14. April 2005 17:34; Akt: 14.04.2005 17:34 Print

Eklat im Baugewerbe

In den vorerst gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) im Bauhauptgewerbe haben sich die Fronten weiter verhärtet.

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Zwischen den Sozialpartnern im Baugewerbe ist es am Donnerstag zum Eklat gekommen. Die Gewerkschaft Unia mobilisierte die Bauarbeiter am nationalen Aktionstag und kündigte Warnstreiks an. Die Baumeister werteten das Verhalten als Abkehr vom Verhandlungstisch und setzten die GAV-Verhandlungen aus.

Die Unia nimmt den Kampf gegen den Kahlschlag auf, wie Andre Kaufmann, Leiter der vertragspolitischen Abteilung der Unia, an einer Pressekonferenz in Zürich-Oerlikon sagte. Der nationale Aktionstag, an dem unter anderem Warnstreiks für den 13. Juni beschlossen wurden, sei der Auftakt für eine längere Kampfphase. Falls die Baumeister bis im September nicht einlenkten, werde es zu Streiks im grösseren Stil kommen.

Den Bauarbeitern droht laut Unia mit dem vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) vorgelegten neuen Entwurf zum Landesmantelvertrag (LMV) Lohndumping und Chaos in bisher unbekannten Mass. Die Arbeitnehmerrechte würden mehr oder weniger auf die gesetzlichen Minimalbestimmungen reduziert. Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere den geplanten Abbau beim Kündigungsschutz, der Arbeitszeitregelung, der Krankentaggeldversicherung sowie beim Minimallohnsystems. Für die Bauarbeiter sei klar, dass sie ohne substanziellen Landesmantelvertrag als Schutz vor Lohn- und Sozialdumping der Ausweitung der Personenfreizügigkeit nicht zustimmen könnten.

Die SBV-Präsidentenkonferenz beschloss am Donnerstag die GAV-Verhandlungen auszusetzen. Wer nach Halbzeit den Verhandlungstisch verlasse, indem er öffentliche Aktionen durchführe, lasse dem Verband keine andere Wahl, gab der SBV bekannt. So seien gemeinsam vier Verhandlungstermine für April und Mai vereinbart worden. Mit grossem Erstaunen habe der SBV nun nach zwei der Verhandlungsrunden vernommen, dass die Gewerkschaften auf dieser Basis gar nicht erst verhandeln wollten. Der von den Gewerkschaften verlangte massive Ausbau des bestehenden LMV ist laut dem SBV «weltfremd». Um die heutigen Anforderungen der privaten und öffentlichen Bauherrschaften erfüllen zu können, bräuchten die Unternehmen dringend eine flexiblere Arbeitszeitregelung.

Laut den Baumeistern liegt der Ball nun bei den Gewerkschaften. Falls diese ernsthaft über einen neuen LMV verhandeln wollten und sich verpflichteten, während der Verhandlungen nicht an die Öffentlichkeit zu treten, sei der Verband jederzeit für Verhandlungen bereit. Der SBV würde sich freuen, einen vertragslosen Zustand vermeiden zu können, wie es in einer Mitteilung heisst. Der GAV läuft Ende September aus.

(ap)