Verstrahlter Arbeiter

16. Februar 2011 14:49; Akt: 16.02.2011 15:05 Print

Erschreckende Mängel bei AKW-Revision

Bei einer Revision im AKW Leibstadt wurde ein Taucher verstrahlt. Der Untersuchungsbericht offenbart eine ganze Reihe von Sicherheitsmängeln - und schliesst weitere Vorkommnisse nicht aus.

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Wasserbecken im Kernkraftwerk Leibstadt.

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Am 31. August 2010 wurde ein Berufstaucher bei Revisionsarbeiten im Atomkraftwerk Leibstadt verstrahlt. Er hatte am Boden des Brennelement-Transferbeckens ein 25 Zentimeter langes Rohrstück aufgehoben, das radioaktiv belastet war. Der Untersuchungsbericht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi), welcher der Zeitschrift «Beobachter» vorliegt, zeigt nun eine Reihe von Sicherheitsmängeln.

So soll das verstrahlte Rohrstück rund vier Jahre lang unbemerkt im Becken gelegen haben, das zudem vor dem Einsatz des Tauchers von einer externen Firma nur ungenügend auf Radioaktivität untersucht worden war. Ferner gab es laut dem Medienbericht keinen tragbaren Geigerzähler für den Taucher, und den Alarm seiner Dosimeter konnte er nicht hören. Zwei Strahlenschutzexperten des Kraftwerks waren zwar anwesend, griffen aber nicht ein. Ein Fingerringdosimeter, das die genauesten Werte über die Strahlendosis hätte liefern können, war während des Tauchgangs beschädigt worden.

Der Taucher bekam eine Strahlendosis von 28 Millisievert ab – und damit mehr als den Jahresgrenzwert von 20 Millisievert. Für Greenpeace lässt der Vorfall laut «Beoachter» auf «grobe Mängel im Sicherheitsmanagement» schliessen. Der Ensi-Bericht kommt zum Schluss: «Ein vergleichbares Vorkommnis ist auch in anderen Kernkraftwerken denkbar.»