Störfaktor Kind

17. Juli 2013 18:36; Akt: 17.07.2013 18:36 Print

Eltern und Kinderlose sind im «Kriegszustand»

von Nina Jecker - Eltern fühlen sich unverstanden, ihr Umfeld hingegen massiv gestört: An immer mehr Orten fordern Menschen ohne Nachwuchs kinderfreie Zonen – wie aktuell in Flugzeugen.

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Schreiende Kinder sind für viele Kinderlose die absolute Horror-Vorstellung.

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Kinder stören im Flugzeug am meisten. Das findet mehr als die Hälfte von 14 000 befragten Usern von 20 Minuten. 54 Prozent aller Befragten geben an, dass Babys und Kleinkinder das Schlimmste auf einem Flug seien – weit vor Nervkram wie verlorenem Gepäck (16 Prozent), betrunkenen Mitpassagieren (13 Prozent) oder unfreundlichem Personal (8 Prozent).

Zwischen Eltern und Kinderlosen ist offenbar in der Schweiz ein regelrechter Krieg entbrannt. Ein User schreibt, dass man bei schreienden Babys auf Langstreckenflügen «schon mal Würg- und Schüttelgedanken hegen könnte.» Andere nennen Kinder im Flugzeug oder Zug schlicht «den Horror» und fordern ein Flugverbot für unter Zehnjährige. Aus dem Lager der Eltern wird zurückgeschossen: «Egoistische, bünzlige Kinderhasser», tönt es da. Andere reden von einem «Kriegszustand».

Eltern trauen sich kaum noch raus

Viele Eltern klagen, dass sie in der Öffentlichkeit immer gleich blöd angemacht würden. «Wenn man ein bisschen lebhaftere Kinder hat, traut man sich nicht einmal mehr richtig unter die Leute - schlimm», schreibt Userin «3er Mami».

Etwas, das Sara Müller von Mammaconnect kennt. Die Autorin des ersten Führers für kinderfreundliche Cafés in Zürich wurde vor rund anderthalb Jahren Mutter. «Mit Baby erntete ich auf einmal von vielen böse Blicke», sagt die 37-Jährige. Besonders in der Stadt hätten es Mütter schwer. «Es gibt Lokale, wo einem das Personal ins Gesicht sagt, es sei nichts frei, obwohl es mehr als genug Platz hätte.» Auch Pro Familia beklagt eine kinderfeindliche Stimmung: «Kinder sind bei uns leider eine Minderheit und die Intoleranz steigt», so Geschäftsführerin Lucrezia Meier-Schatz.

Tabu-Zonen für Babys und Kleinkinder

Auch die Zürcher FDP-Politikerin Elisabeth Schoch hat die verhärteten Fronten schon gespürt – als sie 2012 sagte, in Zürich brauche es auch Quartiere ohne ständiges Kindergeschrei. «Da wurde ich schon auch angefeindet», so die kinderlose Gemeinderatskandidatin. Sie betont, keineswegs kinderfeindlich zu sein. «Kinder sind etwas Schönes und unsere Gesellschaft braucht sie.» Die Eltern müssten aber ihre Verantwortung stärker wahrnehmen. «Sie sollen auf die Bedürfnisse ihres Nachwuchses Rücksicht nehmen, so dass dieser andere nicht unzumutbar belastet.»

Immer mehr Orte auf der Welt werden aufgrund des Konflikts zur kinderfreien Zone erklärt. Einen Boom erleben Ferienresorts, die Kinder ausschliessen. Und bei Malasya Airline dürfen seit rund einem Jahr keine Sprösslinge mehr in die 1. Klasse. Noch deutlicher zeigt sich der Trend in den USA. Dort gibt es bereits eine ganze «No-Kids-Allowed»-Bewegung.

Noch ist es in der Schweiz nicht so weit. Experten stellen aber auch hier eine Entwicklung zur getrennten Gesellschaft fest (siehe Interview).

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich wohne in Zürich und kann so ein typisches Erlebnis beschreiben. Kind beim Einkaufen am Schreien, da es unbedingt einen Kaugummi will. Ich mit meiner Meinung, dass nicht immer etwas gekauft wird für das Kind beim Einkaufen, gebe nicht nach. Das Kind schreit weiter. Kundin kommt zu mir und betitelt mich als Rabenmutter, weil ich das Kind schreien lasse. Tja, und die selbe Frau wird sich später enervieren, dass die Kinder heute nicht mehr konsequent erzogen werden. Die bösen Blicke sind mir ehrlich gesagt egal. Ich bleibe bei meinen Rabenmutter-Erziehungsmethoden. – Ursula Baumgartner

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • von mir am 18.07.2013 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung heisst das Zauberwort

    Wenn die Erzeuger mal endlich wieder Erzieher wären und nicht "Freunde" wären die meisten Probleme gelöst. Ich mag auch nicht, wenn Väter im Kleidergeschäft mit dem Nachwuchs um die Gestelle rum Fangis machen, mit Glace in den Händen zwischen Kleidern Versteckis spielen, wenn Kinder mit Velo, Rollschuhen und Laufrad in den Läden rumfahren, wenn alles aus den Gestellen genommen wird und kaputt wieder zurück gelegt wird etc. etc. Zudem lernen die lieben Kleinen heute nicht mehr sprechen, sie schreien nur noch. Auch möchte ich nach 20.00 mal IN RUHE in einem Restaurant speisen können.

  • Remo am 18.07.2013 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geschrei im ÖV

    Grundsätzlich habe ich Kinder sehr gerne und es stört mich überhaupt nicht, wenn ich im ÖV neben einer Mutter mit ihren Kindern sitze und diese schön brav da sitzen. Da gibt es aber ganz andere Fälle wo das Kind im ÖV wie am Spiess schreit und die Mutter desinteressiert daneben sitzt und ihr Kind umherbrüllen lässt. Wenn das ganze dann noch von ner Portion Kopfschmerzen von der Hitze und der Arbeit begleitet wird ist das teils schon eine Zumutung.

  • Manfred Wild am 18.07.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schreihäle

    Also ich erlebe ständig im ÖV auf der Weg zur Arbeit dass die Eltern ihre Kinder einfach schreien lassen, das kann dann schon mal 30 Mintuen so weitergehen. Da kann ich den Ruf nach Kinderlosen Zonen durchaus verstehen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sean D am 18.07.2013 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Easy Leute!

    Leute, Leute! bekriegt Euch doch nicht. Es braucht nunmal der gesunde Menschenverstand. Und Verständnis & Toleranz von beiden Seiten. Kinder sind okay, sie müssen sich entfalten können, brauchen Erziehung etc.. etc.. jedoch, sollten Eltern & Familien doch auch uns kinderlose verstehen, Ihr wart auch mal in unserer Lage. Es gibt welche von uns die keine Kinder wollen, wir haben es uns so ausgesucht und bewegen uns nunmal in unseren Kreisen. Und es ist nunmal wirklich sehr störend, wenn man in einer Lounge, in einer IN Lokal schreiende Kinder in der Nähe hat.

  • Remo am 18.07.2013 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geschrei im ÖV

    Grundsätzlich habe ich Kinder sehr gerne und es stört mich überhaupt nicht, wenn ich im ÖV neben einer Mutter mit ihren Kindern sitze und diese schön brav da sitzen. Da gibt es aber ganz andere Fälle wo das Kind im ÖV wie am Spiess schreit und die Mutter desinteressiert daneben sitzt und ihr Kind umherbrüllen lässt. Wenn das ganze dann noch von ner Portion Kopfschmerzen von der Hitze und der Arbeit begleitet wird ist das teils schon eine Zumutung.

  • von mir am 18.07.2013 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung heisst das Zauberwort

    Wenn die Erzeuger mal endlich wieder Erzieher wären und nicht "Freunde" wären die meisten Probleme gelöst. Ich mag auch nicht, wenn Väter im Kleidergeschäft mit dem Nachwuchs um die Gestelle rum Fangis machen, mit Glace in den Händen zwischen Kleidern Versteckis spielen, wenn Kinder mit Velo, Rollschuhen und Laufrad in den Läden rumfahren, wenn alles aus den Gestellen genommen wird und kaputt wieder zurück gelegt wird etc. etc. Zudem lernen die lieben Kleinen heute nicht mehr sprechen, sie schreien nur noch. Auch möchte ich nach 20.00 mal IN RUHE in einem Restaurant speisen können.

  • Anja ... am 18.07.2013 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Rücksichtsnahme

    Wenn sich hier beide Gruppen, rücksichtsvoll im öffentlich Raum auftreten würden, gäbe es keine Probleme. Letztens war ich im Theater, die Vorstellung begann um 20:00 Uhr, jemand brachte tatsächlich ein Baby mit, der kleine Wurm hat selbstverständlich immer mal wieder geschrien, das geht natürlich nicht, da hat ein baby einfach nichts zu suchen. Dann gibt es aber auch die Kinderlosen, die als Doppelverdiener in günstigen Wohnungen hausen (Familienquartiere) und tatsächlich nachmittags um drei ausm Fenster auf den Spielplatz runterschreien und Ruhe fordern, dass geht natürlich auch nicht!

  • Bernd G. am 18.07.2013 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder sollen ruhig sein - oder zu Hause

    ich habe noch still sitzen gelehrnt im Tram. Und ich war kein Musterkind. Wenn junge Eltern lieber auf dem Handy Smslen oder im Facebook chatten anstatt ihre Kinder in Schach zu halten sollten sie lieber daheim bleiben. Ich finde quängelnde Kinder eine zumutung. Letzte Woche habe ich der Mama von so einem Schreihals gesagt "e chläpper an Grind, den weiss er worum er brielt".