Tödlicher Unfall in Baden

21. August 2019 08:39; Akt: 21.08.2019 15:29 Print

Wegen dieser Fehler musste Bruno R. sterben

Anfang August kam ein Zugchef ums Leben, als er in Baden in der Zugtür eingeklemmt wurde. Nun liegt der Zwischenbericht der Untersuchung vor.

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Der Vorfall erschütterte die ganze Schweiz: Am Sonntag, 4. August, wurde Zugchef Bruno R.* in Baden in der Tür eingeklemmt und vom Zug mitgeschleift. Der 54-Jährige starb beim Unfall. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat nun einen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Darin führt sie auf, dass mehrere Fehler zum Unfall führten.

Beim Einklemmschutz wurden zwei Fehlfunktionen festgestellt. So war eine Verbindung beim Druckwellenschalter lose, weshalb die Schliesskraft der Tür nicht abgebaut wurde, als sie auf ein Hindernis traf. Folglich «war der Einklemmschutz nicht wirksam».

Kontrolllampe erlischt, obwohl Tür nicht zu ist

Auch der Sensor, der die Einklemmschutzfunktion deaktivieren soll, sobald die Tür fast ganz geschlossen ist, trug zum Unfall bei: Er befindet sich nicht immer an der gleichen Position. Somit kann es passieren, dass der Einklemmschutz nicht erst kurz vor der endgültigen Schliessung deaktiviert wird, sondern bereits früher.

Auch die Kontrolllampen im Führerstand werden im Bericht kritisiert. Diese zeigen dem Lokführer an, ob alle Türen geschlossen sind. Ist dies der Fall, schalten sich die Lampen aus. Das passiert jedoch auch dann, wenn die Tür nicht komplett am Wagen anliegt. Weil es zwei Endschalter gibt, die nicht miteinander verdrahtet sind, kann es passieren, dass die Kontrolllampe erlischt, obwohl die Tür nicht komplett geschlossen ist.

Systeme müssen angepasst werden

«Der Lokführer muss den Informationen der Kontrolllampe jedoch vertrauen können», schreibt die Sust. Ihr Fazit: «Das aktuell eingebaute System erfüllt diese Anforderung nicht.»

Die Sust sieht den Schaltpunkt des Sensors, der das Einklemmschutzsystem kurz vor der kompletten Schliessung deaktiviert, als nicht zuverlässig an. Die Einklemmschutzfunktion könne vor der 98-prozentigen Schliessung der Tür nicht garantiert werden. Die Sust empfiehlt deshalb dem Bundesamt für Verkehr (BAV), die SBB aufzufordern, das heutige System durch ein zuverlässiges zu ersetzen.

Auch die Kontrolllampen im Führerstand sieht die Sust als Defizit. «In die Türen eingeklemmte Personen oder Gegenstände müssen mit hoher Sicherheit festgestellt werden. Das heutige System erfüllt diese Anforderung nicht. Die Tür kann dem Lokführer als geschlossen gemeldet werden, obwohl diese nicht ganz verschlossen ist. Dies führt zu Unsicherheit beim Lokpersonal und kann zu Unfällen führen.» Die Sust empfiehlt deshalb, dass Türendschaltersystem anzupassen, damit die Kontrolllampe dem Lokführer den korrekten Zustand anzeigt.

Zwei Drittel der Wagen wurden bisher kontrolliert

Kurz nach der Veröffentlichung des Sust-Berichts verschickte auch die SBB eine Mediemitteilung. Sie arbeite bereits an konkreten Massnahmen zu den Sust-Sicherheitsempfehlungen, heisst es darin. Die Erkenntnisse und Empfehlungen würden in die eigenen Untersuchungen zum Türschliesssystem einfliessen.

Kurz nach dem Unfall hat die SBB Sofortmassnahmen eingeleitet. Dazu zählt etwa eine zusätzliche Kontrolle aller Türen des Wagentyps EW IV. Bisher seien rund zwei Drittel der Wagen kontrolliert worden. Türen, bei denen Mängel festgestellt wurden, würden sofort repariert oder gesperrt, um sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt reparieren zu können.

SBB will Wagen derzeit nicht aus dem Verkehr ziehen

Auch der Abfertigungsprozess wurde überprüft. Der heutige Ablauf sei für Kunden und Personal sicher, betont die SBB. Eine interne Expertengruppe prüfe jedoch, ob es Anpassungen gebe, die die Sicherheit weiter erhöhen.

Die EW-IV-Wagen ausser Betrieb zu nehmen, ist aus Sicht der SBB derzeit nicht nötig. Sollte sich während der Untersuchungen an der Einschätzung jedoch etwas ändern, werde die SBB geeignete Massnahmen ergreifen, «unabhängig von den Auswirkungen auf den Betrieb».

*Name der Redaktion bekannt

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 21.08.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Einklemmschutz

    Es ist unglaublich dass ein Einklemmschutz nicht zweikanalig verdrahtet ist. Das ist bei jeder Werkzeugmaschine seit 1992 Vorschrift!

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  • Mike. am 21.08.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    unzulässiger BEtrieb

    Die Wagen sind also eigentlich so nicht betriebsfähig. Ihre Betriebsbewilligung müsste damit sofort erlöschen, bis das Problem behoben und die Wagen nachgeprüft wurden. Tut sie das nicht, ist hier ein illegaler Zustand.

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  • Bessi Wissner am 21.08.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "SUST EMPFIEHLT" ?

    Bitte kein Kater Walk mehr auf der Teppich Etage. Die Sust muss per Auflage BEFEHLEN, dass 100% Verschluss über den Türspalt von oben bis unten gesichert ist, bevor Abfahrt möglich ist. Auch eine Hand im Gummi zwischen Tür und Wand muss erkannt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerry G. am 21.08.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Quali

    Und das ist ein Zug "made in Switzerland"?

  • FASANO am 21.08.2019 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der CEO hat keine Schlafprobleme.

    Und der Meyer? Der schläft trotzdem gut.

  • FASANO am 21.08.2019 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Und wo wurden diese Wagen gewartet? An der Elfenbeinküste? In Polen? In Deutschland?

  • Meier K am 21.08.2019 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing to DB

    Wahrscheinlich wurde der Einbau im Ausland durchgeführt und dort aus Kosten und Zeitgründen so schlampig ausgeführt. Offiziell ist alles ok, mit kleineren Defekten ist zu rechnen;))) Preislich unschlagbar günstig.

  • Fritz am 21.08.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmensch

    Die Angehörigen tun mir unglaublich leid, mein Beileid. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Zuversicht. Wenn so ein schwerwiegender Unfall passiert ist es sehr schwer das zu ertragen. Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann ist, das Herr Meyer erstens keinen direkten Kontakt mit den Angehörigen hatte, und zweitens nicht an der Beerdigung teilnahm. Ich sage es direkt und unmissverständlich, Herr Meyer ist ein Schönredner und Drückeberger erster Güte. Diese ständigen windigen Ausreden von ihm habe ich wirklich satt.

    • tttt am 21.08.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz

      Und was ist mit all den andren Angehörigen, die an selben Tag ebenfalls jemanden verloren haben durch Alter, Krankheit oder Unfall? Ich find heuchlerisch wenn Mitgefühl for einen vollkommenen Fremden ausgesprochen wird, nur weil er gross in den Medien kam.

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