Auf dem Velo

24. Mai 2013 20:37; Akt: 24.05.2013 22:21 Print

Erst ab 1,6 Promille gibt es ein Fahrverbot

von Andreas Bättig - Wer in der Schweiz betrunken Velo fährt, dem droht erst ab 1,6 Promille ein Fahrverbot. Den Fahrausweis ist man dann noch lange nicht los. Hier das Wichtigste zum Thema Velo und Alkohol.

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Wer mal einen über den Durst trinkt, der lässt mittlerweile das Auto in den meisten Fällen stehen - und nimmt stattdessen lieber das Velo. In Deutschland wollten deswegen Innenminister der Bundesländer die Velofahrer härter anpacken. In unserem Nachbarland dürfen die Bürger nämlich bis zu einem Promillewert von 1,6 straffrei rumfahren. Doch wie sieht das eigentlich in der Schweiz aus? Ab wann droht mir eine saftige Busse, wenn ich mich nach ein paar Bieren aufs Velo schwinge? Und: Muss ich auch das Autobillet abgeben, wenn ich betrunken Velo fahre und erwischt werde? Wir haben die wichtigsten Fakten zum Thema Velo und Alkohol zusammengetragen.

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Mit welcher Strafe muss ich rechnen, wenn ich betrunken Velo fahre?
«Grundsätzlich muss ein Velofahrer wie ein Autofahrer mit einer Busse rechnen, wenn er mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat», sagt Guido Bielmann, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen ASTRA. Wie hoch diese Busse ist, ist aber von Kanton zu Kanton unterschiedlich. In den meisten Kantonen handelt es sich wie im Kanton Bern beim Fahren in angetrunkenem Zustand mit dem Velo um eine Übertretung. «Wer mehr als 0,5 Promille im Blut hat, zahlt mindestens eine Busse von 200 Franken», sagt Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern. Geregelt ist dies in den Richtlinien für die Strafzumessung. Wie hoch die Busse bei einem höhere Promillewert ist, liege im Ermessen des Staatsanwalts, der den Strafbefehl ausstellt. Wie generell bei Übertretungen, kann die Staatsanwaltschaft eine Busse bis zum Höchstbetrag von 10'000 Franken aussprechen. «Die Fälle, in denen wir einen Strafbefehl gegen einen betrunkenen Velofahrer ausstellen, sind aber eher selten», so Scheurer.

Ab wann muss ich mit einem Velo-Fahrverbot rechnen?
«Wird ein Velofahrer in alkoholisiertem Zustand angehalten, erhält er bei einem Alkoholpegel zwischen 1,6 und 1,9 Promille eine Verwarnung des Strassenverkehrsamtes», sagt Rolf Grüninger, Chef des Strassenverkehrsamtes des Kanton Zürich. Vorher passiert gemäss der Praxis des Strassenverkehrsamtes nichts. «Verursacht der Velofahrer in diesem Zustand aber einen Unfall, erhält er ein Fahrverbot für einen Monat.» Fährt man jedoch unfallfrei durch die Gegend und hat dabei zwei Promille im Blut, gibt es ebenfalls ein Fahrverbot von einem Monat. Erst ab einem Wert von 2,5 Promille bekommt der Velofahrer ein Fahrverbot von mindestens zwei Monaten aufgebrummt.


Wie viele solche Velofahrverbote werden in der Schweiz pro Jahr ausgesprochen?
Gemäss Guido Bielmann, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen ASTRA, hat die Zahl der Velofahrverbote zugenommen. Waren es im Jahr 2010 noch 5, waren es im Jahr 2011 bereits 13. Im letzten Jahr wurden schweizweit 12 solche Verbote ausgesprochen.

Ab wann muss ich mein Autobillet abgeben, wenn ich betrunken Velo fahre?
Laut Rolf Grüninger droht erst ab einem Wert von 2,5 Promille ein Entzug des Autobillets. Vorher nicht - auch bei einem Unfall nicht. «Wird bei einem Velofahrer ein Wert von 2,5-Promille gemessen, wird eine so genannte Fahreignungsabklärung eingeleitet», sagt Grüninger. Dabei wird abgeklärt, ob der Lenker für den Verkehr eine Gefahr darstellt. Je nach Ergebnis kann der Velofahrer das Autobillet behalten oder es droht ein unbefristeter Sicherungsentzug, bis die Fahreignung gutachterlich wieder bejaht werden kann.


Kann es sein, dass ich ein Veloverbot bekomme, aber trotzdem noch mit dem Auto rumfahren darf?
Rolf Grüninger: «Ja.» Das Verbot gilt bis zu 2,5 Promille lediglich für das Velo.

Was passiert, wenn ich betrunken Velo fahre und einen Unfall baue?
Dominic Mathis, Experte des VZ Versicherungszentrum, sagt: «Bis 0,8 Promille übernimmt die Privathaftpflicht den Schaden. Wer aber mehr als 0,8 Promille im Blut hat und trotzdem Velo fährt, handelt nach Gesetz grobfahrlässig.» In diesem Fall könne die Versicherung vom Velofahrer einen Regress einfordern. Das heisst, der Velofahrer muss einen Teil oder sogar den ganzen Schaden übernehmen. «Das wird von Fall zu Fall beurteilt. Das kann aber je nach Schaden sehr teuer werden.» Der Experte warnt zudem: «Einige Versicherungen bieten an, die Grobfahrlässigkeit auszuschliessen. Sie übernehmen auch dann den Schaden, wenn man grobfahrlässig gehandelt hat. Dies gilt aber bei Alkohol nicht.»

Wie viele Velo-Unfälle gibt pro Jahr in der Schweiz?
Gemäss dem Bundesamt für Strassen ASTRA sind im Jahr 2011 3061 Velofahrer verunglückt - 840 verletzten sich dabei schwer, 28 starben. 2012 verunglückten 3246 Velofahrer, 800 davon schwer. Die Zahl der Toten stieg auf 37.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sabine am 24.05.2013 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja,

    die meisten Velofahrer fahren auch ohne Alkohol wie besoffen durch die Gegend ...

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  • Marco Gehri am 25.05.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Persönliche Freiheit

    Finde die Praxis ok, da es bis zu einem gewissen "Pegel" wohl noch schlauer ist, das Fahrrad zu nehmen, als sich ins Auto zu setzten. Zudem gefährdet man in eher ländlichen Gebieten mehr sich selber als andere, weshalb es auch ich so handhabe. Ich bin was Autofahren und Alkohol angeht, sehr konsequent, das man beim Velo etwas mehr Spielraum hat, ist schon i.O.

  • Pozilei am 25.05.2013 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ACHTUNG

    Wer das Velo schiebt wird gleich bestraft wie wenn mans fähr!! Klingt hohl, ist hohl, entspricht aber der Tatsache.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stephan am 26.05.2013 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechte

    Dann hebt doch das Promille Limit der Autofahrer auch gleich auf diesen Wert an... Wir Autofahrer werden immer mejr diskriminiert und die Drahtesel und die Fussgänger bekommen immer mehr Rechte, das kanns ja nicht sein..

  • Patrick am 26.05.2013 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol

    Und wenn ein betrunkener Velo fahrer in ein korrekt fahrendes Auto hineindonnert und Verletzt wird, dann ist einmal mehr der unschuldige Autofahrer der Böse!!

    • Leser am 26.05.2013 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn!

      Nein, ist er nicht!!

    • Verkehrsteilnehmer am 26.05.2013 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Kausalhaftung

      Betriebsgefahr=Kausalhaftung. Bonus/Malus wird dabei nicht zwingend tangiert betreffend Prämienerhöhung. Die Rechtsschutzversicherung erledigt dies ohne Nachteile für Sie.

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  • Marco Gehri am 25.05.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Persönliche Freiheit

    Finde die Praxis ok, da es bis zu einem gewissen "Pegel" wohl noch schlauer ist, das Fahrrad zu nehmen, als sich ins Auto zu setzten. Zudem gefährdet man in eher ländlichen Gebieten mehr sich selber als andere, weshalb es auch ich so handhabe. Ich bin was Autofahren und Alkohol angeht, sehr konsequent, das man beim Velo etwas mehr Spielraum hat, ist schon i.O.

  • André Roth am 25.05.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Super, ich kauf mir ein Kombi, lade das Velo ein und geh mich sinnlos besaufen und geh anschliessend mit dem Velo nach Hause... Ist ja noch sinnloser als das Fussgäng-Vortrittsrecht! Aber wer hat's erfunden? Wir Schweizer.... Herzliche Gratulation

    • Schweizer am 26.05.2013 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja...

      ich käme gar nicht erst auf die blöde Idee, mit dem Auto wohin zu fahren und mich zu besaufen... wer hats erfunden... André Roth!!

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  • Pierre Muller am 25.05.2013 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    1,6 Promille entsprechen ja einer gewissen Logik. Velofahrer haben ja ohnehin mehr Rechte als andere Verkehrsteilnehmer. Oder mindestens beanspruchen sie diese.