Kinderbetreuung

16. Oktober 2015 23:10; Akt: 16.10.2015 23:10 Print

Eltern schicken Babys lange in Krippe

von B. Zanni - Kleinkinder besuchen die Krippen bis zu fünf Tage die Woche. Oft sind aber auch Kurzaufenthalte gefragt. Grund dafür sind die Grosseltern.

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Viele Grosseltern kümmern sich um die Enkel, um den Anschluss nicht zu verpassen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das Krippenpersonal hat in der Schweiz alle Hände voll zu tun. Die durchschnittliche Dauer, die ein Kind pro Woche in der Krippe verbringt, hat zugenommen. Das zeigt etwa das Beispiel des Kantons Waadt. Wie die Zeitung «24 heures» schreibt, schickten die Eltern ihren 0- bis 4-jährigen Nachwuchs 2009 im Schnitt noch 2,4 Tage pro Woche in die externe Betreuung. Laut den neusten Zahlen der Statistik Waadt sind es nun bereits 2,7 Tage.

Nationale Zahlen wurden nicht erhoben. Die Anfragen bei den Krippen zeigen aber, dass Kleinkinder auch in der Deutschschweiz dort viel Zeit verbringen. Firmeneigene Krippen registrieren lange Aufenthalte. In den Kinderkrippen des Energie- und Automatisierungstechnikkonzerns ABB besuchen die kleinen Mädchen und Jungen die Institution wöchentlich im Schnitt drei Tage. «Die Tendenz nimmt zu», präzisiert Mediensprecher Markus Gamper.

Ein-Tages-Plätze sind gefragt

Gabriela Eigenheer, Leiterin der Zürcher Krippen Kinderparadies GmbH, sagt, dass die Eltern ihre Kleinkinder im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche in ihre Obhut geben. «Viele Mütter bringen ihre Kinder schon um sieben Uhr morgens, weil sie beruflich sehr engagiert sind.» Die Kinderkrippe Globegarden hat in verschiedenen Kantonen Niederlassungen. «Die Eltern schicken ihre Kinder individuell zwischen zwei und fünf Tagen die Woche in die Krippe», sagt Danica Pahl, Leiterin Familienservice von Globegarden.

Die Krippenleiter stellen aber auch eine Gegenbewegung fest. Kurzzeitige Betreuungen von nur einem Tag seien immer mehr gefragt. «Der Trend eines Betreuungstags nimmt zu», sagt Nadja Pieren, SVP-Nationalrätin und Leiterin einer Berner Kindertagesstätte. Das bestätigen auch andere Krippenbetreiber.

Grosseltern helfen mit

Viele Anbieter setzen jedoch einen Mindestaufenthalt von zwei Tagen voraus. So auch Globegarden. «Diese Dauer ist nötig, damit sich das Kind gut einleben und vom Aufenthalt auch profitieren kann», erklärt Pahl. Eine Zürcher Kinderkrippe, die anonym bleiben will, bot die eintägigen Betreuungen vor einigen Jahren an. «In den meisten Fällen hatten die Kinder Mühe, sich einzugewöhnen und fühlten sich unwohl», sagt ein Geschäftsleitungsmitglied.

Den Grund für die Nachfrage nach eintägigen Aufenthalten sehen die Krippenbetreiber in den Grosseltern. Sie würden sich vermehrt um die Enkel kümmern. Die Ansprüche der Eltern sind teilweise hoch. Die Gewissheit, dass die Kinder während ihrer Abwesenheit gut aufgehoben sind, genügt den Müttern und Vätern nicht. «Sie machen sich viel mehr als früher darüber Gedanken, wie sie ihrem Kind eine optimale pädagogische und psychologische Betreuung bieten können», fällt Rebecca Morgenthalter auf. Die Teamleiterin der Frauenfelder Krippe Pusteblume stellt fest, dass vor allem Akademiker Oma und Opa einspannen.

Grosseltern kämpfen um die Enkelbetreuung

François Höpflinger, Soziologe an der Universität Zürich und Generationenforscher, ist bekannt, dass viele Eltern auf die Unterstützung der Grosseltern zurückgreifen. Dies geschehe zum Teil aus finanziellen Gründen. «Sie können sich nicht mehr Krippentage leisten, weil die Betreuungsabzüge reduziert wurden und die Preise der privaten Krippen gestiegen sind.»

Höpflinger stellt aber auch fest: «Viele Grosseltern kämpfen fast dafür, dass sie ihre Enkel betreuen können.» Die Omas und Opas seien gesund und aktiv und wollten den Anschluss nicht verpassen. «Die Enkel sind für sie ein sozialer Jungbrunnen.» Ein weiterer Vorteil sei, dass sie an frühere Zeiten anknüpfen könnten, sich dabei aber nicht voll verantworten müssten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mama am 17.10.2015 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine

    Ich finde es schrecklich wie sich einige Menschen die Freiheit nehmen über andere zu urteilen. Geht man als Mutter arbeiten wird man als egoistische Rabenmutter abgestempelt, bleibt man länger zuhause ist man faul und liegt anderen auf der Tasche! Weshalb kann man nicht einfach akzeptieren, dass wir alle unterschiedlich sind und jeden so leben lassen wie es für ihn stimmt! Bleibt eine Mutter zuhause und kümmert sich um Haushalt und Kind, so ist das toll, wenns finanziell klappt und sie damit glücklich ist. Geht eine Mutter arbeiten, sei es aus finanziellen Gründen oder eben weil es auch Frauen gibt die gerne arbeiten und so einen Ausgleich schaffen, so ist dies doch deren Problem und nicht dies der Mitmenschen! Dies hat beides nichts damit zu tun wie das Kind erzogen ist, die Erziehung hat damit nichts zu tun! Problemkinder haben erwerbstätige und nichterwerbstätige Mütter! Leben und Leben lassen. Weshalb muss man sich nur immer das Leben so schwer machen und woher will man wissen was für andere gut sein soll!

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  • Kevin am 16.10.2015 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe ist sehr wichtig!

    Ist doch schön, dass die Grosseltern sich um die Enkel kümmern. Ein grosser Gewinn für die Kinder, die auf diese Weise auch geliebt werden statt nur betreut.

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  • anna herbst am 16.10.2015 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosskinder

    Grosskinder sind etwas vom allerschönsten. Wir geniessen in vollen Zügen unsere zwei goldigen Grosskinder.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • FaBeK am 18.10.2015 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz einverstanden...

    Das tönt ja gerade so, als würden die Kinder in einer Kindertagesstätte nur physisch versorgt! Ich arbeite in einer Krippe und ich weiss, dass Liebe, Nähe und Zuneigung sehr wichtig für die kindliche Entwicklung sind, deshalb gebe ich dies den Kindern wenn sie das Bedürfniss danach haben. Klar ist es nicht dasselbe wie bei den Eltern oder Grosseltern, aber auf Liebe, Zuneigung und Nähe müssen die Kinder in einer Kita ganz sicher nicht verzichten!

    • ba am 18.10.2015 00:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FaBeK

      Die Arbeit der Kita Mitarbeiter in Ehren... Aber es ist für Dich auch nur ein Job. Ich meine damit sicher nicht, dass es lieblose Pflege ist, aber die soziale familiäre Entwicklung und Entfremdung der Eltern nimmt seinen Lauf. Wie viele Eltern bringen Dir die Kids in Pyjama und vollen Windeln und wollen Sie am Abend wieder mit Pyjama und sauberer Windel mitnehmen?

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  • Kasperli am 17.10.2015 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familie

    Tatsache ist, dass unsere gesellschaft nicht familienfreundlich ist. In zeiten der überalterung sollte genau das gegenteil der fall sein.

  • Mami vo zwei Ching am 17.10.2015 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alle Grosseltern wollen

    Es gibt aber auch die andere Seite. Bei uns waren die einen Grosseltern nicht bereit an einem fixen Tag zu hüten, die anderen wohnen im Ausland. Ich wär dazumal über einen Tag Entlastung sehr dankbar gewesen. Aber so ist das eben. Wir haben die Kinder wollen also müssen wir auch für sie da sein. Somit bin ich als Mutter zu Hause geblieben und bessere mir nun mit dem Amt des Abwarts unsere Ferienkasse auf. Es gibt Zeiten da muss man eben Alternative arbeiten annehmen um den Kompromiss mit Familie zu finden.

  • bi ha am 17.10.2015 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jedem das seine

    sehr guter kommentar. schliesslich schreit auch niemand wenn der vater 150%arbeitet, gucken aber alle doof wenn einer als beruf Hausmann angibt. jeder soll sein modell wählen

  • Aeromoça am 17.10.2015 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch!

    Viele haben hier nicht verstanden dass eine Mutter nicht mehr aus finanzieller Not oder Luxusgeilheit arbeiten geht.Wir arbeiten einfach gern.Wir wollen den Anschluss an die Arbeitswelt nicht verlieren,denn unsere Kinder werden auch mal erwachsen.Denn der Arbeitsmarkt ist erbarmungslos.Einem Arbeitgeber ist es egal wenn man 15 Jahre eine tolle Mutter war.Man war zu lange weg vom Fenster.Meine Mutter hat auch Teilzeit gearbeitet und ich bin weder vernachlässigt,depressiv ADHS oder so geworden.Uns hat es an nichts gefehlt und wir haben gelernt mit anzupacken.Im Gegenteil,ich habe sie bewundert dafür dass sie alles so toll unter einen Hut gebracht hat!Eben alle happy!