Teure Kitas

09. August 2018 21:51; Akt: 10.08.2018 09:10 Print

App soll Eltern günstige Babysitter vermitteln

von Anielle Peterhans - Mit der App MyCircle will Kreshnik Kozhani die Kosten für die Kinderbetreuung reduzieren. Die Idee stösst auf Kritik.

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Kreshnik Kozhani will die Kosten für die Kinderbetreuung reduzieren. «Ein Flugticket auszuwählen, ist heute unkompliziert und schnell. Genauso soll die Suche nach einem Babysitter sein», sagt er. Erreichen will das der Grenchner mit der App MyCircle. Am 1. September soll sie offiziell an den Start gehen.

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Ihre Funktionsweise: Eltern können auf einer Plattform in verschiedenen Kategorien «Circles» erstellen, denen sich Personen mit den gleichen Interessen und Bedürfnissen anschliessen können. Die Kosten für die Kinderbetreuung werden so innerhalb des Circle aufgeteilt und sollen damit deutlich sinken. Ausserdem soll es so möglich sein, auf der Plattform Arbeit als Babysitter oder Kinderbetreuer zu finden.

«Die Idee ist einzigartig und das Prinzip simpel»

Die Idee entstand in den Ferien. «Ich brauchte dringend eine Betreuung für meinen vierjährigen Sohn», sagt Kozhani. «Eigentlich haben meine Eltern immer auf ihn aufgepasst. Aus gesundheitlichen Gründen ist das aber nicht mehr möglich.» Er suchte im Internet vergeblich nach passenden Betreuungsangeboten. Die Anzeigen waren entweder zu kompliziert, zu teuer oder forderten Vorauszahlungen für ein Abonnement. Das soll MyCircle ändern.

Auf der Website können Eltern auf der Suche nach Kinderbetreuung einen sogenannten Circle gründen, den sie nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen gestalten. Sie geben Informationen zum Zeitraum und Umkreis an und darüber, wie viel sie zu zahlen bereit sind. Nicht mehr als fünf Kinder dürfen an einem Circle teilnehmen – das entspricht den Standards von normalen Tagesstätten. Andere Eltern mit den gleichen Vorstellungen können sich dem Circle anschliessen. Somit bestimmen sie selbst, wie die Betreuung ihres Kindes aussehen soll.

Babysitter werden unter die Lupe genommen

Sicherheit sei ihm wichtig, sagt Kozhani: Nutzer bewerteten sich gegenseitig und Kinderbetreuer würden mit Stichproben geprüft. Gute Bewertungen führen zu dem Siegel «verified by MyCircle». Zudem hätten Eltern mit einer internen Chatfunktion die Möglichkeit, sich auszutauschen und die Betreuungsperson kennen zu lernen.

«Da ich selbst Vater bin, verstehe ich die Situation, in der sich die meisten Eltern befinden, genau», sagt Kozhani, «Kinderbetreuung ist für fast jeden teuer. Ich will den Menschen helfen. Geld steht nicht im Vordergrund.» Durch Kostenteilung könnten die Preise gesenkt werden. Wer seine Wohnung zur Verfügung stelle, spare nochmals 25 Prozent.

Die Deutschschweiz unterstütze Eltern zu wenig

Zu teure Kitas sind für viele Eltern ein Problem. Zahlen des Bundesamts für Statistik belegen, dass 2016 viele Familien über ein Haushaltseinkommen verfügten, das unter oder nur wenig oberhalb der Armutsgrenze liegt. Nadine Hoch, Geschäftsleiterin des Verbands Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse), sagt, je nach Einkommen könne es sich deshalb finanziell lohnen, ab dem dritten Kind zu Hause zu bleiben. Das dürfe jedoch nicht der Grund sein, dass sich gut ausgebildete Eltern dafür entschieden.

Sie steht der MyCircle-Idee kritisch gegenüber: «Um wirklich etwas zu verändern, müssen die Elterntarife stärker subventioniert werden.» Die App berge die Gefahr, dass sich Nutzer mit mehr Lohn eine besser ausgebildete Betreuungsperson leisten könnten als solche, die weniger verdienten. «Um die Betreuungskosten zu reduzieren, müssen Bund, Kantone und Gemeinden einen Beitrag leisten und nicht länger die Zuständigkeiten hin und her schieben.»

Bessere Nanny für Reiche?

Eine Lösung könne das Finanzierungsmodell einzelner Westschweizer Kantone sein. Dort seien die Elterntarife dank der grösseren finanziellen Unterstützung durch Kanton und Gemeinden tiefer und auch die Wirtschaft beteilige sich an den Kosten.

Start-up-Gründer Kozhani sieht seine App als ersten Schritt für weniger Kosten. Später sollen neben der Kinderbetreuung die Kategorien Fahrgemeinschaft, Spenden und Produkte und Dienstleistungen hinzukommen. «Meine Idee soll international bekannt werden», sagt er. «So wie Uber.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Sauer am 09.08.2018 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Innovation statt Geld vom Staat

    Die Kosten für Kinderbetreuung in der CH sind ein absoluter Witz. Meist lohnt es sich bereits ab dem 2en Kind nicht mehr, dass beide arbeiten gehen. Und was ist die Lösung der Kita-Lobby-Präsidentin? Wie immer in der Sozialwirtschaft: Mehr Geld vom Staat... statt innovative Lösungen wie diese App. Wünsche dem Ersteller viel Erfolg.

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  • Greg am 09.08.2018 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waas?

    Ab dem dritten Kind? Bei den meisten wird bereits ab dem zweiten Kind nur für die Krippe gearbeitet.

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  • Thomas Aegerter am 09.08.2018 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezahlbar

    Wünsche ihm viel erfolg, auch ich hatte mit meinen 2 kindern schwierigkeiten eine bezahlbare babysitterin zu finden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • R. Entner am 10.08.2018 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pensionär

    Es geht auch so. Liebe Eltern geben Sie mir Kost und Logis. Im Gegenzug betreue ich dafür Ihre Kinder. Noch Fragen bin fertig.

  • Brillenschlange am 10.08.2018 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rythmusgefühl verlangt Förderung

    Für meine Kinder ist nur das Beste gut genug. Deshalb brauche ich so etwas definitiv nicht. Ich bringe meinen Amadeus lieber selbst zum kreativen Tanzen und zum Kinderjoga.

    • zufriedene am 10.08.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brillenschlange

      Bester Kommentar den ich hier bis jetzt gelesen habe! Danke für den Lacher.

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  • Benny Dodd am 10.08.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familienvater

    Babysitter? Einmal im Monat maybe! Sonst schaut euch selber zu eure Kinder! Das machen wir seit 10 Jahren... einfach ohne Luxusauto oder Megaferien.... unsere 2 haben 5.5 Abschnitt in der Schule.... Zufall? NEIN!

    • Mike am 10.08.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benny Dodd

      Das hast du toll gemacht, wir sind stolz auf dich!

    • Gen87 am 10.08.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benny Dodd

      Es geht doch auch um die Zeit als Paar. Mal zu zweit essen gehen, ins Kino oder was auch immer. Mal eine Auszeit nehmen. Das tut den Eltern gut und die Kinder haben nachher wieder Eltern mit aufgeladenen Batterien.

    • Mamas Liebling am 10.08.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gen87

      Eltern brauchen keine Auszeit. Das ist eine Berufung. Kinder sind ein einziger Segen und man wollte sie ja. Also bitte jetzt nicht möglichst billig abschieben. Ist ja voll krass und uncool!

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  • Monika am 10.08.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann gibt es ja noch

    Und was ist mit all den Ausländern,Eltern arbeiten Beide (Bravo)Kinder werden der in der Wohnung lebenden Grossmutter,welche selber x Kinder hatte,jetzt ausgelaugt und müde und kaum Deutsch sprechend aufgehalst.Diese Kinder kommen dann ohne nennenswerte Deutschkenntnisse in den Chindsgi.Deutschkurs zahlt der Steuerzahler.

  • Monika am 10.08.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Früher....

    Wir passten noch selbst auf unsere kinder,Jahrgang89,93&94 auf.

    • Gen87 am 10.08.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monika

      Meine Eltern sind wahrscheinlich den gleichen Jahrgang wie du und wir hatten auch ab und zu einen Babzsitter damit die Eltern mal Zeit zu zweit hatten... Hat uns nicht geschadet.

    • Chrispy am 10.08.2018 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      Ich wollte sie

      Meine Kinder sind sogar 01 & 03. Ich zog es vor sie in meinem Sinne zu erziehen.

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