«Das gibt einen Aufstand»

27. Februar 2015 17:17; Akt: 27.02.2015 17:17 Print

Entsetzen über höhere Handystrahlen-Grenzwerte

von G. Brönnimann - Der Weg ist frei für höhere Strahlenschutz-Grenzwerte: Jetzt machen Strahlengegner dagegen mobil. Befürworter warnen: Ohne Ausbau sei der Wohlstand bedroht.

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Zwei Arbeiter an einer Handy-Antenne: Der Weg ist frei für eine Steigerung der Kapazität der einzelnen Sendeanlagen in der Schweiz. Doch es regt sich Widerstand. (Bild: Keystone/AP/Frank Augstein/Symbolbild)

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Das Schweizer Mobilfunknetz ist nahezu ausgelastet. Der Bundesrat schliesst eine Lockerung der Strahlenschutz-Grenzwerte nicht mehr aus: Die Strahlenbelastung im Einflussbereich einer Anlage soll maximal um den Faktor 3,5 steigen.

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Doch die Strahlengegner wollen dies verhindern. Hans-Ulrich Jakob von der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener Gigaherz sagt: «Das gibt noch einen Volksaufstand! Es ist immer dasselbe: Die Grenzwerte werden dahin verschoben, wo die Industrie sie haben will.» Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen: «Dieses hat das Volk.»

Parlamentarier gegen stärkere Strahlung

Doch auch im Parlament gibt es Strahlenkritiker: «Man weiss ja, dass länger telefonieren nicht gut ist, vor allem für kleine Kinder», sagt SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler. Sie fügt an: «Krankheiten und Hirnschädigungen sind nicht auszuschliessen.»

SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen sagt: «Ich werde mich gegen jede Erhöhung zur Wehr setzen. Es gibt elektrosensible Menschen, aber noch gibt es keine Studien über die Langzeitschäden der bisherigen Handygeneration.» Auch bei Kindern, die mit Handys spielen, wisse man nichts über mögliche Gesundheitsschäden.

Auch manche Wissenschaftler mahnen

Professor Michael Hässig vom Tierspital Zürich hat die Wirkung von Handystrahlen auf Kühe in einer Studie untersucht. Er sagt: «Ich bin gegen eine Erhöhung der Grenzwerte.» Dies, weil man die Auswirkungen der neuen Technologien noch nicht genau kenne und weil «nicht energetische Einflüsse wie Pulsation und Resonanzphänomene zu wenig untersucht» seien.

Yvonne Gilli, Nationalrätin der Grünen und Mitglied des Vereins Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz aefu, sagt: «Die Aefu wehrt sich entschlossen gegen eine Lockerung der Anlagegrenzwerte.» Diese stünden im Widerspruch zur Schweizerischen Umweltschutzgesetzgebung, die den Vorsorgegrenzwert kenne. Laut Gilli ist die Bevölkerung einem «gigantischen Feldversuch ausgesetzt» – dabei sei Handy-Strahlung laut Weltgesundheitsorganisation WHO «möglicherweise krebserregend». Als Hausärztin könne sie keine Entwarnung geben.

«Ohne Kommunikation kein Wohlstand»

Ob die kritischen Stimmen in Parlament und Bevölkerung überwiegen, ist nicht sicher. Nach einer Erhöhung der Sendekapazität um den Faktor 3,5 wäre die Strahlenbelastung in der Schweiz noch immer tiefer als in den meisten Nachbarländern: Derzeit ist der Schweizer Grenzwert rund zehnmal tiefer als in Deutschland oder Österreich. «Erstens besteht bis heute kein Beweis für die Schädlichkeit der Handystrahlung», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, «und zweitens lassen verbesserte Strahlungsgrenzwerte eine bessere Mobilfunkversorgung zu.» Wasserfallen: «Das Schöne daran ist, dass die Strahlenbelastung aufgrund besserer Abdeckung damit sogar noch sinkt.»

FDP-Nationalrat Ruedi Noser sagt: «Wenn wir den Wohlstand in der Schweiz erhalten wollen, braucht es Kommunikation. Und die muss leistungsfähig sein und bleiben.» Er warnt: «Wenn wir da nicht mit der Zeit gehen, geht der Wohlstand verloren.» Bei Handyantennen seien noch nie negative Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen worden – «wenn schon, dann sind Handys am Ohr ein potenzielles Problem».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Duthaler am 27.02.2015 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    usw. usw....

    zuerst die Grenzwerte erhöhen, genetisch veränderte Lebensmittel, Mikroplastik und in 100 Jahren sind wir ausgestorben - naja - wenigstens mit guem Empfang ;-)

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  • jonny am 27.02.2015 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstandsverhalten

    für was brauchen wir Handys? Es ist für die meisten nicht nötig, jede Minute erreichbar zu sein. Per Handy von einem Büro ins andere zu SMS len oder Telefonieren. Aufstehen und rüber zum Gespräch wäre auch noch gesünder.

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  • Ah Ha am 27.02.2015 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kapazitätsgrenzen

    Nehmt doch all den Gegnern von Handy-Antennen ihr Handy und Smartphone weg, dann haben wir wieder genug Netzkapzität ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • klaus am 01.03.2015 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig

    genau so ist es!

  • Hybres am 28.02.2015 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4g für mich...rauchzeichen für euch

    An alle fortschrittsgeger : das feuer austreten nach dem kochen nicht vergessen.

  • Alec N. am 28.02.2015 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigeninitiative zur Vorbeugung

    Hier handelt es sich lediglich um die Mehrleistung der Sendeanlagen, bzw. ob diese erhöht werden sollten oder nicht. Die momentane Lage der Vernetzung reicht völlig aus und ich sehe keinen Grund darin die Mehrleistung auszuweiten. Wir sollten besser mit uns selbst beginnen und unser Mobiltelefon nicht zu jedem unnötigen Zweck benützen. Man muss kein Gegner von Handy's sein um gegen diesen Vorschlag zu stimmen. Die Benutzung des eigenen Handys ganz zu unterbinden ist auch nicht die richtige Lösung. Stellt den Konsum ein wenig ein und tragt dazu bei, die Strahlenbelastung nicht unnötig zu erhöhen.

  • Patrick Monnet am 28.02.2015 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo Handy ist, ist auch Antenne

    Aber alle wollen Handys, Laptops, Pads..... im Oberbaselbiet gabs unlängst eine kleine Demo gegen eine Antenne auf einem Wohngebäude. Ich kam zufällig vorbei und wurde gefragt, ob ich mitmachen würde, da klingelte bei dem Demoteilnehmer das Mobilephone. Na ja.....

  • Katia von Arx am 28.02.2015 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geschäft mit der Angst

    Die Frau meines Kollegen ist hysterisch betr. Elektrosmog, versteht aber nichts davon. Auf der Strasse quatschte sie ein "Elektro-Biologe" an, um ihre Wohnung zu "vermessen". Mein Kollege, ebenfalls Laie, rief mich zu Hilfe bei dem Hokus Pokus. Natürlich stellte der "Wissenschafter" eine lebensgefährliche Verstrahlung fest. Vorgeschlagene Lösung: Komplet neue Spezial-Elektroinstallation im Wohn- und Schlafbereich, zum Pauschal-Spezialpreis von nur Fr. 7'000.- ! Mit meiner "Überzeugungsarbeit" blieb es dann bei einer Kupfermatte hinter dem Schlafzimmerschrank. Mit Fr.400.- noch teuer genug.

    • Denise am 28.02.2015 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Mobilfunk - die verschwiegene Gefahr

      Sicherlich gibt Scharlatane, die Profit daraus schlagen. Ich befasse mich aber seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Elektrosmog, habe zig Studien gelesen, sogar ein 2004 von der Swisscom angemeldetes Patent eines Gerätes zur Reduzierung von Elektrosmog gefunden, in diesem klar steht, dass hochfrequente Strahlung die DNA schädigt und Krebs verursacht (bewiesen in Hunderten internationaler Studien). Natürlich hat Swisscom die Schuld auf eine interne Inkompetenz geschoben....aha! Schaut euch mal den Film "Mobilfunk - die verschwiegene Gefahr" auf YouTube an. Die Beweise sind erdrückend!

    • Katja von Arx am 28.02.2015 23:55 Report Diesen Beitrag melden

      @ Denise

      Ich beschrieb einen konkreten Fall aus meinem Umfeld . Natürlich gibt es auch Leute, die sich ehrlich in bester Absicht auf ihre Art mit der Thematik befassen. Ob das aber hinkommt, bezweifle ich. Nicht überprüfbare Studien von irgendwo aus dem Nirwana habe ich auch schon haufenweise gelesen, und glaube längst nicht vorbehaltlos alles. Vielleicht braucht es Leute wie sie und mich: Skeptisch und misstrauisch die einen, eher wissenschaftsgläubig die Andern. Friedrich Schiller sagte es schön: "Was aller Verstand der Verständigen nicht sieht, das schafft oft im Stillen ein kindlich Gemüt."

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