Koffein und Koksen

17. August 2017 22:24; Akt: 17.08.2017 22:24 Print

Energy-Drink-Käufer nehmen häufiger Drogen

Eine neue Studie belegt einen Zusammenhang zwischen Energy-Drinks und Drogenkonsum. Schweizer Fachleute stören sich an der aggressiven Werbung.

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Die Resultate einer neuen Studie der University of Maryland bestätigen alle, die ihre Augen verdrehen, sobald in der Nähe ein Energy-Drink aufgemacht wird. Die Forscherin Amelia Arria und ihr Team untersuchten während mehrerer Jahre den Energy-Drink-Konsum von insgesamt 1100 Menschen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren. Das Resultat: Jene, die häufig koffeinhaltige Energy-Drinks konsumieren, nehmen im Alter von 25 Jahren mehr Kokain und andere stimulierende Substanzen wie Ritalin und Amphetamine ein. Sie haben zudem häufiger ein risikoreiches Trinkverhalten.

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«Die Resultate legen nahe, dass Energy-Drink-Konsumenten ein erhöhtes Risiko für den Konsum stimulierender Substanzen aufweisen», wird Arria in einer Mitteilung der Universität zitiert. Die Studie berücksichtige demografische Unterschiede ebenso wie den Konsum von anderen koffeinhaltigen Substanzen und den Konsum von stimulierenden Substanzen im Vorfeld der Studie. Diese Faktoren sollten damit die Studie nicht verfälschen.

«Marketing spornt zu Risiko an»

Dass Energy-Drink-Konsum zur vermehrten Einnahme von Drogen führt, belegt die Studie allerdings nicht, sagt ein Schweizer Sucht-Experte. Viel eher sei es so, dass eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen zu Energy-Drinks greife, die auch anfälliger für Drogenkonsum sei. Die Getränke führen also nicht zum Drogenkonsum, sondern bestimmte Persönlichkeitsmerkmale führen dazu, dass bestimmte Jugendliche sowohl mehr Energy-Drinks als auch tendenziell mehr Drogen konsumieren.

Sucht-Fachleute warnen vor den Getränken. «Fachleute sehen das Risiko der Drinks auch darin, dass bei Stress oder in Leistungssituationen zu Energy-Drinks gegriffen wird», sagt Sucht-Schweiz-Sprecherin Monique Portner-Helfer. Das Marketing richte sich speziell an Jugendliche und sporne zu Risikoverhalten und Grenzüberschreitungen an.

Energy-Drinks als Dopingmittel

Die Botschaft impliziere, dass der Körper an sich nicht leistungsfähig genug sei. «Das banalisiert den Konsum dieser Drinks», sagt Portner-Helfer. Es bestehe das Risiko, sie als «Dopingmittel» zu gebrauchen, sodass in Leistungssituationen automatisch zu Energy-Drinks gegriffen werde. «Wenn sich problematische Verhaltensweisen in der Jugend verfestigen, kann das auch das spätere Konsumverhalten beeinflussen», sagt die Sprecherin.

Schlussendlich bleibe aber nur der Appell an die Verantwortung der Eltern, sagt Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands. Im Hauswirtschaftsunterricht informierten Schulen schon heute über die Gefahren der Energy-Drinks, und zumindest in der Volksschulstufe gebe es keine Schule, die Energy-Drinks anbiete. Gefährlich sei ein übermässiger Konsum in der Gruppe der Gleichaltrigen, wie dies auch beim Rauchen und beim Alkohol vorkomme. Das Marketing verführe Jugendliche zum Konsum der Drinks. Eine direkte Verbindung zum Drogenkonsum gebe es aber nicht. Viel eher seien es gewisse Prädispositionen der Schüler, die sie für Energy-Drinks und später auch Drogen anfällig machten. Panik sei nicht angebracht, sagt der oberste Lehrer: «Zu meiner Zeit war es Coca-Cola, das als gefährlich galt.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 17.08.2017 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir

    Ich war früher süchtig nach Energy Drinks. Seit ich kiffe,b in ich clean ;)

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  • Andi B. am 17.08.2017 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaftl.Vorstellungen vs. Vernunft

    "...richte sich speziell an Jugendliche und sporne zu Risikoverhalten und Grenzüberschreitungen an." Welch unnatürliches Verhalten für Jugendliche! Wir schlafen, u.a. wegen immer mehr Sorgen oder auch den hellen Bildschirmen von Smartphone und Fernseher immer weniger. Schulen zwingen Jugendliche, welche immer noch einen hohen Schlafbedarf haben, um halb 8 in der Schule leistungsfähig anzukommen. In der Wirtschaft ist weiter Wirtschaftswachstum als einzige Maxime angesehen, obwohl sogar ein blinder Gorilla auf einem Nashorn sehen kann, dass das sinnlos ist. Da wird halt gedopt, überrascht?

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  • Flügel am 17.08.2017 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr mein Geschmack

    Trank früher sicherlich so 3-6 in der Woche aber seit paar Jahren fast keines mehr

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex am 18.08.2017 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequez

    Was ist den dies wieder? Super Studie. Demnach nehmen 90%der Jungen Drogen. Logisch oder?

  • Hört Auf Damit am 18.08.2017 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sandwich

    Wenn man die gleiche studie mit denselben leuten machen würde und statt dem energydrink sagenwirmal eun salamisandwich nehmen würde, käme man auf das identische resultat. Diese studien dienen nur der abschlussarbeit irgendwelcher studis. Sie müssen ja irgendwas machen das noch nicht exestiert. Und da bieten sich die 48 zu 52 prozentsrudien halt an. Dementsprechend sollte man sie behandeln...

  • M. D. am 18.08.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Energy Drinks halb so ungesund

    Was es doch früher nicht alles in der Apotheke und im Tante-Emma-Laden zu kaufen gab: Heroin und weitere Opioide ohne Rezept, Methamphetamin ('Pervitin'), Zigaretten und Alk ohne Alterslimite. Irgendwie sind die Menschen trotzdem nicht ausgestorben und waren nicht alle Junckies vor 50 - 100 Jahren. Und uns wollen sie noch die Energy Drinks wegnehmen?

  • Anne am 18.08.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Wer Energy Drinks konsumiert obwohl er/sie weiss dass viele Energy Drinks nicht gut für Körper und Gesundheit sind hat ein geringeres Gesundheitsbewusstsein gegenüber seinem Körper. Es ist der Person egal, Hauptsache Genuss. Personen welche Wert auf gesunde Ernährung legen, trinken weniger Energy Drinks und konsumieren deswegen wahrscheinlich auch seltener Drogen.

    • max b. am 18.08.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anne

      Ich trinke gelegentlich eins, früher täglich. Es schmeckt einfach erfrischend. Es kommt nicht an selbstgemachten Sirup heran aber dennoch genüsslich. Doch meinem starken konsum früher habe ich noch nie eine illegale Droge konsumiert.

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  • Thomy Kern am 18.08.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suchtverhalten

    Es gibt Grundlagenforschungen bezüglich addiktiver Substanzen, bei welchen "Drogen"-Lösungen erst in einer Zuckermatrix von den "Labormäusen" eingenommen wurden. Zucker hat ähnliche Affinitäten am sogenannten alpha3-beta4-nikotinischen Acetylcholintezeptor wie Heroin, Methylamphetamin, Kokain, Nikotin. Nicht nur in Modellmäusen wohlbemerkt.