Benzinpreis

10. April 2013 16:49; Akt: 10.04.2013 18:04 Print

Economiesuisse-Boss spricht von 5 Fr. pro Liter

Die Mobilität ist in der Schweiz zu billig: Dies sagt Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli. Für den Spitzenvertreter der Schweizer Wirtschaft sind 5 Franken pro Liter Benzin eine Überlegung wert.

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Die Mobilität - und damit auch das Benzin - ist zu billig. Das sagt auserechnet der Economiesuisse-Präsident. (Bild: Keystone)

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Die Erhöhung des Benzinpreises erhält Fürsprache von ungewöhnlicher Seite: Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli sagte gegenüber der Zeitschrift «Schweizer Monat», die Mobilität in der Schweiz sei zu billig: «Wir verhalten uns unökologisch, weil es uns nichts kostet. Damit sich die Einstellung ändert, müsste der Benzinpreis auf fünf Franken pro Liter erhöht werden», so Wehrli. Aktuell liegt der Benzinpreis in der Schweiz bei 1,66 bis 1,86 Franken pro Liter.

Die Erhöhung auf fünf Franken hätte laut Wehrli folgenden Effekt: «Endlich hätten jene Autos Konjunktur, die tatsächlich weniger Kraftstoffe verbrauchen.» Vom ganzen technologischen Fortschritt der letzten 50 Jahre seien
80 Prozent in unnütze Leistungssteigerung geflossen und nur 20 Prozent in die Verbrauchssenkung, gibt der Präsident des Wirtschaftsdachverbands zu bedenken.

Dass nun auch Wehrli von einer massiven Erhöhung des Benzinpreises spricht, sorgt bei anderen Wirtschaftsvertretern für Empörung. Transportunternehmer und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sagt: «Ein Benzinpreis von fünf Franken würde unsere Volkswirtschaft massiv schädigen.» Durch die Verteuerung des Benzins in diesem Masse würde laut Giezendanner eine Zweiklassengesellschaft geschaffen: «Der kleine Mann könnte sich das Autofahren nicht mehr leisten.»

Girod: «Konstruktive Überlegungen» von Wehrli

Auch beim Schweizer Gewerbeverband ist man über Wehrlis Aussagen alles andere als erfreut. Direktor Hans-Ulrich Bigler sagte zur «Neuen Luzerner Zeitung»: «Ob Bauzulieferer, Detailhandel oder die Gastronomie: Für diese und viele andere Branchen würde ein Benzinpreis von fünf Franken pro Liter einen massiven Kostenschub bedeuten, den letztlich der Kunde zu spüren bekäme.» Wehrli sei einer «grünen Logik» erlegen.

Von den Grünen gibts tatsächlich Lob für Wehrli. Nationalrat Bastien Giroud: «Ich bin erfreut, dass die Economiesuisse sich für einmal mit so konstruktiven Überlegungen in die Debatte einbringt.» Doch selbst für die Grünen sei ein Benzinpreis von fünf Franken noch Zukunftsmusik. «Hilfreicher wäre, wenn uns die Economiesuisse bei Forderungen unterstützen würde, die jetzt im Parlament aktuell sind, etwa bei der Einführung von Road Pricing oder einer CO2-Abgabe von 50 Rappen pro Liter Benzin.»

Economiesuisse: Benzinpreiserhöhung müsste global erfolgen

Wehrli war heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Kurt Lanz, Economiesuisse-Geschäftsleitungsmitglied und Bereichsleiter Infrastruktur, Energie und Umwelt, sagt jedoch: «Herrn Wehrlis theoretische Überlegungen über den Benzinpreis stehen im Zusammenhang mit unserer Forderung, im Verkehr mehr Kostenwahrheit zu schaffen.» Die Economiesuisse fordere aber keine Erhöhung des Benzinpreises auf fünf Franken.

Eine Verteuerung des Benzins dürfte aus Sicht von Economiesuisse nicht im Alleingang erfolgen. Lanz: «Würden wir den Preis isoliert in der Schweiz erhöhen, würde dies dem Standort schaden und hätte unerwünschte Auswirkungen.» Viele Schweizer Autofahrer würden dann ins umliegende Ausland fahren, um zu tanken, so Lanz - «was noch mehr Verkehr zur Folge hätte».

(lüs)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn man bedenkt, dass z.B. ein Liter Milch oder eine Flasche Cola fast 2 Franken oder gar mehr kostet, sind 5 Franken pro Liter für das einstige Erdöl nicht viel. Zigaretten kosten ja auch bald 10 Franken. – Beobachterin

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel_E am 11.04.2013 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Endlich mal einer, der sich zum Verursacherprinzip bekennt! Oder wer macht sich denn schon Gedanken, was für Abfall beim Auto hinten rauskommt. Es kommt raus, und ist auch schon weg. Wie schön! Keiner beklagt sich heute mehr über eine Sachgebühr. Jeder bezahlt das, was er verursacht. Es soll mir mal jemand erklären, warum das beim Benzin anders sein soll.

  • Stephan am 10.04.2013 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimalüge

    Immet wieder die Grünen mit ihren Klimalügen! Auch wenn wir die nächsten 5-10 Jahre kein einziges Gramm CO2 mehr würden in die Luft blasen, würde es trozdem immer wärmer werden. Das ist der natürliche Zyklus der Sonne, die Menschen haben darauf keinen Einfluss!!

    einklappen einklappen
  • Arbeitnehmer am 10.04.2013 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenforderung

    Ich fordere 4000 Franken Maximallohn und 100'000 Franken Maximalvermögen für Economiesuisse-Bosse. Dann kommen sie sicher nicht mehr auf solche Ideen! Und: Wer bereit ist, eine Arbeit anzunehmen, die etwas weiter weg ist von seiner Familie und seinen Freunden, der muss pendeln (oder Famile und Freunde verlassen). Das darf man nicht finanziell bestrafen! Sonst steigt der Anreiz aufs Sozialamt zu gehen, statt jeden Morgen aufzustehen und den Bossen zu helfen viel Geld zu kassieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ester am 12.04.2013 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen übertrieben

    Genau!! 300.- pro Tankfüllung... super

  • Nix.Gelernt am 12.04.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    und weiter gehts

    Abzocker verloren und nun noch was sagen um weiter beachtet zu werden. Das tut mehr als weh....

  • Uso Nicanor Segundo Préyà am 12.04.2013 03:31 Report Diesen Beitrag melden

    GAS FLASCHE ;)

    da muss man halt so wie in der Türkei mit der gas Flasche fahren :)

  • Michi 93 am 11.04.2013 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ÖV ist am 6km teurer als ein auto 

    Ez mal ganz erlich. Wer heute ein auto fährt und mal genau ausrechnet was ein auto mit haftpflich kostet kommt nich billiger mit dem ÖV weg. Ich zahle 1500.- versicherung ( neulenker) und fahre einen golf 4 1,8T. Ausgerechnet was ich an KM un versicherung pro tag bezahle ist es billiger als als mit dem ÖV. Und wohlgemerkt eine strecke von 9km mit dem ÖV!! Wer weiter fährt mit dem ÖV ish teurer unterwegs als mit dem auto. Und das shon am 6km!

  • Marcel_E am 11.04.2013 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Endlich mal einer, der sich zum Verursacherprinzip bekennt! Oder wer macht sich denn schon Gedanken, was für Abfall beim Auto hinten rauskommt. Es kommt raus, und ist auch schon weg. Wie schön! Keiner beklagt sich heute mehr über eine Sachgebühr. Jeder bezahlt das, was er verursacht. Es soll mir mal jemand erklären, warum das beim Benzin anders sein soll.