Studie zeigt

10. Dezember 2013 08:16; Akt: 10.12.2013 12:51 Print

Eltern spionieren ihren Kindern im Internet nach

Die Mutter checkt die Mails, während der Vater das Facebook-Profil überprüft. Wie eine Schweizer Studie zeigt, kontrollieren viele Eltern ihre Kids online.

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Viele Eltern wüssten gerne, was iher Kinder online so treiben. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Dass die NSA unseren Mailverkehr überwacht, daran haben wir uns schon fast gewöhnt. Bei Kindern und Jugendlichen sitzen die Spione aber meist nicht in Washington, sondern im eigenen Zuhause. Laut einer aktuellen Studie der Universität Zürich kontrollieren 43 Prozent der Eltern in der Schweiz die Mails und Facebook-Nachrichten ihrer Sprösslinge, wenn diese neun bis zehn Jahre alt sind. Bei den 15- und 16-Jährigen liest immerhin noch fast ein Fünftel der Erziehungsberechtigten mit. Aber nicht nur elektronische Nachrichten werden angeschaut: Rund die Hälfte der Eltern verfolgt, welche Websites ihr Kind besucht hat. 41 Prozent überprüfen ausserdem gezielt die Profile des Nachwuchses in sozialen Netzwerken, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt.

In Auftrag gegeben hat die Studie das nationale Programm Jugend und Medien. «Wir wollten herausfinden, wie die Eltern ihre Kinder im Internet begleiten, um die Weiterbildungskurse für Eltern auf den aktuellsten Stand zu bringen», sagt Thomas Vollmer von Jugend und Medien. Das Ergebnis findet der Fachmann problematisch. «Das Kontrollieren hinter dem Rücken des Kindes ist ein Vertrauensbruch, der das Verhältnis stark belasten kann.» Er verstehe zwar, dass Eltern Risiken abwehren möchten. «Aber viel wichtiger wäre, das Kind zu begleiten, Gefahren zu besprechen und gemeinsam Dinge im Internet auszuprobieren.»

«Wie wirs auch machen, ist es falsch»

Für viele Eltern ist das denn auch eine Verunsicherung. Die fünffache Mutter und Autorin Tamar Venditti, die laut eigenen Angaben ihren Kindern nicht nachspioniert, titelte am Montag in ihrem Blog: «Wie wirs auch machen, ist es falsch.» Eben habe man den Eltern noch pauschal vorgeworfen, sie würden ihre Kinder im virtuellen Raum allein lassen, hätten keine Ahnung, was dort alles abgeht, und würden sich auch nicht dafür interessieren. «Jetzt aber hat der Wind gedreht, wir Eltern kümmern uns. Aber falsch. Wir verletzen die Privatsphäre unserer Neun- bis Zehnjährigen, wenn wir ihre Nachrichten lesen.»

Daniela Melone, Leiterin Elternberatung bei Pro Juventute, kann besorgte Mütter und Väter zwar verstehen. «Die heimliche Kontrolle ist aber ein Vertrauensbruch und zudem ein Schuss in den Ofen.» Das Kind richte sich dann womöglich ein neues Facebook-Profil ein – dieses Mal ohne das Wissen der Eltern. «Anstatt zu spionieren, sollte man direkt fragen, was denn die Kinder im Internet erleben und auf welchen Plattformen sie Profile haben.» Auch wenn diese Neugierde nicht gleich auf Gegenliebe stösst: Melone rät dazu, wohlwollend hartnäckig zu bleiben. «Interessiert man sich nicht, kann beim Kind das Gefühl entstehen, es sei einem gleichgültig.»

UN-Konvention schützt Privatsphäre der Kinder

Die Regelungen in Bezug aufs Internet müssen laut Vollmer in jeder Familie individuell ausgehandelt werden. «Wenn es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht, dürften sogar auch Mails gelesen werden. Heimlich ist hingegen tabu.» Die spionierenden Eltern handeln auch rechtlich fragwürdig: «Kinder haben das Recht auf ihre Privat- und Intimsphäre. Eltern dürfen nicht ohne Erlaubnis ihres Kindes seine Sachen durchsuchen, Telefongespräche abhören oder Briefe lesen», heisst es in Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention. Ganz klar ist der Fall dennoch nicht: «Eltern haben eine Aufsichtspflicht. Das könnte ein Rechtfertigungsgrund sein», heisst es bei der Anwaltskanzlei Zulauf Bürgi Partner in Zürich.

(nj)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leserin am 10.12.2013 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Frage:

    Was haben Neun- bis Zehnjährige überhaupt im Internet zu suchen?

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  • Sidebolle am 10.12.2013 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augenmass

    Ich bin die Super Userin, der Familie und die Kinder 10 und 13 wissen das. Somit kann ich die Mails sehen, wenn ich will und ich hatte zur Bedingung gestellt, als mein Ältester ein Facebook Profil wollte, dass ich zu seinem Freundeskreis gehöre. Auch weiß ich die PW aller Gadgets, wühle aber nicht heimlich drin herum. Die. Kinder zeigen mir begeistert ihre Fundstücke auf Youtube und wir ziehen regelmäßig YouTube-Filmchen als Mathe Nachhilfe heran, wenn wir nicht weiterkommen. Ich bitte sie mit mir unangenehmes zu besprechen, wenn ihnen beim Surfen etwas passiert. Mit Vertrauen geht vieles.

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  • Carlitos am 10.12.2013 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    9-10 Jährige?

    Ich habe selbst 3 Kinder, 2 werden bald 13. Ich frage mich wirklich wieso 9 bis 10 Jährige überhaupt Profile auf Social Network Platformen haben!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rita, bond, 10,12,2013 am 10.12.2013 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung Kids

    Oh da kriege ich ja graue Haare vom Lesen, ich werde sofort ins Zimmer meines 15 j, Sohnes eine spie Cam Verstecken, den PC so manipulieren das ich über mein Smart Phone sehe was Er macht ja und ein Chip wichtig in sein Schlüsselanhänger Einnähen, so weis ich immer wo er ist, einer wo man mithören kann. Puh dann bin ich wider beruhigt.

  • Herr Wettermann am 10.12.2013 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich...

    Also erstmal staune ich, wieviele Leute hier ihren Senf dazu geben und offensichtlich keine Kinder haben, sonst würden sie nicht so unqualifiziert daher schreiben. Und dann ist es bei diesem Thema genau das selbe wie in allen anderen erzieherischen Fragen: Man muss mit seinen Kindern nur reden und ihnen klar machen, dass Papi oder Mami in gewissen Sachen schlicht reinschauen muss. Und ich fühle mich auch legitimiert dazu, mache das aber nur im Beisein meiner Kinder: Handy oder FB Account werden sporadisch kontrolliert und darüber gesprochen. Und das klappt selbst mit einem 14 jährigen prima!

  • der Philosoph am 10.12.2013 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Prost Neujahr

    Eine 'Wert-lose' Gesellschaft kann auch keine Werte bei der Jugend generieren. Gleich wie eine 'Wegwerf-Gesellschaft' sich nicht beklagen kann, dass Werte weggeworfen werden. Nach spätestens zwei Jahren muss das neueste Handy ran. Das alte weg. Und das nicht nur bei 'wertefreien' E-Gütern. Angefangen bei der Wohnungseinrichtung, über das Essen bis hin zur Moral. Alles muss weg, ausgetauscht werden. Na dann. Prost aufs neue Jahr.

    • Donna M. am 10.12.2013 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja

      Sie haben es erkannt! Guter Beitrag. Danke.

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  • Hans P. am 10.12.2013 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Tragödie...

    liegt darin, dass das Internet NIE vergisst. Früher konnte man mal einen "Seich" machen und ein paar Tage später wars gegessen... Das ist heute nicht mehr so und deswegen sind Eltern heute viel mehr in der Pflicht!

  • Leser am 10.12.2013 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun...

    das Internet ist kein rechtsfreier Raum und die Eltern haben eine Aufsichtspflicht!! Im Netz geschehen absolut schlimme Dinge! Das geht bei Mobbing bis zum Selbstmord von Kindern... das muss man sich mal klar machen und vor Augen halten, wenn man sich hier empört von wegen Überkontrolle!