier, das in diesem Zusammenhang bereits im Vorfeld zu reden gegeben hatte und den Delegierten nun zur Diskussion vorlag, steht, dass «eine Übermedikation und eine Verlängerung des Lebens um jeden Preis» bei schwerwiegenden Fällen zu hinterfragen sei. Grundsätzlich sei die Palliativmedizin, also die medizinisch lindernde Behandlung von unheilbar Schwerstkranken, stärker auszubauen. Darbellay unterstrich die Bedeutung, über dieses schwierige Thema zu diskutieren, und stellte sich klar «gegen eine medizinische Überversorgung».

Das Gesundheitspapier umfasst insgesamt 15 Massnahmen zum Umbau des Gesundheitswesens. Vorgeschlagen wird etwa ein Kostenbeitrag von 50 Franken für Patienten, die sich direkt an einen Spezialisten wenden oder wegen einer «Bagatelle» in der Notfallstation eines grossen Spitals behandeln lassen. Weiter sieht das Papier eine bessere Zusammenarbeit unter den Kantonen sowie die Schaffung einer gesamtschweizerischen Struktur mit sieben Versorgungsregionen vor. Zudem wird die Planung der Spitzenmedizin auf Bundesebene, die Abschaffung des Numerus clausus für das Medizinstudium und eine Stärkung der Hausärzte gefordert. Als weiteres Thema neben der Gesundheitspolitik stand die Parolenfassung zur Anpassung des BVG-Umwandlungssatzes auf dem Programm.

(ap)