Rätselhafter Unfall

13. Februar 2020 12:28; Akt: 13.02.2020 12:49 Print

Ermordete Geheimdienst Sohn von Crypto-Gründer?

Brisantes Detail in der Spionage-Affäre: Ein Geheimdienst soll den Sohn des Firmengründers ermordet haben, weil dieser von den Operationen wusste.

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Die Zuger Firma Crypto AG verkaufte über Jahre hinweg von der CIA und vom BND manipulierte Verschlüsselungsgeräte. Ein deutscher Geheimdienst-Experte sagt in der «Rundschau», der Autounfall, bei dem der Sohn des Crypto-Gründers gestorben ist, sei kein Unfall gewesen: «Selbst der Vizedirektor des BND ging davon aus, dass es ein nachrichtendienstlicher Mord war.» Der Sohn des Gründers war offenbar der einzige eingeweihte Spionage-Gegner. Bruno von Ah hat im Jahr 1967 als Entwicklungsingenieur bei der Firma angefangen. Er sagt zu 20 Minuten, dass die normalen Angestellten nichts von den eingebauten Hintertüren gewusst hätten. «Die Algorithmen, die wir einbauen mussten , waren dermassen komplex, dass sogar wir nur sehr schwer herausfinden konnten, dass eine Hintertür eingebaut wurde.» Jetzt verdichten sich die Hinweise, die neutrale Schweiz die Spionage über die Zuger Firma tolerierte: Der deutsche Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer, laut dem die Operation die «Welt sicherer gemacht hat», sagt in der SRF-«Rundschau»: «Ich nehme an, dass die Schweizer Dienste nicht uninformiert waren.» Die Sendung zitiert auch aus einem CIA-Dossier: «Die ausländische Kontrolle der Crypto AG war ein Geheimnis, über das Schlüsselpersonen in der Regierung nicht sprechen wollten. Sie wussten aber eindeutig darüber Bescheid.» So soll der frühere FDP-Bundesrat Kaspar Villiger über die Vorgänge in der Crypto AG informiert gewesen sein. «Villiger wusste, wem das Unternehmen gehörte, und fühlte sich moralisch verpflichtet, dies offenzulegen.» Jedoch habe Villiger nichts unternommen. Der Alt-Bundesrat bestreitet diese Darstellung in der «Rundschau» vehement: Handlangerdienste für Drittstaaten hätte er niemals gedeckt. Auch im «Tages-Anzeiger» dementiert er die Vorwürfe: «Ich war in diese nachrichtendienstliche Operation nicht eingeweiht.» Beim Nachrichtendienst des Bundes laufen gemäss der Rundschau derzeit interne Abklärungen. Der Bundesrat hat eine Untersuchung der Vorfälle angeordnet, um die Faktenlage zu klären. Bis Ende Juni 2020 sollten die Ergebnisse vorliegen.

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Die Cryptoleaks beschäftigen derzeit die Schweizer Politik. Als CIA und BND 1970 die Kontrolle über die Firma übernahmen, musste laut den Recherchen der SRF-«Rundschau» offenbar jemand sterben. Zu dieser Zeit stieg Firmengründer Boris Hagelin, der die Zusammenarbeit mit der CIA begonnen hatte, aus dem Unternehmen aus. Seinem Sohn Bo wurde die Prokura, also die geschäftliche Vertretungsmacht gestrichen. Hagelin junior war scheinbar der einzige eingeweihte Gegner der Spionage-Operation – was ihn zur Zielscheibe der Geheimdienste gemacht haben könnte.

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BND-Vizepräsident ging von Mord aus

Im November 1970, nur fünf Monate nach dem Kauf der Crypto AG durch CIA und BND, kam Bo Hagelin laut den Geheimdienstdokumenten, die den Recherchen zugrunde liegen, in den USA bei einem Autounfall ums Leben. «Es würde nicht länger nötig sein, gegenüber dem Crypto-AG-Vorstand hinsichtlich der Besitzverhältnisse so viel Vorsicht walten zu lassen», heisst es in den Dokumenten.

Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom sagt in der Sendung: «Selbst der Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes ging davon aus, dass Bo Hagelin nicht Opfer eines Unfalls, sondern Opfer eines nachrichtendienstlichen Mordes wurde.» Hagelin senior habe danach noch viele Jahre versucht, den Tod seines Sohnes aufzuklären – vergeblich.

(dgr)