Beinbruch bei Festnahme

07. März 2014 08:49; Akt: 07.03.2014 15:36 Print

Egger sprang auf Flucht vor Polizei aus Fenster

Der flüchtige Pädophile Christoph Egger wollte sich mit einem Sprung aus dem Fenster der Festnahme durch die Berliner Polizei entziehen und brach sich dabei ein Bein.

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Der vor über drei Wochen aus der Klinik geflohene Basler Pädophile Christoph Egger wurde gestern Abend in Berlin festgenommen. Nach Angaben der Berliner Behörden hat er sich bei der Festnahme eine Beinfraktur zugezogen, als er aus einem Fenster im Hochparterre sprang.

Die Berliner Polizei hat einen Hinweis erhalten, dass sich Egger in einer Wohnung in Pankow befinde. Als sie die Wohnung am Donnerstagabend aufsuchte, konnte sie den international gesuchten Pädophilen festnehmen. Er befinde sich dort in Polizeigewahrsam und werde nun nach Basel in den Straf- und Massnahmenvollzug überführt, teilte das Basler Justizdepartement heute mit.

Egger war am 12. Februar nicht mehr in die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) zurückgekehrt, woraufhin die Polizei nach dem 46-Jährigen fahndete.

Nicht mehr in die UPK

Laut einem Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD) kommt Egger nach seiner Rückführung zunächst ins Untersuchungsgefängnis. Dann werde entschieden, wie, wo und wann die stationäre Massnahme fortgesetzt werden könne.

In die UPK zurückkehren könne Egger nicht. Durch die mediale Darstellung der Probleme sei viel Geschirr zerschlagen worden, sagte Marc Graf, Direktor der Forensisch-Psychiatrischen Klinik der UPK, im «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. Die Therapie könne deshalb in den UPK nicht mehr mit der nötigen Objektivität fortgeführt werden.

«Egger wollte sich umbringen»

Grund für Eggers Flucht war offenbar eine ungünstige Prognose, die er am Tag zuvor erhalten hatte. Der Bericht zum Therapieverlauf sei negativer ausgefallen als erwartet, sagte sein Vertrauter Peter Zihlmann.

«Er hatte den Glauben an die Hilfe in der Therapie verloren. Er hatte das Gefühl, seine Bemühungen würden nicht honoriert», sagte Zihlmann zu Focus.de. «Er schrieb mir sogar, dass er sich das Leben nehmen wolle.»

Zihlmann stand während Eggers Flucht nach eigenen Angaben regelmässig mit diesem in Kontakt und habe ihn per SMS, Facebook und WhatsApp zur Rückkehr aufgefordert, sagt der Jurist. Er kennt Egger seit zwölf Jahren. «Zum letzten Mal am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr, also kurz vor seiner Festnahme», sagte Zihlmann dem deutschen Newsportal. Dabei habe sich Egger einsichtig gezeigt und sich stellen wollen. Zihlmann betont, den Aufenthaltsort des Flüchtigen nie gekannt zu haben.

TV-Interview auf der Flucht

Obwohl er auf der Flucht war, hielt sich Egger nicht versteckt, sondern wandte sich an die Medien. Ende Februar gab er dem Fernsehsender RTL ein Interview.

Schon im vergangenen Jahr hatte Egger Schlagzeilen gemacht, als er auf Telebasel auftrat. In dem Beitrag erzählte er unter anderem, wie er Kinder anlockte, um sie zu missbrauchen, und warum er sich regelmässig chemisch kastrieren liess.

Egger war mehrmals verurteilt worden und wurde im Spätherbst 2013 gegen seinen Willen in den UPK untergebracht. Der Mann führte während dreier Jahre ein normales Leben. Er selbst betrachtet sich als «austherapiert».

(20 Minuten/sda)