Hochwasser

14. November 2014 15:56; Akt: 15.11.2014 12:12 Print

Erneute Regenfälle lassen Tessiner zittern

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es wieder los: Im Tessin regnet es ab Freitagabend wieder, die Pegel steigen erneut – und die Erdrutsch-Gefahr hält an.

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Auch am 13. November prägt das Hochwasser noch das Stadtbild von Locarno. Überflutete Strassen sind nur über Holzstege passierbar. Ein Herrchen samt Hund hält das jedoch nicht vom Gassigehen ab. Andere Menschen begeben sich sogar auf Reisen. Ein Steg, der über Booten errichtet wurde, machts möglich. Blick auf eine überflutete Fläche der Magadino-Ebene bei Gordola TI. Ein Passant schiesst Erinnerungsfotos von einer überfluteten Strasse in Locarno. Die überflutete Magadino-Ebene erscheint unter bestimmten Lichtverhältnissen beinahe idyllisch. Ein Parkplatz in Locarno ist wegen der Fluten unbenutzbar. Für die Gegend oberhalb des Lago Maggiore rund um Locarno hat der Bund am Dienstagnachmittag, 11. November 2014, die höchste Warnstufe ausgerufen. Zivilschützer bauen in der Nähe der Uferpromenade Stege für die Fussgänger. Im Hintergrund sieht man bereits das Wasser des Sees in den Strassen. Im Bereich von Verbano steht das Ufer schon tief im Wasser. Der Campingplatz musste evakuiert und zahlreiche fest installierte Wohnwagen abtransportiert werden. Mancherorts in Locarno ist das Wasser schon weiter vorgedrungen ... ... und bringt erste Strassenzüge zum Verschwinden. An der Uferpromenade schwappt der See bisher nur leicht über. Noch kann man mit gutem Schuhwerk dem See entlang laufen. Am 17. November 2002 sah dies anders aus. Damals ragten die Bänke nur noch knapp aus dem Wasser. Der Lago Maggiore erreichte damals einen Höchststand von 196,19 Metern. Mit derzeit 195,37 Metern ist der See davon noch einiges entfernt. Doch die Prognosen rechnen mit einem Anstieg auf 196,7 Metern - noch deutlich höher als im Jahr 2002. Dann wird es in Locarno noch deutlich schlimmer aussehen als 2002. Doch Silvano Stern Kommandant der Gemeindepolizei beruhigt: «Es gab zwar schon lang kein Hochwasser mehr, aber wir sind vorbereitet.» Der Höchststand soll in der Nacht auf Donnerstag erreicht worden sein. Beim Hochwasser 2002 waren nur kleine Stege nötig, damit die Bewohner trockenen Fusses in ihre Häuser kamen. Schon damals musste man zum Teil schwimmende Brücken bauen. Und: Eine weitere Gefahr ist nicht gebannt. Für Erdrutsche besteht laut Geologen im Tessin eine grosse Gefahr. Man beobachte derzeit zahlreiche Hot-Spots. Eine Mure könne sich praktisch überall lösen. «Die Hänge sind so voller Wasser», sagt Giorgio Valenti vom kantonalen Amt für Naturgefahren.

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Das Tessin kommt nicht zur Ruhe: Nach einer Regenpause werden ab Freitagabend erneut anhaltende Niederschläge erwartet. Dadurch steigen auch die Pegel von Lago Maggiore und Luganersee wieder an.

Der Pegel des Lago Maggiore dürfte in der Nacht auf Sonntag in etwa das Niveau vom Donnerstag erreichen, teilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Freitag mit. Damit wären in Locarno erneut rund 600 Anwohner von Überschwemmungen betroffen. Der Pegel des Luganersees dürfte nach Prognose des Bundes gar einige Zentimeter über das Niveau vom Donnerstag steigen.

Es gilt Gefahrenstufe 3

Verantwortlich für die steigenden Pegel ist eine Kaltfront, die ab Freitagabend für eine erneute Südstaulage sorgt. Die Meteorologen von MeteoSchweiz rechnen mit Regenmengen von 70 bis 100 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden.

Diese Regenmenge würde eigentlich der Gefahrenstufe 2 auf der fünfstufigen Skala entsprechen, schreibt das Bafu. Da die Böden allerdings bereits gesättigt seien und kein zusätzliches Wasser aufnehmen könnten, gelte die Gefahrenstufe 3.

Spontane Erdrutsche möglich

Beim Hochwasser gilt sowohl für den Lago Maggiore als auch den Luganersee die höchste Gefahrenstufe 5. Die Tessinerinnen und Tessiner können erst ab Sonntagmorgen mit einer Entspannung der Lage rechnen.

Durch den vielen Regen besteht zudem weiterhin die Gefahr von Hangrutschen. Vergangene Woche waren eine Frau und ihre kleine Tochter bei einem Erdrutsch im Malcantone ums Leben gekommen.

Weil die erwarteten Niederschläge weniger intensiv sind als jene der vergangenen Woche, nimmt die Hangstabilität gemäss Bafu zwar zu. Der Abgang von spontanen Rutschungen könne aber «weiterhin nicht ganz ausgeschlossen werden».

(sda)