Bundesgericht

15. März 2011 14:37; Akt: 15.03.2011 14:37 Print

Ein Kuss mit fatalen Folgen

Dreissig Jahre hatte ein Kondukteur für die SBB gearbeitet. Dann wurde er fristlos entlassen. Er hatte im Zug eine Frau angemacht.

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Ein Zugchef der SBB ist zu Recht fristlos entlassen worden, nachdem er einer allein reisenden jungen Frau zu nahe getreten ist. Laut Bundesverwaltungsgericht ist sein distanzloses Verhalten nicht mit seiner Vertrauens- und Repräsentationsfunktion zu vereinbaren.

Was sich auf der Zugfahrt zwischen Brig VS und Genf im April 2010 ganz genau zugetragen hatte, blieb zwischen dem Zugchef und der Bahnkundin bis zum Schluss umstritten. Fest steht auf jeden Fall, dass die junge Frau in Aigle VD den fast leeren Zug bestiegen und sich in den vordersten Wagen hinter der Lokomotive gesetzt hatte.

Wangenkuss beim Abschied

Bei der Billettkontrolle wechselte der Zugchef dann einige Worte mit ihr. Nach dem Halt in Vevey VD stieg er wieder in den ersten Waggon, setzte sich zur Passagierin und führte mit ihr ein Gespräch über verschiedene Themen wie Beruf, Ferien und Zivilstand.

Beim Verabschieden gab ihr der Kondukteur auf jede Wange einen Kuss und berührte beim Aufstehen mit einer Hand ihr Knie. Noch auf der Fahrt sprach die aufgewühlte Frau einen Securitrans-Mitarbeiter an. Der Sicherheitsbeamte begleitete sie dann an ihrem Ziel im Flughafen Genf zum Bahnschalter, wo sie den Vorfall meldete.

Aushängeschild der SBB

Knapp zwei Wochen später wurde der Zugchef, der seit 30 Jahren für die SBB gearbeitet hatte, fristlos entlassen. Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Beschwerde nun abgewiesen. Laut den Richtern in Bern hat er mit seinem Verhalten in krasser Art und Weise seine elementaren Arbeits- und Verhaltenspflichten verletzt.

Er habe sich der Kundin auf eine von ihr als bedrohlich empfundene Art genähert, sie damit in eine unzumutbare Situation gebracht und schwer verunsichert. Als Zugchef sei er eine Visitenkarte der SBB. Zu seinen zentralen Funktionen gehöre es, sich gegenüber Kunden stets anständig und korrekt zu verhalten.

Natürlichen Abstand wahren

Bereits die Tatsache, dass er sich in einem fast leeren Zug zu einer allein reisenden jungen Kundin hingesetzt habe, sei unangemessen gewesen. Was die Wangenküsse betreffe, so sei von jedem Zugbegleiter und erst recht von jedem Zugchef zu erwarten, dass er einen natürlichen Abstand zu den Kunden wahre.

Als Zugchef habe er den Fahrgästen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und auch in kritischen Situationen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Der Beschwerdeführer habe indessen sein Bedürfnis nach Ablenkung und sein Mitteilungsbedürfnis über die Interessen der Kundin gestellt.

Insgesamt sei das Vertrauensverhältnis zu den SBB derart zerrüttet worden, dass eine Weiterbeschäftigung nicht zumutbar und auch eine blosse Verwarnung nicht ausreichend gewesen wäre. Seinen Lohn, den der Betroffene während des Beschwerdeverfahrens weiter erhalten hat, muss er laut Gericht nicht zurückerstatten.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ja am 16.03.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    überwachung

    Da die Züge fast überall mit Kameras ausgestattet sind, beim Übergang zu den Fahrerhäusschen wohl noch sicherer, wird die SBB sicherlich die Videobänder angeschaut haben...

  • Zuaghi am 15.03.2011 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Erbärmlich

    eine junge Frau, also eine Erwachsene, kann sich nicht gegen zwei Küsschen zur Wehr setzen und muss stattdessen via Strafanzeige dafür sorgen, dass jmd. den Job verliert? Courage sieht anders aus!

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  • george am 16.03.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    ...eine ohrfeige haets auch getan.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Daniels am 16.03.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Oh lala...

    Ein schwuler Kollege, das war in seinem Betrieb nicht bekannt, wurde wegen angeblicher sexueller Belästigung einer Frau fristlos entlassen. - Vor Gericht hat er dann glaubhaft machen können, dass er absolut keine Interessen an Frauen hat. - Das hat den Ex-Arbeitgeber dann 1 Jahresgehalt gekostet...- Wenn Frau will, dann hat Mann nichts mehr zu lachen (siehe Scheidungen, etc.).

    • Zuaghi am 18.03.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Konsequenzen für "Belästigte" ?

      Hallo Roger, bitte sag uns doch gleich noch was dann die Strafe für die falsche Anschuldigung war. Wäre interessant! Gruss Zuaghi

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  • peter müller am 16.03.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    LESEN!!!

    Alle die sich hier echauffieren, sollen zuerst einmal das Urteil des Bundesgerichts sowie den Sachverhalt genau lesen. Motzen könnt ihr anschliessend!

    • Zuaghi am 18.03.2011 08:33 Report Diesen Beitrag melden

      SCHREIBEN!!! ;-)

      BundesVERWALTUNGSgericht bitte, kleiner Unterschied. Des weiteren ist das Ganze mMn. klar Aussage gegen Aussage, da sollte im Zweifel FÜR den Angeklagten entschieden werden. Unabhängig von vorgängigen Übertretungen wenn diese völlig anderer Natur waren.

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  • george am 16.03.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    ...eine ohrfeige haets auch getan.

  • HanniHam am 16.03.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    mir tut er leid

    Naja er hat bestimmt schon lange kein Abenteuer gehabt und wollte eine wunderschöne Frau kennenlernen. Die ist ihm dann zum Verhängnis geworden. Er kann einem Leid tun. Er hat sie ja nicht wie ein Prieser SEXUELL genötigt sondern nur einen Flirt abgelegt. Ich weiss nicht wie man hier übertreiben kann.

  • MarcF am 16.03.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Macht der Frauen

    Unglaublich...aber soweit ist es schon gekommen...ich arbeite selber im öffentlichen Dienst und "betreue" weibliche Kundschaft nur noch, wenn noch jemand dabei ist und das Gespräch bezeugen kann! Aber besser ist es, dass Frauen, Frauen bearbeiten...denn hier kann man eindeutig sehen, welches Wort schwerer gewichtet wird...