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23. Dezember 2019 19:37; Akt: 24.12.2019 00:32 Print

Edel-Prostituierte Balthus verklagt «Weltwoche»

Kürzlich publizierte die «Weltwoche» einen Artikel über das Treffen des Redaktors Roman Zeller und der Berliner Prostituierten Salomé Balthus. Sie war damit nicht einverstanden.

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Die Berliner Edel-Prostituierte Salomé Balthus warf dem «Weltwoche»-Journalisten Roman Zeller Anfang Dezember vor, einen Artikel über ein Treffen mit ihr ohne ihr Einverständnis veröffentlicht zu haben. Sie sei immer wieder von der Weltwoche um ein Interview gebeten worden, sagte sie im Gespräch mit 20 Minuten. Sie habe jedoch stets abgelehnt, weil sie «mit einer solch rechten Zeitung nicht zusammenarbeiten möchte».

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Zeller meldete sich schliesslich auf Balthus' Vorschlag hin als Kunde bei ihrer Agentur. So kam es dann zum Treffen in einer Bar in Berlin. Sie habe keinen Grund gehabt, Zeller nicht als Kunde zu empfangen, so Balthus. Doch dass das Gespräch in Form eines Artikels in der «Weltwoche» publiziert wird, darüber sei sie nie informiert worden. «Ich war natürlich nie einverstanden, dass er unser Gespräch derart missbraucht.»

«Wenn Zeller auf seine Absicht hingewiesen hat – warum hofft er, dass ihm Balthus nicht böse sei?»

Nun hat Balthus rechtliche Schritte eingeleitet, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Denn sie selbst habe während des Gesprächs mehrmals darauf hingewiesen, dass sie keinesfalls in der «Weltwoche» porträtiert oder zitiert werden wolle, sagt sie zur Zeitung. «Ich dachte, er wolle mich als Privatperson kennenlernen.» Und: «So etwas habe ich noch nie erlebt.» Etliche Zitate seien falsch oder verdreht. Zudem habe Zeller ihr den Text nicht zum Gegenlesen geschickt. «Die ‹Weltwoche› hat mich arglistig getäuscht und zu ihrer Trophäe gemacht. Das ist keine Kleinigkeit, das akzeptiere ich nicht. Nur weil ich als Prostituierte arbeite, lasse ich mich nicht als journalistische Trophäe missbrauchen», sagt Balthus zum «Tages-Anzeiger».

Deswegen engagierte sie den Zürcher Anwalt Pablo Bünger. Gemäss diesem verletzte Zeller mit seinem Artikel die Privatsphäre von Balthus. Ausserdem habe der Journalist sich praktisch schuldig bekannt: Einen Tag nach der Veröffentlichung erhielt Balthus eine Weihnachtskarte von Zeller. Darin stand, dass er sich freue, sie kennengelernt zu haben. «Du hast mich beeindruckt, weshalb ich unbedingt darüber schreiben wollte – ich hoffe, Du bist mir nicht böse.» Dieser letzte Satz sei ein Schuldeingeständnis, sagt Bünger: «Wenn Zeller auf seine Absicht hingewiesen hat – warum hat er dann diese Karte geschrieben? Warum hofft er, dass ihm Balthus nicht böse sei?»

Anwalt fordert Publikation einer Entschuldigung

Der Anwalt schlug «Weltwoche»-Herausgeber Roger Köppel eine Einigung vor, indem das Magazin seiner Mandantin 25'000 Franken zahle. Offensichtlich ging Köppel nicht darauf ein. Nun will Bünger noch diese Woche zivilrechtlich gegen die «Weltwoche» vorgehen und eine Entschuldigung verlangen, die veröffentlicht werden müsse. Ausserdem fordert er, dass der Artikel aus den digitalen Archiven gelöscht wird und Balthus der Gewinn, den das Magazin mit der Publikation des Artikels erzielt hat, ausbezahlt wird.

Noch Anfang Dezember widersprach Köppel Balthus' Darstellung. «Roman Zeller hat sich korrekt als Weltwoche-Journalist zu erkennen gegeben und einen geradezu euphorischen Artikel über eine sehr intelligente Frau geschrieben», erklärte er gegenüber 20 Minuten. Zu den rechtlichen Schritten, die Balthus nun einleiten will, nahmen gegenüber dem «Tages-Anzeiger» weder Zeller noch der Anwalt der «Weltwoche» Stellung.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 23.12.2019 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Edel?

    Was ist bitte an dieser Frau edel? Sie ist eine Prostituierte wie jede andere auch, nur bezahlen die Freier wahrscheinlich ein Vielfaches!

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  • ? Komisch am 23.12.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BM

    Naja. Warum hat sie sich überhaupt getroffen? Konsequenzerweise hätte sie sich überhaupt nicht mit dem WW Journalisten treffen sollen.

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  • Reto Gubler am 24.12.2019 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feliz navidad

    Wie passend zum Fest, Probleme einer Edel Prostituierten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fan am 26.12.2019 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Unwürdige Handlung

    warum sollen Prostituierte verabscheuend sein und ein Freier nicht?Ich finde, die Frau hat Recht, sie wurde auf ihr Beruf reduziert und die Weltwoche hat-egal wer-illegal gehandelt. Übrigens basiert das Angebot (Prostitution) auf Nachfrage (bezahlende Freier). Männer kommen immer gut weg aber die Arbeit der Frau wird herabgewürdigt.

  • Thomas Meier am 26.12.2019 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schmutziger Journalismus

    Die Weltwoche hat mit diesem Artikel die Privatsphäre eines Menschen verletzt. Und das ist bekanntlich nicht das erste Mal. Kein Wunder schrumpft die Weltwoche immer mehr - wer will schon derartig schmutzigen Journalismus?! Die Würde des Menschen ist unantastbar - das gilt auch für Prostituierte. Wollte die SVP etwa deswegen die Menschenrechtskonvention kündigen? Für die Weltwoche hätte das mehr Freiheit bedeutet. Das mag zwar ein fieser Verdacht sein - er ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen.

  • Mbc am 26.12.2019 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    " man muss irgendwie zum Geld kommen"

    .... wenn die Kunden ausgeblieben sind! Ich habe den Artikel in WW gelesen, ich habe nichts gefunden, was anstössig, beleidigend wäre.. Balthus braucht Geld, am besten von der Schweizern, ich finde diese Art zum Geld zu kommen plump und niveaulos...

    • Fan am 26.12.2019 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      Es gilt

      die Nachfrage zum Angebot. Ich find das Niveaulos wie sie über die Arbeit einer Frau urteilen

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  • Nigella am 26.12.2019 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt ein Zug nach irgendwo in D

    Ach, Madame ist wieder in den Schlagzeilen oder muss ich sagen, Werbung in eigener Sache. Ob sie ihren Verdienst in der Schweiz versteuert?? Warum bleibt sie nicht einfach in ihren Deutschland? Gibt es bei uns mehr Kohle, und wenn man dann noch eine Zeitschrift verklagt, dann gibt's wohl noch mehr Geld - ich hoffe nicht. Sie gibt sich ja als "öffentliche Person" und da muss man halt auch mal etwas aushalten, oder zu Hause bleiben.

    • Fan am 26.12.2019 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ich glaube

      es geht sie 0 was an was sie mit ihrem Geld macht oder lebt

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  • James am 26.12.2019 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Geld kann man alles gut machen!

    Ist der Gewinn messbar, welcher durch die Publikation entstanden ist? Dann darf sie gerne auch die Mehreinnahmen, welche sie durch diese Publikation hat, der Weltwoche auszahlen!