Riskante Manöver

17. September 2017 08:48; Akt: 17.09.2017 09:15 Print

Elterntaxis gefährden Schüler

Eine neue Studie zeigt, dass Eltern ihre Kinder öfters in die Schule fahren – aus Sicherheitsgründen. Experten schlagen Alarm.

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Kinder zwischen 6 und 9 Jahren werden vermehrt mit Elterntaxis zur Schule gefahren, das zeigt eine neue Studie des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS). Genauer gesagt: Jedes zehnte Kind in der Deutschschweiz wird regelmässig in die Schule chauffiert. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage liegen der «SonntagsZeitung» vor.

In den restlichen Teilen der Schweiz sind die Zahlen höher. In der Romandie sind es 50 Prozent der Kinder, im Tessin gar 63 Prozent. Der Anteil der Kinder, die mit dem Elterntaxis zur Schule gefahren werden, haben sich gemäss Zahlen der Mikrozensus-Erhebungen des Bundes «um 40 Prozent erhöht», wie der VCS festhält. Davon betroffen seien «alle Sprachregionen der Schweiz».

«Zusätzliche Gefährdung»

Zwei Drittel der befragten Eltern gaben Sicherheitsgründe für ihre Chauffeurdienste an. Gemäss der Zeitung warnen Experten aber davor, dass die besorgten Eltern selbst zum Risiko werden, weil sie zum täglichen Verkehrschaos vor vielen Schulen beitragen. «Die manövrierenden Autos bei Schulhäusern sind manchmal die grösste Schulweg-Gefahr für die Kinder», sagt Erwin Gräni, Chef Prävention bei der Luzerner Polizei, zur «SonntagsZeitung».

Zu Beginn dieses Schuljahres haben die Zentralschweizer Polizeikorps Eltern aufgerufen, aus Sicherheitsgründen auf Taxifahrten zu verzichten. Der Mehrverkehr führe zu «einer zusätzlichen Gefährdung». Die Fahrzeuge würden die Zu- und Wegfahrten zu den Schulhäusern verstopfen und andere Autofahrer zu «riskanten Manövern» verleiten. «Elterntaxis sind nicht nur ein grosses Ärgernis, sondern auch für Erziehungsdefizite verantwortlich», sagt Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes. «Man nimmt den Kindern so die Möglichkeit, den Umgang mit Gefahren zu lernen.»

(foa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neudo am 17.09.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeiten ändern sich

    Meiner Mutter wäre es nie in den Sinn gekommen, mich mit dem Auto zur Schule zu fahren und dafür bin ich ihr dankbar.

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  • Michi G. am 17.09.2017 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich arbeite in der nähe einer Schule

    Man kann sich nicht vorstellen was da jeweils am Morgen und am Mittag füs Szenen abspielen. Liebe Eltern, nicht der Schulweg ist das Gefährliche, sondern eure Wendemanöver vor der Schule!

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  • Valerie am 17.09.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im Kindergarten...

    ...gingen wir jeweils in einer Gruppe von etwa fünf Kindern und ein Erwachsener hat uns begleitet, später gingen wir dann alleine. In die Schule dann sowieso.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Olivier am 08.10.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wann gibt es den Ratgeber für Eltern

    für den Umgang mit überforderten und inkompetenten Lehrern, die immer meinen alles besser zu wissen auch wenn es nachweislich nicht stimmt?

  • Max der Dax am 22.09.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    freie Schulwahl

    endtlich eine freie Schulwahl, das würde einige Probleme lösen

  • Andrea Mordasini am 19.09.2017 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taxieltern erweisen einen Bärendienst :(

    Wie sollen diese Elterntaxikinder nicht nur selbständig, sondern auch mit den Gefahren im Strassenverkehr vertraut werden, wenn sie von ihren Eltern von A nach B chauffiert werden? Und wie sollen diese Kinder korrektes Verhalten und die damit verbundene. Gefahren im Strassenverkehr lernen, wenn ihnen ihre Helikoptereltern dies weder zutrauen noch zumuten wollen? Loslassen ist für Eltern wie Kinder ein wichtiger, nötiger und fortlaufender Prozess, der nicht erst mit dem Eintritt in den Kiga beginnt, sondern schon viel früher, unmittelbar nach der Geburt mit dem Durchtrennen der Nabelschnur.

  • Ich1993 am 19.09.2017 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    habs immer überlebt.

    Meiner Mutter kams nie in den Sinn uns zu fahren! Ich hatte im Kindergarten einen Schulweg von 1km der Hauptstrasse entlang und welch Wunder... mir ist nie was passiert!! In der Oberstufe einen Schulweg von 1.5km mitem Velo und im Winter zu Fuss. Alles kein Problem! Erst als ich mir das Bein gebrochen hatte, wurde ich gefahren und auch da nicht bis zur Schule sondern eine Querstrasse vorher, damit kein Chaos entsteht.

  • Walter Hechtler am 18.09.2017 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Internet

    Es ist auch viel schlimmer geworden. Ich bin auch noch im Alter von 8 Jahren zu Mr. Ferrari Kindermoerder Zeiten in die Schule gelaufen. Heutzutage sind die Eltern mehr informiert als damals. Vielen Dank Google und Twitter.