Albert Rösti

29. August 2013 23:27; Akt: 30.08.2013 15:22 Print

Ein Anti-Mörgeli soll die SVP zum Erfolg führen

von Simon Hehli - Albert Rösti leitet den Wahlkampf der SVP 2015 in der Deutschschweiz. Der Berner gilt als grundanständig und kompromissbereit – will aber kein Softie sein.

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Albert Rösti im Gespräch mit der Grünliberalen Kathrin Bertschy. Der Berner SVP-Mann geniesst auch bei Vertretern anderer Parteien hohes Ansehen, weil er sich mit persönlichen Attacken zurückhält. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle)

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Wenn Christoph Mörgeli der Bad Cop der SVP ist, verkörpert Albert Rösti den Good Cop: Über den Berner SVP-Nationalrat verlieren selbst politische Gegner kein schlechtes Wort. «Rösti ist freundlich, differenziert und konsensorientiert – ein sehr untypisches SVP-Mitglied», sagt SP-Nationalrat Beat Jans, der mit Rösti in der Umweltkommission sitzt.

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Umso überraschender kam die Meldung der «NZZ am Sonntag», dass die Rechtspartei den 46-Jährigen zu ihrem Wahlkampfleiter für die Deutschschweiz gekürt hat. Ausgerechnet ein Vertreter des gemässigten Berner Flügels soll 2015 eine Partei, die für ihre provokativen Kampagnen bekannt ist, zum Erfolg führen. «Das passt irgendwie nicht», findet Jans.

Fährt SVP einen Kuschelkurs?

Eine Erklärung hat Andreas Ladner: Der Lausanner Politologieprofessor hält es für möglich, dass die SVP in zwei Jahren einen verhältnismässig zurückhaltenden Wahlkampf führen wird. «Die Parteistrategen wissen, dass sich die Provokation irgendwann totläuft.» Will die Partei nicht nur Wählerstimmen holen, sondern auch wirklich Einfluss auf die Politik nehmen, müsse sie mehr Leute in die Exekutive hieven und im Parlament mehr Koalitionen schmieden. Für beides brauche sie die Unterstützung der anderen bürgerlichen Parteien. «Die SVP kann ihre potenziellen Partner nicht immer vor den Kopf stossen.»

Ins Bild passt, dass die SVP seit der Wahlniederlage von 2011 gemässigter auftritt, wie auch Parteipräsident Toni Brunner einräumt. Für einen solchen Kuschelkurs wäre Albert Rösti der richtige Mann. BDP-Nationalrätin Ursula Haller freut sich: «Die SVP hat eine gute Wahl getroffen.» Rösti sei hart in der Sache, aber fair im Umgang. «Ich hoffe, diese Eigenschaften schlagen sich im Wahlkampf 2015 nieder.» Der frühere BDP-Präsident Hans Grunder ergänzt: «Die SVP scheint wieder vernünftig zu werden.»

«Kein versöhnliches Signal»

Rösti selber wehrt sich jedoch gegen sein Softie-Image. «Ich habe meine Meinung und werde sie auch äussern.» Auch ohne persönliche Angriffe auf politische Gegner vertrete er pointiert das Parteiprogramm, hinter dem er voll und ganz stehe. Dementsprechend sieht Rösti in seiner Ernennung zum Wahlkampfleiter auch kein versöhnliches Signal an die Konkurrenz.

Gleicher Meinung ist SVP-Generalsekretär Martin Baltisser. Nicht Röstis konziliante Art habe den Ausschlag gegeben: «Sondern dass er ein gutes politisches Gespür hat, über einen Zugang zu vielen Themen verfügt und sich in der Politik sowohl auf kommunaler wie auch auf kantonaler und nationaler Ebene auskennt.» Zudem hat der ETH-Agronom mit MBA Zeit: Per Ende August tritt Rösti als Direktor des Verbandes der Schweizer Milchproduzenten zurück.

Der Provokation nicht abgeneigt

Kein Geheimnis machen Baltisser und Rösti daraus, dass die SVP 2015 auf ihre Evergreens setzen wird, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen: Den «Kampf gegen fremde Richter», der durch die Europapolitik des Bundesrates neue Aktualität gewonnen hat. Und die Zuwanderung.

Wie scharf die Kampagne ausfallen wird, ist noch nicht entschieden. Auf die Frage, wie glücklich er ist mit Sujets wie schwarzen Schafen, roten Ratten und Ausländern, die Schweizer Flaggen zerreissen, antwortet Rösti: «Wenn es eine Provokation braucht, um auf Missstände aufmerksam zu machen, kann ich das unterstützen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baumann Guido am 30.08.2013 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen Bitte!!!

    Verschont mich bitte mit Namen der Windfahnenpolitik wie Grunder, Haller, etc. Merken eigentlich nur noch wenige hier in der Schweiz dass sehr vieles falsch läuft. Liebe Schweizerinnen und Schweizer macht doch mal Kassensturz seit den letzten grossen Wahlen und seit mal ehrlich gegenüber Euch selber. Es muss sicher nicht nur SVP sein aber sicher keinesfalls das was Wir jetzt haben. Etwas mehr Härte, Rückgrad und Konsequenz braucht es unbedingt sonst wird unsere Politik in einem Fiasko enden.

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  • Baslerbebbi am 30.08.2013 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Man sieht es wie man will.

    Ob das für die SVP gut geht, werden wir erst nach den Wahlen 2015 sehen. So wie ich gehört haben, bekommt die SVP von allen Seiten Lob für diesen geplanten Strategiewechsel. Die anderen Parteistrategen werden dies wohl nicht lobhuldigen, in der Hoffnung, dass die SVP vorwärts macht, sondern eben in der Hoffnung, dass diese Strategie versagt.

  • Baslerbebbi am 30.08.2013 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Herr Grunder und Frau Haller müssen einmal genau definieren, was anständig ist. Ist es anständig, der EU beizutreten? Die Kriminalität nicht zu bekämpfen? Die Eigenverantwortung zu hinterfragen? Gegen Steuererhöhungen zu sein? Zusammengefasst: Sind es die Inhalte der SVP, die aus ihrer Sicht nicht anständig sind? Vieles spricht dafür, hatten sie doch früher bei der SVP sehr oft eine grundlegend andere Meinung...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tüechlidrugger am 30.08.2013 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mir ist's recht

    Wenn er wirklich Lösungsorientiert ist dann macht es doch Sinn. Aber wenn wir schon mal beim politisieren sind, ich habe nichts gegen den rechten Flügel: "mit nur einem Flügel bewegen wir uns im Kreis". So, jetzt die Schelte :) eins verstehe ich nicht was ist so schlecht an den Sozis? (der andere Flügel ;) schliesslich habt ihr denen so einiges zu verdanken wie AHV, Krankenkassen, Mindestlöhne und mehr, all dies gäbe es nicht hätten sich nicht die Sozis teilweise mit ihrem Leben dafür eingesetzt. Was wir daraus gemacht haben steht auf einem anderen Blatt. Textiler fragen, die k(o)ennen (all)es

  • Alex am 30.08.2013 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Scharf mit Leisem Ton politisieren

    und sich dabei aber auch nicht lächerlich machen - das SVP-Politik-Sach-Programm darf darunter nicht leiden. Am besten, die SVP-Spitz wird mit neuen Leuten besetzt. Hardliner sollen im Hintergrund agieren, damit keine all zu grosse Angriffsfläche entsteht.

  • Rober Aebi am 30.08.2013 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Egal ob SVP oder SP oder Grüne

    Die heutigen Politiker vertreten nicht mehr die Schweiz und das Volk, sondern ihre Partikularinteressen. Dabei scheuen sie sich nicht, nur die ihr genehmen Wahrheiten zu sagen, eine Kostenexplosion, Steuererhöhungen, einen Ausverkauf der Schweiz, eine Isolierung und fremde Richter in Kauf zu nehmen. Die einst so stolze und unabhängige Schweiz driftet dank unfähiger Politiker immer mehr ins untere Mittelmaas ab. Alle werden gleich - aber nicht besser oder herausragender, sondern einfach nur auf einem tiefen Niveau. Leistung lohnt sich nicht mehr und bald gibt es nichts mehr umzuverteilen.

  • Baslerbebbi am 30.08.2013 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Herr Grunder und Frau Haller müssen einmal genau definieren, was anständig ist. Ist es anständig, der EU beizutreten? Die Kriminalität nicht zu bekämpfen? Die Eigenverantwortung zu hinterfragen? Gegen Steuererhöhungen zu sein? Zusammengefasst: Sind es die Inhalte der SVP, die aus ihrer Sicht nicht anständig sind? Vieles spricht dafür, hatten sie doch früher bei der SVP sehr oft eine grundlegend andere Meinung...

  • Baslerbebbi am 30.08.2013 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Man sieht es wie man will.

    Ob das für die SVP gut geht, werden wir erst nach den Wahlen 2015 sehen. So wie ich gehört haben, bekommt die SVP von allen Seiten Lob für diesen geplanten Strategiewechsel. Die anderen Parteistrategen werden dies wohl nicht lobhuldigen, in der Hoffnung, dass die SVP vorwärts macht, sondern eben in der Hoffnung, dass diese Strategie versagt.