Beschwerde gegen «Late Update»

17. Oktober 2019 14:09; Akt: 17.10.2019 15:03 Print

Elseners Beitrag über Juso-Chefin war sexistisch

Michael Elsener bezeichnete die Juso-Präsidentin als «Miss Juso» und «heiss». Ronja Jansen reichte Beschwerde ein – und bekam recht.

Ronja Jansen reichte gegen diesen Beitrag Beschwerde ein. (Quelle: SRF)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die SRG-Ombudsstelle unterstützt die Beschwerde gegen den Beitrag «Froschmeier trifft Levrat und Zanetti» der Satiresendung «Late Update». Das Aussehen der Juso-Präsidentin sei ironisiert worden und damit sei sie auf ihr Äusseres reduziert und so diskriminiert worden.

Umfrage
Welche SRF-Sendungen schaust du am liebsten?

Die Präsidentin der Jungsozialisten (Juso), Ronja Jansen, hatte die Sendung des Fernsehens SRF vom vergangenen 6. Oktober beanstandet. In der Sequenz werde sie als neue Juso-Präsidentin als «Miss Juso» und «heiss» benannt.

Dies sei sexistisch, da es stets Frauen seien, die auf eine solche Art und Weise auf ihr Aussehen reduziert würden, obwohl ihr Tätigkeitsfeld nichts damit zu tun habe. Sexistische Stereotype würden damit verstärkt und reproduziert und es werde in der Sendung auch nicht auf die damit verbundene Problematik hingewiesen.

Ronja Jansen (Quelle: Keystone)

«Aufs Äussere reduziert»

Diese Argumentation wird von Ombudsmann Roger Blum unterstützt. Blum selber wirft die Frage auf, ob eine solche Bemerkung in einer satirischen Sendung Platz habe. «Ich meine nein, weil sie nicht ihr Handeln und Verhalten auf die Schippe nimmt, sondern ihr Aussehen ironisiert und sie damit auf Äusseres reduziert und so diskriminiert», schreibt er.

Die Redaktion habe argumentiert, dass es sich beim fragenden Journalisten um eine Kunstfigur handle, und dass Kunstfiguren immer wieder dazu dienten, um das Verhalten bestimmter Menschentypen zur Kenntlichkeit zu entstellen. Michael Elsener habe sich ja aufgrund des öffentlichen Protestes dieser Argumentation folgend in der nächsten Sendung von den Aussagen der Kunstfigur Frank-Walter Froschmeier selber distanziert.

Kunstfigur-Theorie

«Denkt man das zu Ende, dann wäre die Bemerkung des Star-Journalisten nicht sexistisch, sondern eine Kritik am Sexismus», schreibt Blum weiter. Diese Argumentation sei ernst zu nehmen, überzeuge jedoch nicht ganz. Denn eine Kunstfigur müsse typenkonform reden. Als Beispiele nannte er unter anderen Alfred Rassers «HD Läppli» oder Viktor Giacobbos «Harry Hasler».

Diese hätten sich alle typengerecht verhalten. «Dass ein deutscher Journalist einen Romand für einen Franzosen hält, ist noch einigermassen plausibel», schreibt Blum. «Aber ist es typisch für deutsche Journalisten, dass sie sexistisch sind? Hier wird wohl die Kunstfigur etwas überbeansprucht. Darum übernehme ich die Kunstfigur-Theorie nicht.»

Zehn von 170 Sendungen beanstandet

Ombudsmann Blum weist in einer Mitteilung vom Donnerstag weiter darauf hin, dass lediglich zehn der über 170 von Radio und Fernsehen SRF in den nationalen Programmen ausgestrahlten Beiträge zu den eidgenössischen Wahlen beanstandet worden seien. Er unterstützte die Kritik nur in zwei Fällen. Dies zeige, dass journalistisch professionell gearbeitet worden sei.

Die zweite Beanstandung, die gutgeheissen wurde, betraf die Sendung «Rendez-vous». Der Beanstander hatte kritisiert, dass nur vom Frauenschub bei FDP und GLP die Rede gewesen sei. Unterdrückt worden sei aber, dass der Frauenanteil auf den Listen der Grünen und der SP nach wie vor am höchsten sei. SP und Grüne hätten deshalb gemäss Ombudsmann Blum erwähnt werden müssen.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Weltenbummler de Triemli am 17.10.2019 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Satiresendung

    Verstehe nicht dass eine Partei, die sich tolerant positioniert... so ein Drama macht über einen Beitrag in einer Satiresendung. Wären solche Aussagen in einer "Arena" gefallen, hätte ich die ganze Diskussion ja verstanden... aber das ist traurig....

  • Thomas am 17.10.2019 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trauriger Tag!

    Nun hört aber auf. Es nennt sich Comedy! Dürfen wir es nicht einmal mehr lustig haben?

  • Gentlemen am 17.10.2019 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2019

    darf man als Mann einer Frau kein Kompliment mehr machen ohne sich vorher rechtlich abzusichern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruth1975 am 17.10.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Manche Politikerinnen und Politiker fühlen sich immer sofort beleidigt.

  • RST am 17.10.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine andere Probleme

    die juso kann eigentlich froh sein das sie keine anderen probleme haben... wenn es der miss juso jetzt besser geht und und sie sich wieder darauf konzentrieren kann mehr 30er zonen einzuführen oder an der überbevölkerumg weiterzuarbeiten... toll, gut gemacht.. me too!

  • Dirk am 17.10.2019 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titel

    Schade eigentlich. Die "heisse Juso-Chefin" hätte viel souveräner mit der Situation umgehen können, als zum SRG Ombudsmann zu rennen. Hier hat sie eindeutig Punkte vergeben. Jetzt wird sie von vielen nur noch als zickig und verklemmte Frauenrechtlerin wahrgenommen. Aber mir soll's recht sein... Guten Tag noch

  • peppi am 17.10.2019 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist das jetzt Satire von Roger Blum?

    Der Ombudsmann Roger Blum lebt in Köln. Er ist Jahrgang 1945 und sollte endlich einem oder einer Jüngeren platz machen!

  • John Doe am 17.10.2019 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Ronja

    Jetzt weiss ich wenigstens welche Partei ich nicht wählen werde. Wenn ein so niedriger Intellekt an der Spitze steht will ich gar nicht wissen wie es um die Basis steht