Warnung vor Street Parade

07. August 2018 05:41; Akt: 07.08.2018 08:03 Print

Ecstasy-Tabletten werden immer gefährlicher

Ecstasy-Tabletten sind im Schnitt mehr als doppelt so stark wie noch vor zehn Jahren. Für Konsumenten birgt das grosse Gesundheitsrisiken.

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Die Tablette ist neongelb und zeigt auf der Vorderseite das Antlitz eines Pharao. Auf der Rückseite ist eine Warnung eingeprägt: Die Pille enthalte 240 Milligramm MDMA. Ein Konsument der beliebten Partydroge brachte die Pille kürzlich zum Checking ins Labor.

«Prägungen mit dem Wirkstoffgehalt sind ein neues Phänomen. Die Angabe kann stimmen, muss aber nicht», sagt Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich. Offenbar reagierten die Hersteller mit der Warnung darauf, dass die Pillen immer stärker werden – und für Konsumenten damit immer riskanter.

Doppelt so stark wie vor zehn Jahren

Aktuelle Zahlen der Drug-Checkings zeigen, dass sich der Wirkstoffgehalt der Tabletten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat. In einer Pille waren im ersten Halbjahr des laufenden Jahres durchschnittlich 173,4 Milligramm MDMA enthalten. Laut Kobel wird es ab 120 Milligramm gefährlich: «Die Körpertemperatur steigt an. Bewegt man sich und trinkt man dazu Alkohol, droht der Kreislaufkollaps.» Neben Krampfanfällen können hohe Dosen auch zu schweren Organschädigungen und gar zum Tod führen.

Im Drogenforum Eve & Rave berichten User von den Nebenwirkungen der starken Pillen. Nachdem seine Freundin an zwei Tagen hintereinander Tabletten von 170 Milligramm geschluckt habe, sei sie «komplett kraftlos» gewesen, schreibt einer. Sie habe sich sehr oft übergeben müssen, bis ein Arztbesuch nötig geworden sei.

Beunruhigend sei, dass seit etwa zwei Jahren vermehrt hochdosierte Tabletten mit mehr als 200 Milligramm auftauchten, sagt Kobel. Eine Ecstasy-Tablette enthielt im laufenden Jahr gar 290 Milligramm MDMA – sie reicht also für drei junge Männer mit 75 Kilo Körpergewicht. «Wir raten den Konsumenten daher, wenn, dann nur noch einen Teil der Tablette zu nehmen.»

Street Parade steht vor der Tür

Die Partydroge – laut Kobel wird sie vor allem in Clubs, an Anlässen wie der Street Parade oder zunehmend auch an Festivals eingenommen – wird grösstenteils in den Niederlanden oder Belgien produziert und dann in die Schweiz geschmuggelt. «Nachdem Safrol, aus dem MDMA gewonnen wird, streng kontrolliert wurde, haben die Produzenten offenbar neue Herstellungswege gefunden.» Überhaupt habe in der Produktion eine Professionalisierung Einzug gehalten. «Die Tabletten haben immer ausgefallenere Formen, und die Prägungen sind besser sichtbar.»

Wegen des höheren MDMA-Gehalts ruft Kobel vor der Street Parade vom kommenden Wochenende zur Vorsicht auf. Von Spontankäufen an der Street Parade rät er dringend ab, zumal wegen der vielen ausländischen Gäste auch hierzulande wenig verbreitete Substanzen wie Crystal Meth ins Land gelangten: «Im besten Fall ist es nur Aspirin, es könnte aber etwas anderes sein. Was in einer Pille ist, weiss man nur mit Gewissheit, wenn man sie testen lässt.» Das sei im mobilen Drug-Checking möglich (siehe Box).

Gemäss dem Suchtmonitoring Schweiz haben knapp 4 Prozent der Schweizer schon Ecstasy konsumiert. Am Zoll wurden 2017 genau 36’339 Designerdrogen-Pillen beschlagnahmt. Die Spezialisten des Tox-Zentrums beraten regelmässig die Notfallstationen der Spitäler bei Fällen, in denen Ecstasy eine Rolle spielt. Laut Direktor Hugo Kupferschmidt steigt mit der Tablettenstärke auch das Risiko einer Überdosierung. «Das ist problematisch, wenn ein Konsument die Bezugsquelle nicht kennt.» Ihm seien aber nur wenige akute Vergiftungsfälle bekannt. «Alkoholvergiftungen stehen an der Street Parade klar im Vordergrund.»

Haben Sie Fragen zum Thema Party-Drogen? Im Formular unten können Sie diese stellen. Ein Experte von Streetwork Zürich wird sie demnächst im Live-Chat beantworten.


(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prof.dr.med M. Håsselbørg am 07.08.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Einfach nicht konsumieren, dann passiert nichts.

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  • Orest Shvadchak am 07.08.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr und mehr...

    Es reicht schon lange nicht mehr das was vor 10 Jahren gereicht hat. Es muss immer mehr, immer grösser und immer spezieller sein auf diesem überbevölkerten Planeten.

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  • Mike Zac am 07.08.2018 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langstrasse lässt grüssen

    einer der wenigen gesetzlosen Orte der Schweiz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Igel am 07.08.2018 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mir Egal

    Wer sowas Frisst, löst bei mir nur ein Mitleidiges Lächeln aus. Oh je, würde niemals solche Sachen schlucken. Selber schuld, es wird niemand gezwungen.

  • Kurt am 07.08.2018 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Freigeben

    Wenn canabis nicht ziemlich schnell freigegeben wird werden immer mehr solche gefährlichen Sachen auf den markt kommen. Die heuchelei sollte aufhören. Freigeben kontrollieren und ahv und steuern davon finanzieren. Die bünzlis sollen ihr bier wein schnaps saufen und canabis freigeben. Die schweiz ist Rückständig . Gibt gas

  • M. V. am 07.08.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wie vor 25 Jahren

    240 bis 320mg war vor 25 Jahren noch normal, da hat man einfach mit nem drittel oder ner hälfte angefangen...

  • Tim am 07.08.2018 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Pharao gefährlich

    Die Pharao Pille ist wirklich zu hoch dosiert, musste ich selber feststellen. Gibt bestimmt viele Daumen runter, aber thats life....

  • Marc am 07.08.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Experten...

    Deshalb bestelle ich reines MDMA im Darknet und lasse es dann in Zürich testen. So geht man auf Nummer sicher. Und die Dosierung hängt stark vom Körpergewicht ab, ich mit meinen 125 Kg brauche deutlich mehr als 120mg. Sowas sollte ein angeblicher Drogenexperte eigentlich wissen...