Gesundheitswesen

21. Februar 2011 12:59; Akt: 21.02.2011 13:32 Print

Einheitskasse hätte gute Chancen

Mit dem Gesundheitswesen ist die Schweizer Bevölkerung laut einer Online-Umfrage nicht zufrieden: 57 Prozent sprechen sich für eine Einheitskasse aus und befürworten weniger Wettbewerb.

storybild

Die Schweizer Bevölkerung wünscht sich im Gesundheitswesen laut Vimentis mehr Regulierung. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Schweizer Bevölkerung herrscht Unzufriedenheit über den Zustand des Gesundheitswesen. Diesen Schluss ziehen die Vertreter der grossen Parteien aus einer Online-Umfrage des Vereins Vimentis.

Vimentis fragte die Besucher seiner Website nach deren Meinung zu innenpolitischen Themen, über 29 000 Personen haben geantwortet. Dem Vorschlag, die obligatorische Krankenversicherung nur als Einheitskasse anzubieten, stimmten 57 Prozent der Umfrageteilnehmer zu, wie Vimentis am Montag mitteilte. Grundsätzlich sprachen sich die Teilnehmer für eine stärkere Regulierung im Gesundheitswesen (46 Prozent) anstelle eines stärkeren Wettbewerbs (26 Prozent) aus.

Vorsicht wegen Repräsentativität

Nicht nur die Resultate beschäftigten die Vertreter der Parteien an der Präsentation der Resultate am Montag in Bern, sondern auch die Repräsentativität der Umfrage.

Alle mahnten zur Vorsicht. Grünen-Präsident Ueli Leuenberger bedauerte «die mangelnde Transparenz» beim Berechnungsverfahren. CVP- Generalsekretär Tim Frey gab zu bedenken, dass bei Smartvote und den SRG-Umfragen weniger Details bekannt seien; die Vimentis-Umfrage sei dagegen nachvollziehbar.

Online-Umfragen haben ihre Tücken, weil die Teilnehmer nicht zufällig ausgewählt werden. Zwar hat Vimentis die Antworten so gewichtet, dass die Umfrage für die Schweiz bezüglich Geschlecht, Alter, Kanton und Bildung repräsentativ ist. Die statistische Unschärfe fällt mit rund fünf Prozent jedoch unüblich hoch aus.

System hat versagt

Am meisten Raum nimmt bei der Umfrage das Gesundheitswesen ein. Die Resultate zeigten, dass das System versagt habe, sagte SP- Generalsekretär Thomas Christen. Die anderen Parteienvertreter gaben ähnliche Einschätzungen ab. «Wir haben die Verpflichtung, das System zu verbessern», sagte Frey.

Während sich Christen ob der Zustimmung zu einer Einheitskasse (57 Prozent) erfreute, wollte der SVP-Vertreter dies nicht überbewerten. Viele hätten sich damit noch gar nicht auseinandergesetzt, sagte Nationalrat Sebastian Frehner (SVP/BS). Zur Einheitskasse ist eine SP-Initiative hängig.

Frehner und FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE) verwiesen auf Lösungen, bei denen sie sich durch die Umfrage eher bestätigt sahen. So sprachen sich 52 Prozent der Teilnehmer der Vimentis-Umfrage dafür aus, die Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung auf das «Lebensnotwendigste» zu beschränken. 37 Prozent waren dagegen.

Keine Zugeständnisse bei AHV

«Alle müssen Zugeständnisse machen», sagte Wasserfallen. Beunruhigt zeigte er sich aber, dass bei der AHV trotz Überalterung offenbar niemand zu Konzessionen bereit sei. Eine Rentenkürzung lehnte eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent ab. Keine Chance hat laut Umfrage auch ein höheres AHV-Rentenalter (55 Prozent dagegen).

Vimentis versteht sich als politisch neutrale Organisation, die eine Plattform betreibt zur Information über und Diskussion von politischen Themen. Bei Vimentis arbeiten rund 30 Studenten mit. Die Umfrage wird jährlich durchgeführt. An der Umfrage 2011 nahmen zwischen Anfang Oktober und Dezember 29 279 Personen teil. Berücksichtigt wurden nur stimmberechtigte Bürgerinnen und Bürger.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angel am 21.02.2011 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bin dagegen...

    nein danke!! Dann haben wir ein Monopol und die richtig reichen, können sich dann für viel geld, bei privatkassen versichern lassen, ist in DE auch so! UNd die haben ebenfalls Einheitskasse und es wird den Menschen da 13-14% vom einkommen für die KV abgezogen. Nene was sich anfangs schön anhört, endet am schluss im immer steigenden Prämienkrankenkassenmonopol

  • Papierlischweizer am 22.02.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Erst weg mit der Pharmalobby

    Eine Einheitskasse macht erst Sinn, wenn die Medikamentenpreise endlich dem europäischen Durchschnitt angepasst werden. Dass die Pharmalobby diese längst fällige Anpassung mit leeren Drohungen zu verhindern weiss, lässt mich an der Redlichkeit dieser Herren ernsthaft zweifeln. Auch die Dominanz der von den Pharmamultis gekauften Schulmedizin wirkt sich negativ auf die Prämien aus, denn solange die Symptombekämpfung gefördert wird, solange verdient Novartis und Co. Geheilte Bürger schaden dem Geschäft.

  • Beobachter am 21.02.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das System, die 'Hüter' dessen..

    Ncht das System hat versagt. Die Unfähigkeit der Politiker seit Ruth Dreifuss ist Schuld an er stetigen höheren Belastung der privaten Haushalte wegen der Krankenkasse. Die Verdienste der Lieferanten sind noch immer hoch genug.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bidu am 22.02.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bin dafür

    Endlich sind alle klar. Die Einheitskasse ist eine gute Lösung. Keine Werbung und keine hohe Löhne der Direktor. Der Bund soll die Verwaltung der Einheitskasse wie z.B. Steuerverwaltung übernehmen. Ich bin überzeugt, dass die Prämie sinkt. Die Zusatzversicherung soll abgeschafft werden.

    • win win am 22.02.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      richtig!

      yes!!

    einklappen einklappen
  • Papierlischweizer am 22.02.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Erst weg mit der Pharmalobby

    Eine Einheitskasse macht erst Sinn, wenn die Medikamentenpreise endlich dem europäischen Durchschnitt angepasst werden. Dass die Pharmalobby diese längst fällige Anpassung mit leeren Drohungen zu verhindern weiss, lässt mich an der Redlichkeit dieser Herren ernsthaft zweifeln. Auch die Dominanz der von den Pharmamultis gekauften Schulmedizin wirkt sich negativ auf die Prämien aus, denn solange die Symptombekämpfung gefördert wird, solange verdient Novartis und Co. Geheilte Bürger schaden dem Geschäft.

  • Werner am 22.02.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    KK + Zahnarzt - Zusammenschluss voran-

    treiben, ohne Prämien-Erhöhung, sondern die Arzt-Tarife müssen nach unten korrigiert werden, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

  • P. top am 22.02.2011 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft: Keine verbesserung in sicht!

    Wenn eine Einheitskasse die Prämien stabilisieren könnte oder sogar eine Senkung der Prämien hervorrufen könnte, dann bien ich einverstanden. Jedoch glaube ich nicht an all diesen Werbungsgeplauder und glaube kaum dass der Wille unserer Regierung und die Versicherungshengste an eine bessere Versicherungssituation gewillt sind.Bei uns ist das erste Gebot "Profit"! Daher Zweifle ich an irgedeine moralische Verbesserung in unserem Gesundheitswesen.Es ist bedänklich aber es ist mal so.

    • Win win am 22.02.2011 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      ??

      auch ein argument!!

    einklappen einklappen
  • jasmin am 22.02.2011 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    denken liebe leute denkt nach

    wer eine einheitskasse will hat anscheinend noch nicht begriffen was ein monopol ist. der swisscomm hat man die hölle heiss gemacht wegen dem monopol und für die KK will mann ein monopol, man muss dann einfach bezahlen hat keine wahl mehr kann nicht mehr auf günstigeres ausweichen. doch ich finde euch super schlau das ihr wieder ein monopol wollt. ich werde die einheitskasse ganz klar ablehnen ich bin doch nicht naiv und will wie ihr noch mehr bezahlen. jeder der denkt es werde günstiger soll sich an die grundversicherung zurück erinner ich habe mal für 3monat 350 jetzt das 3fache mehr

    • Monique am 22.02.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist wieder so eine Falle, wie alle vorhin

      Ich kann Jasmin nur Recht geben. Gerade bei Krankenkasseprämien wurden wir so oft belogen und betrogen. Das Resultat ist, das wir heute nicht nur die Franchise zusätzlich zahlen müssen, sondern auch fast nicht mehr bezahlbare Prämien. Bestraft werden stets die Armen und bei einem Monopol ist die Sache versigelt, da kann man nicht mehr machen. Die Prämien werden dann weiter steigen wie zuvor. Die Lösung: Prämien reduzieren und zwar drastisch. Man soll beim Spenden ins Ausland sparen nicht an eigener Bevölkerung. Dieser Zustand verdanken wir den Politikern (allen zusammen).

    • bob am 07.03.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

      überleg doch mal

      falsch. Ein staatliches Monopol ist nicht wie ein privates. Überleg doch mal, zb Wasserversorgung ist auch ein staatliches Monopol, und wer beklagt sich über Qualität und Preis, oder noch ein besseres Beispiel: SUVA

    einklappen einklappen