Rorschach reichts

10. April 2013 07:47; Akt: 10.04.2013 07:48 Print

Eklat im Schweizer Sozialhilfe-Wesen

Rorschach SG fühlt sich von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe im Stich gelassen. Die Gemeinde verlässt den Fachverein. Auslöser ist der Fall eines schweizweit berüchtigten Sozialhilfe-Bezügers.

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Thomas Müller kritisiert die SKOS scharf - und zieht die entsprechenden Konsequenzen. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Eigentlich ist die Gemeinde Rorschach gar nicht direkt vom Fall Berikon betroffen. Der junge Schweizer Sozialhilfebezüger Sascha W.* verhielt sich in der Aargauer Gemeinde jahrelang äusserst unkooperativ und renitent - trotzdem durfte Berikon ihm gemäss Bundesgerichtsurteil die Zahlungen nicht streichen.

Eine Frechheit, findet Rorschach. Und noch saurer stiess der Gemeinde auf, dass sogar die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) den Bundesgerichtsentscheid begrüsste - mit der Begründung, auch schwierige Menschen hätten ein Anrecht auf Sozialhilfe. Für Berikon gab es obendrein einen Rüffel von der SKOS.

Rorschach fühlt sich schlecht vertreten

Rorschach, das den Sozialhilfebehörden von Berikon damals seine Unterstützung ausdrückte, ist von der SKOS dermassen enttäuscht, dass es ihr jetzt gemäss «Blick» den Rücken kehrt. Der Verein müsste eigentlich die Anliegen der Sozialämter vertreten, stattdessen vertrete er nur die Interessen der Sozialhilfe-Empfänger, begründet der Rorschacher Stadtpräsident und SVP-Nationalrat Thomas Müller seinen Entscheid in der Zeitung.

Rorschach ist die erste Schweizer Gemeinde, die die SKOS verlässt. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Fall Signalwirkung haben könnte. Offenbar diskutiert auch Berikon über einen Austritt.

(jbu)