Gotthard-Basistunnel

01. Juni 2016 05:24; Akt: 01.06.2016 08:44 Print

Ein Jahrhundertfest für das Jahrhundertbauwerk

Der längste Eisenbahntunnel der Welt wird heute eröffnet. Der Gesamtbundesrat empfängt am Gotthard die Staatschefs der Nachbarstaaten und 1100 Gäste.

Bildstrecke im Grossformat »
Wichtiger Teil des Sicherheitskonzepts: Der Gotthard-Basistunnel hat pro Richtung eine einspurige Röhre. Passiert in der einen etwas, bleibt die andere funktionsfähig. Ein Pannenzug sollte nach Möglichkeit ins Freie fahren. Gelingt das nicht, stehen im Tunnel vier Nothaltestellen (zwei in beiden Richtungen) zur Verfügung, wo die Passagier aussteigen und sicher in die andere Röhre gelangen können. Ein leistungsstarkes Lüftungssystem hält die Nothaltestelle rauchfrei. Im 1,5 Kilometer langen Fluchtstollen herrscht ein leichter Überdruck, sodass auch hier kein Rauch eindringen kann. Über den Fluchtstollen gelangen die Passagiere an der Nothaltestelle in die andere Röhre, wo sie von einem Evakuierungszug abgeholt werden. Schafft es ein Zug nicht mehr zur Nothaltestelle, gibt es auch auf offener Strecke Fluchtmöglichkeiten. Auf einem einen Meter breiten Gehweg können Passagiere zum nächsten Querschlag gelangen. Insgesamt 178 Querschläge (alle 325 Meter) verbinden die beiden Röhren. Auch hier herrscht Überdruck, damit keine Rauch eindringen kann. In der anderen Röhre werden gestrandete Passagiere von einem Evakuierungszug abgeholt. Spätestens 90 Minuten nach Alarmauslösung sollten die Reisenden wieder im Freien sein. Beim Nord- und Südportal sind jeweils ein Lösch- und Rettungszug stationiert. Sie bestehen aus je zwei Rettungs-, einem Tanklösch- und einem Gerätewagen. Spätestens 45 Minuten nach Alarmauslösung sollten die Retter vor Ort sein. Die Züge, die durch den Basistunnel fahren werden, müssen ebenfalls speziellen Anforderungen an die Sicherheit genügen. So auch die künftigen Gotthardzüge von Stadler Rail, Giruno (Bussard) genannt, die Ende 2019 in Betrieb gehen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Rund 17 Jahre nach Baubeginn wird heute der längste Eisenbahntunnel der Welt – der Gotthard-Basistunnel – eröffnet. Zur Feier sind neben dem Gesamtbundesrat 1100 Gäste geladen – darunter die Staatschefs aus Deutschland, Italien und Frankreich.

3000 Personen stehen im Einsatz, damit der Anlass glatt über die Bühne geht, 300 in- sowie ausländische Medienvertreter werden über den Anlass in alle Welt berichten. Für die Sicherheit der Gäste sorgen neben der Polizei bis zu 2000 Armeeangehörige.

Rund 8 Millionen Franken soll der gesamte Anlass kosten. Über dem «Grossraum Gotthard» gilt eine Verkehrssperre für die Zivilluftfahrt und die Luftwaffe.

Ihren Anfang nehmen die Feierlichkeiten um 8.30 Uhr mit der Segnungszeremonie im Basistunnel. Daran nehmen neben Pater Werlen eine Pfarrerin, ein Imam, ein Rabbiner sowie ein Konfessionsloser teil. Um 12 Uhr eröffnen Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in Rynächt UR und Verkehrsministerin Doris Leuthard in Pollegio TI mit Ansprachen zeitgleich den Tunnel.

17 Minuten Fahrt

Danach fahren die ersten zwei Züge mit Passagieren durch den 57 Kilometer langen Tunnel. Je ein Zug wird von Norden und von Süden her den Tunnel einweihen. An Bord werden jene 1000 Personen sein, die in der Verlosung Anfang Jahr ein Ticket ergattert haben.

Im Eilzugstempo durch den Gotthard: 57 Kilometer in 57 Sekunden. (Video: SRF)

Mit dem neuen Basistunnel verkürzt sich die Reise von Altdorf im Kanton Uri nach Bellinzona im Tessin um total 30 Kilometer. Die Fahrt dauert künftig im Personenzug noch rund 17 Minuten, wenn der Zug mit den erlaubten 200 km/h fährt.

Weil die Steigung zwischen Altdorf und Lugano mit dem neuen Tunnel auf 12,5 Promille reduziert wird, gilt die Strecke ausserdem als erste Flachbahn durch die Schweizer Alpen. Damit kann der Güterverkehr auf Schiebeloks verzichten und längere und mehr Züge einsetzen.

Ein Jahrhundertbauwerk

Die offiziellen Arbeiten für das Jahrhundertbauwerk begannen im November 1999 mit dem Tunnelanstich. Insgesamt schufteten in den folgenden rund 17 Jahren 2400 Arbeiterinnen und Arbeiter bei Temperaturen von bis zu 50 Grad im Berg. Neun Menschen verloren bei den Bauarbeiten ihr Leben.

28,2 Millionen Tonnen Material wurden aus dem Berg gebrochen. Ein grosser Teil des Gesteinsausbruchs kam in Form von Beton wieder in den Berg hinein. Im Oktober 2010 erfolgte der Hauptdurchschlag.

Das Tunnelsystem mit Verbindungs- und Zugangsschächten misst 152 Kilometer. Die Felsschicht über den Tunnelröhren ist zwischen sechs und 2300 Metern dick. Damit ist der Tunnel derzeit nicht nur der längste, sondern auch der tiefste der Welt.

Merkel, Hollande, Renzi, Kern

Mit dem Gotthard-Basistunnel ist das Kernstück der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) vollendet, welche vor 24 Jahren vom Schweizer Volk angenommen worden war. Das Jahrhundertbauwerk soll das Tessin und die Deutschschweiz näher zusammenbringen und der EU eine gute Nord-Süd-Verbindung bieten.

Doch auch mit der Tunnel-Eröffnung bleibt das Verlagerungsziel für den Güterverkehr noch weit entfernt. Laut Umweltschützern fehlt es am politischen Willen, in den Augen der Behörden liegt es am Ausland. In Italien sollen die drei grossen Zufahrtsstrecken zur Neat bis Ende 2020 angepasst sein. In Deutschland dauert der Ausbau aber noch nahezu zwanzig Jahre.

Wie wichtig die neue Verbindung durch die Alpen für die Nachbarländer ist, zeigt die Gästeliste für die Eröffnungsfeier. Sowohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch der französische Präsident François Hollande, Italiens Premier Matteo Renzi und der neue österreichische Kanzler Christian Kern werden der Eröffnung beiwohnen. Im Namen der EU wird Verkehrskommissarin Violeta Bulc anreisen.

Kulturelles und Kulinarisches für die Gäste...

Ihnen wird – neben dem offiziellen Teil – auch Kulturelles und Kulinarisches geboten: Mit 600 Darstellerinnen und Darstellern hat der Theaterregisseur Volker Hesse ein Spektakel zum Mythos Gotthard und dem hochmodernen neuen Tunnel inszeniert. Auch Musiker, darunter Alphornbläser, das Armeespiel und lokale Chöre, haben ihre Auftritte.

An den beiden Tunnelportalen in Rynächt und Pollegio TI können sich die geladenen Gäste mit regionalen Spezialitäten verpflegen. Und gegen den Durst stehen Getränke aus den beiden Regionen bereit.

...und ein Fest für die Bevölkerung

Am Wochenende kommt dann die Bevölkerung zum Zug: Die Tunneleröffnung wird mit einem grossen Publikumsanlass an vier Orten gefeiert: auf der Alpennordseite in Erstfeld und Rynächt, im Tessin in Pollegio und am Bahnhof in Biasca.

Die Organisatoren der Feier rechnen mit einem grossen Interesse der Bevölkerung. Rund 50'000 bis 100'000 Personen sollen am Fest-Wochenende durch den 57 Kilometer langen Tunnel fahren können.

(chk/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fels Beisser am 01.06.2016 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gotthard

    Staatsoberhäupter im Überfluss. Da ich selber 3 Jahre im Zwischenangriff in Sedrun gearbeitet habe kenne ich verschiedene Mineure. Auch solche die 17 Jahre mitgearbeitet haben. Nur traurig finde ich das diese Mineure nicht eingeladen wurden. Ich hab keinen Anspruch, aber zumindest die langjährigen Mineure wäre das mindeste gewesen.

    einklappen einklappen
  • franz am 01.06.2016 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fest fürs Volk?

    Da werden Staatschefs eingeladen, die null Leistung an dieser Röhre gebracht haben! Den Arbeiter sollte diese Feier gewidmet werden, denn die haben ihr Leben für diesen Bahntunel auf spiel gesetzt. Aber nein Der Steuerzahler Schweiz, darf wie immer nur zahlen, die anderen bekommen die Lorbeere. .

    einklappen einklappen
  • Urs P am 01.06.2016 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Jetzt lassen sich alle 'Dickkopfeten' (Politiker, Meyer SBB, etc.) feiern, photografieren und schlau daherreden als ob Sie es bezahlt hätten. Dann auch noch das Fest mit 1100 'oberen, VIP's, oder wie auch immer. Wir alle bezahlen mit unseren Steuerfranken diese zur Schau Stellung. Die Steuerrechnung aber bitte in 30 Tagen bezahlen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monika B. am 01.06.2016 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Nicht nachvollziehbar, dass die wichtigsten Menschen nicht eingeladen wurden. Die Mineure. Hätten nicht SIE die erste Fahrt im VIP-Abteil verdient?

  • mapenski am 01.06.2016 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie werden die falschen gefeiert

    Jetzt wäre es noch sehr begrüßenswert wenn unsere lieben Nachbarländer im Norden und Süden endlich ihre Backen zusammenkneifen würden und ihr Versprechen sich an die Neat anzubinden, flott vorantreiben. Jedoch habe ich an der Politik deren so meine Zweifel. Wenn überhaupt dann wohl leider nur mit weiteren zig Millionen aus unserem Steuergeldpot. ICH VERNEIGE MICH VOR DEN MINEUREN, PLANERN und allen denen die mitgeholfen haben dieses Jahrhundert Ding erfolgreich zu beenden. R.I.P. an die VERSTORBENEN! Die Feier gilt in meinen Augen für all diese Menschen...

  • Felix am 01.06.2016 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ausladung

    Ausladung! Eigentlich dürften alle, die für einen 2. Gotthard-Strassentunnel gestimmt haben, nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen und müssten wieder ausgeladen werden. (Inkl. Bundesräte!)

  • Andy am 01.06.2016 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bahn

    Von der Bergstrecke Sagt nimand etwas hir guckt mann in die Röhre!!!!!Wassen im Tunnel für immer Verstumt.

    • P.T. am 01.06.2016 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      Ja, und vermissen Sie auch den letzten Postillon? Und die Alpenüberquerung von Hannibal mit seinen Elefanten? In welchem Jahrhundert leben Sie?

    • Innerschweizer am 01.06.2016 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      Falsch, es fahren weiterhin Züge auf dieser Strecke, diese sind dann eher für Tourismus/Ausflüge ausgelegt.

    einklappen einklappen
  • Tschörtschi am 01.06.2016 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer negativ

    Schön,die vielen negativen Kommentare hier.Dann werden meine Holde und ich am Samstag bei der Feier ja alleine sein,prima.

    • Gönner am 01.06.2016 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Sie als ich

      Na dann viel Spass. Lieber Sie als ich...

    einklappen einklappen