Kosten explodieren

04. Mai 2019 17:16; Akt: 04.05.2019 17:16 Print

Frauen demonstrieren für Eiseninfusionen

Weil ihre Wirksamkeit umstritten sei, verweigern immer mehr Kassen die Übernahme von Kosten für Eiseninfusionen. Das werde für Frauen ein Problem, warnen Kritiker.

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Das Geschäft mit Eiseninfusionen boomt: Viermal mehr solche Behandlungen als in Deutschland und zehnmal mehr als in Österreich werden hierzulande durchgeführt. Weil die Kosten in den letzten Jahren massiv gestiegen sind, weigern sich nun immer mehr Krankenkassen, die oft Hunderte Franken teure Therapie zu bezahlen, wenn der Eisenwert nicht niedrig genug ist.

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Um dagegen zu protestieren, macht die Eisenliga mobil: Bei einer Demonstration am Samstagnachmittag auf dem Bundesplatz in Bern bringen betroffene Frauen ihren Unmut über einen geplanten Mindestwert zum Ausdruck.

«Frauen sind im Nachteil»

Was diesen Wert betrifft, scheiden sich die Geister. Während die Weltgesundheitsorganisation einen Mindestwert von 15 Nanogramm Eisen pro Milliliter Blut angibt, klagen viele Patienten bereits bei Werten unter 100 über Symptome wie Erschöpfung oder Müdigkeit.

Beat Schaub, Präsident der Swiss Iron Health Organisation, sieht vor allem Frauen im Nachteil, da ihre Eisen-Normalwerte niedriger als bei Männern angesetzt werden. Einen wissenschaftlichen Grund gebe es dafür nicht, schreibt er in einem Brief in der Schweizerischen Ärztezeitung. Zudem hätten Frauen wegen ihrer Menstruation achtmal weniger Eisen «an Bord» als Männer.

Beschwerden über Krankenkassen häufen sich

Die Beschwerden von Patienten über Krankenkassen, die eine Kostenübernahme verweigern, häufen sich. Selbst wenn der Hausarzt eine Infusion als nötig erachtet, entscheidet im Zweifel der Vertrauensarzt der jeweiligen Kasse darüber, wann eine Pflichtleistung vorliegt. In der Vergangenheit kam es bereits zu mehreren Gerichtsfällen.

So klagten in Baselland zwei «Eisenmangelfrauen» gegen die Krankenkasse Atupri. Die Juristen gaben letztlich der Kasse recht; die Eisenwerte der Klägerinnen seien nicht tief genug gewesen. Sollte das Beispiel Schule machen, dürften demnächst immer mehr Frauen ihre Eiseninfusion aus eigener Tasche zahlen müssen.

«Dann könnte die Vergütung eingeschränkt werden»

Um die Frage der Leistungspflicht zu klären, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Untersuchung durchgeführt, deren Ergebnisse im Herbst 2019 erwartet werden.

BAG-Sprecher Jonas Montani sagt, das habe Konsequenzen, wenn der Bericht zum Schluss komme, dass die Infusionen nur bedingt die Kriterien der Wirtschaftlichkeit, Wirksamkeit und Zweckmässigkeit erfüllten. «Dann könnte die Vergütung eingeschränkt werden.» Auch die Einführung eines Labor-Schwellenwertes sei möglich.

Weniger Kosten dank Eiseninfusionen?

Ein Schwellenwert ist laut Schaub aber nicht sinnvoll, weil der Eisenwert, bei dem Symptome auftreten, individuell verschieden sei. Nadia C. (48) aus dem Aargau berichtet über eine deutliche Besserung nach einer Behandlung: «Ich litt jahrelang unter Haarausfall, verminderter Leistungsfähigkeit, Muskelschmerzen und Migräne. Seitdem ich Eiseninfusionen bekomme, sind diese Symptome weg.»

Mit ihrer Krankenkasse gab es bislang keine Probleme, ganz im Gegenteil: «Denen ist irgendwann aufgefallen, dass ich andere Therapien nicht mehr in Anspruch nehme, seit ich Eiseninfusionen erhalte. Insofern verursache ich dadurch auch weniger Kosten», so C.

«Viele junge Frauen leiden darunter»

Auch Susanne Galliker (57) fühlt sich mit hohen Eisenwerten wohler. «Ich litt jahrelang an Eisenmangel und hatte die berühmten Symptome wie Müdigkeit, Nackenschmerzen und Haarausfall. Als mein Wert dann über 100 stieg, ging es mir deutlich besser.» Auch sie konnte den Wert wegen ihrer starken Mens nicht halten und bekam die Eiseninfusion alle drei Monate.

Weil die Menstruation nun ausbleibe, brauche sie auch keine Infusionen mehr. Der geplante Schwellenwert beschäftigt sie aber dennoch: «Als ehemalige Betroffene und auch, weil meine Töchter wie viele junge Frauen darunter leiden, setze ich mich für die Eiseninfusionen ein.»

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina am 04.05.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchaus hilfreich

    Ich leide seit 20 Jahren an extremem Eisenmangel. Via Ernährung oder Tabletten kann ich Eisen nicht absorbieren. Ich muss seit Jahren jährlich drei Infusionen machen und jeder der mich dumm anlabert hatte wohl noch nie ernsthaften (!) Mangel. Den Unterschied merkt man definitiv. Meine Werte warwn so tief dass die Ärzte überrascht waren dass ich nicht komplett kollabiert bin. Aber zugegeben, bei leichtem Mangel ohne unterliegende Störung reichen auch Tabletten.

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  • Nance am 04.05.2019 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leukemie

    Kriege Jeder Woche einen Infusion. Habe einen wert von 4 und die Normal wert liegt zwischen 50-200. Ich habe dazu ein Leukemie die behandelt wird mit Oraler Chemotherapie. leider druckt mein Medi auch meine ganzen Blutwerten runter. Auch habe ich einen starken Blutarmut. Was mitunter durch die monatlichen Menstruation zusammenhangt. Ich kann in moment nicht ohne die eiseninfusionen funktioneren. Nebenwirkungen von zu wenig eisen bei mir sind: Blutarmut, Herzklopfen im ohr (wie tinnitus) starke konzentrations Problemen, Erschöpfungs zuständen, Depressionen durch die erschöpfung usw.

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  • Eine Betroffene am 04.05.2019 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisenmangel

    Obwohl ich sehr viel Fleisch (zu viel), Linsen und Spinat esse habe ich trotzem hohen Eisenmangel. Ich verliere monatlich sehr viel Blut wegen der Mens, bis 12 Tage und dafür kann ich nichts. Mit der Infusion habe ich auch seltener Migräne und fühle mich nicht mwhr müde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo Eisenring am 05.05.2019 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Eisen

    Habe eine H 63 D und somit viel zu viel Eisen. Gehe jedes Quartal zum Arzt, der dann einen Aderlass vornimmt. So komme ich auf einen Eisenwert von um die 100. Hatte früher schon über 800!

  • Gruss aus Afrika am 05.05.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisen

    Ach könnte ich nur den Ärzten glauben dass sie fachkompetent u. nachhaltig Leben verbessern. Sieht gern so aus als obs nur ein gutes Geschäft ist. Kliniken müssen ja die vielen Untersuchungsgeräte amortisieren denn näcvstes Jahr ist es schon wieder versltet und muss ersetzt werden. Die dritte Welt wirds dann noch etwas 40 Jahre weiter in Betrieb haben. Danke Wunderland Schweiz.

  • Dietmar Nigsch am 05.05.2019 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blutspender

    Ich bin ein Mann und habe zuviel Eisen Hämocremathose,da das aus einer Erbkrankheit resultiert kann ich gesetzlich nicht einmal normal Butspenden im Ausland schon z. b. österreich u. deutschlandalso wasfür Gesetze gibt es denn hier schon usw.

    • Hugo Eisenmann am 05.05.2019 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dietmar Nigsch

      Das ist bei mir auch so. Aderlass ist eine ärztlich angeordnete Massnahe und deshalb darf das Blut nicht für andere Zwecke verwendet werden. Habe eine H 63 D

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  • Kati am 05.05.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Unfreundlich

    Wenn ich die Kommentare hier lese, dann frage ich mich wie wir Menschen noch uns vermehren und überleben. Ich habe dass Gefühl 80%Kommentaren von Männern sind so negativ gegenüber Frauen. Das wir uns auf der Straße nicht erschlagen ist fast ein Wunder. Das gleiche ist aber wenn ein Artikel ausschließlich Männer Thema betrifft. Wieso sind wir so verbittert, unfreundlich...

  • Kati am 05.05.2019 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klingt wie Propaganda

    Interessant dass so eine gegenwelle nur in CH zuhören ist. Ich vermute dass das nur die KK Interesse hat um nicht zu zahlen. Ich habe extra in ausländische Presse etwas Vergleichbares gesucht.Nix gefunden. Es wird überall die Infusion empfohlen.