Stärkste Erschütterung seit Tagen

07. November 2019 20:15; Akt: 07.11.2019 20:37 Print

Im Wallis hat es schon wieder gebebt

Seit Dienstagnacht wird das Wallis nördlich von Sion von einer Erdbebenserie heimgesucht. Die bisher stärkste Erschütterung wurde am Donnerstag registriert.

Bildstrecke im Grossformat »
Seit Dienstagnacht wird das Wallis von einer Erdbebenserie nördlich von Sion heimgesucht. Bislang ist es zu über 100 Beben gekommen, darunter auch solchen, die für die Bevölkerung spürbar waren. Das Wallis ist eine Erdbebenregion. Gemäss Statistik kann es dort in den nächsten Jahren laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz wiederum zu einem starken Beben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommen. Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst sagt: «Erdbebenschwärme sind im Wallis nicht unüblich, auch wenn es sich nun um einen aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm handelt und die stärksten Beben in spürbare Bereiche kamen.» Kästli: «Vereinfacht gesagt kommen die Spannungen in der Erdkruste von Süden her, wenn die afrikanische Platte gegen die europäische Kontinentalplatte drückt. Die Verschiebung der beiden Platten führt zu Spannungen im Untergrund und damit auch zu Beben im ganzen Alpenbogen.» Kästli: «Aktuell ist das Wallis erdbebenaktiver als beispielsweise Graubünden. Weshalb das so ist, lässt sich allerdings nicht einfach beschreiben. Bei den Plattenverschiebungen entstehen unterschiedliche Spannungsfelder, die sich nicht zeitgleich lösen müssen.» Kästli: «Das typische Verhalten eines Erdbebenschwarms ist, dass er nach einer gewissen Zeit wieder abklingt. Wie lange das geht, ob Tage oder Wochen, ist unterschiedlich. Kästli: «Natürlich ist es auch möglich, dass es zu einem stärkeren Beben, auch einem mit Schadensfolgen, kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zurzeit aber nicht sehr gross, sie beträgt fünf bis 10 Prozent.» Kästli: «Statistisch gesehen beträgt im Wallis die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb eines Jahres zu einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommt, etwa ein Prozent. Wann ein solches Beben tatsächlich eintritt, lässt sich nicht vorgängig bestimmen.» Kästli: «Das Wallis ist sich einer solchen Gefahr aber bewusst: Die Einhaltung der schweizerischen Erdbebenbaunorm von 1989 ist dort obligatorisch. Somit sind alle neueren Gebäude auf ein starkes Beben ausgelegt. Bei älteren Gebäuden weiss man das nicht unbedingt.» Kästli: «Ab einer Magnitude von 6 muss in grösseren Gebieten mit Gebäudeschäden gerechnet werden. Dabei kann es auch zu Toten kommen, wie beim Erdbeben im Jahr 2016 in Amatrice in Italien, das sein Epizentrum nahe an Siedlungsgebieten hatte und über 300 Todesopfer forderte.» Kästli: «Dass dabei allerdings Steinmassive in Mitleidenschaft gezogen werden, ist nicht wahrscheinlich. Ich gehe nicht davon aus, dass ein ‹Big One› das Matterhorn zusammenfallen lässt.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Wallis hat erneut die Erde gebebt: Rund 7 Kilometer südöstlich des Sanetschpasses hat der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich ein Beben der Stärke 3,4 auf der Richterskala gemessen. Das neuerliche Erdbeben war damit stärker als jene am Tag zuvor.

Umfrage
Haben Sie schon einmal ein Erdbeben erlebt?

Das Beben ereignete sich demnach um 19.35 Uhr. Es dürfte gemäss der Mitteilung in der Nähe des Epizentrums deutlich verspürt worden sein. Schäden seien jedoch bei dieser Stärke nicht zu erwarten.

Bereits in den vergangenen Tagen wurde das Wallis von Erdbeben erschüttert. Am Mittwochmorgen bebte die Erde mehrmals – so etwa um 05.02 Uhr in Zermatt mit einer Stärke von 2,9 auf der Richterskala. Rund zwei Stunden später um 07.18 Uhr wurde ebenfalls ungefähr sieben Kilometer südlich vom Sanetschpass ein weiteres Beben mit einer Magnitude von 1,9 auf der Richterskala registriert.

Über 100 Beben aufgezeichnet

Seit der Nacht auf Dienstag war gemäss des Erdbebendienstes bei Savièse (VS) nördlich von Sitten ein «aussergewöhnlich aktiver Erdbebenschwarm» aktiv. Bis am Mittwochmorgen seien über 100 Beben aufgezeichnet worden. Die vier stärksten Beben hätten Stärken zwischen 3.0 und 3.3 erreicht und seien vereinzelt bis ins Berner Oberland wahrgenommen worden.

Die Häufung bezeichnet der SED als «eher ungewöhnlich». Nur selten ereigneten sich so viele spürbare Beben in einer Region über eine so kurze Zeitspanne. Eine Prognose über den weiteren Verlauf lasse sich daraus aber nicht ableiten.
Am Donnerstag bebte die Erde auch in Mittelitalien.

Die Stärke lag nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie bei 4,4. Das Zentrum befand sich fünf Kilometer südöstlich von Balsorano in der Provinz L'Aquila in 14 Kilometern Tiefe. Schäden wurden zunächst noch nicht bekannt.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hurluberlu am 07.11.2019 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Der Gau

    Das wäre doch mal was für AvenirSuisse: Der Zermatter Hausberge ist nicht mehr...

  • Silvia am 07.11.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben

    Ich habe schon ein schweres Erdbeben erlebt in friuli

  • The Fiend am 07.11.2019 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Entweder ist das nur die Vorhut von etwas größerem, oder es Beruhigt sich demnächst wieder. Zurzeit ist mir das nicht so geheuer!

Die neusten Leser-Kommentare

  • raki oban am 08.11.2019 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richterskala wird nicht mehr verwendet

    Zitat wikipedia:"Der daraus ermittelte Wert wird meist auf der Momenten-Magnituden-Skala als Momenten-Magnitude angegeben. Fälschlich wird in der Presse dabei häufig von Werten der Richterskala gesprochen."

  • mikemet am 08.11.2019 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben ist Natur

    Erdbeben gehört zur Natur. Kommt halt vor. Beben mit bis 4 ist jetzt nicht wirklich was... dazu kommt noch, wie lange wat es und mit welchen Wellenlängen. Wir können ja von Glück reden, dass wir nur meist schwache Beben haben. Philippinen auf Mindanao hats seit 1 oktober über 20 mit stärke 5-6 gehabt und dann noch zwei zwischen 6-7

  • The Fiend am 07.11.2019 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Entweder ist das nur die Vorhut von etwas größerem, oder es Beruhigt sich demnächst wieder. Zurzeit ist mir das nicht so geheuer!

  • Fetz ursula am 07.11.2019 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben im Friaul

    Ja, als es im Friaul mit derStärke 7 gebebt hat, haben unsere Lampenschirme und Uhrpendel ausgeschlagen und es krachte. Ich wollte unsere Kinder aus den Betten holen, denn es war Nacht. Doch dann war es schon vorbei

  • Silvia am 07.11.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben

    Ich habe schon ein schweres Erdbeben erlebt in friuli