Neue SBB-Ticket-App

05. Juli 2017 09:47; Akt: 05.07.2017 09:50 Print

Erst fahren, dann zahlen – das geht nur mit Vertrauen

von Stefan Ehrbar - In Zukunft soll das Handy automatisch Fahrten im ÖV abrechnen. Viele Funktionen fehlen – und Teile der Branche trauen der Sache nicht.

Christof Zogg, Leiter Digital Business bei der SBB, über die neuen Ticket-Apps fürs Smartphone und den Datenschutz.
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Das Smartphone wird zum GA: Wer in Zukunft in einen Zug, in einen Bus oder in ein Tram einsteigt, braucht kein Billett mehr. Stattdessen können Pendler am Anfang einer Reise mit dem Smartphone ein- und am Schluss wieder auschecken.

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Die Standards, die für dieses Projekt nötig sind, wurden von der Branche gemeinsam erarbeitet und werden nun bis Ende September mit der App «Lezzgo plus» getestet. Sie basiert auf der «Lezzgo»-App der BLS. Am Test machen maximal 200 aktive Nutzer mit. Das liegt auch daran, dass noch nicht alle ÖV-Betriebe der Technik trauen. Sie wollen keine hohen Verluste in Kauf nehmen, wenn die Reise-Aufzeichnung mit dem Handy versagt.

«Nutzer müssen Vertrauen haben»

Obwohl für den Test «Lezzgo plus» zum Einsatz kommt, wird die SBB demnächst eine eigene App bauen, wie Christof Zogg, Leiter Digital Business bei der SBB, sagt (siehe Video). Die Kunden erwarteten, dass die automatische Abrechnung auch in die SBB-App integriert werde. Schliesslich handle es sich bei ihr um die erfolgreichste und grösste App der Schweiz.

Ob die SBB die Bewegungsdaten für interne Marketing-Zwecke nutzen werde, sei noch nicht klar. Sie werde aber alle Verwendungszwecke in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festlegen. Die Benutzung der App sei freiwillig. Wer anonym reisen wolle, habe diese Möglichkeit auch in Zukunft. «Alle anderen müssen ein gewisses Vertrauen in uns haben», sagt Zogg.

«Sehr optimistisch»

Die neuen Apps sollen in der ganzen Schweiz funktionieren. Bisher scheiterte dieses Vorhaben auch an der Politik. Innerhalb des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) beispielsweise können die Ticket-Apps bisher nicht genutzt werden, weil der ZVV die Hoheit über das eigene Sortiment hat und noch mit keinem Anbieter von Smartphone-Apps einen Vertrag abgeschlossen hat.

So funktionieren die neuen Ticket-Apps


Das dürfte sich rasch ändern. «Wenn der Test funktioniert, erhoffen wir uns schweizweit grünes Licht», sagt Zogg. Schon Anfang 2018 soll es so weit sein. Auch Verbünde wie der ZVV haben bei den Standards mitgearbeitet. «Wir sind deshalb sehr optimistisch, dass alle ÖV-Betriebe der Schweiz mitmachen», sagt Zogg.

App erkennt Klasse nicht

Wichtige Funktionen fehlen noch. So können Halbtax-Abos nicht hinterlegt werden. Bei einer Kontrolle müssen also in Zukunft die Swisspass-Karte und das Handy gezeigt werden. Auch Verbund-Abos müssen die Zugbegleiter nach wie vor anschauen. Velo-Billette müssen separat gekauft werden. Die Apps registrieren auch nicht automatisch, ob Pendler in der ersten oder zweiten Klasse sitzen. Das muss manuell erfasst werden.

Die Abrechnung im Nachhinein erfolgt jeweils morgens um 5 Uhr. Damit wird zwar sichergestellt, dass der günstigste Preis für alle Reisen des letzten Tages abgerechnet wird. Wer aber häufig unterwegs ist, wäre in vielen Fällen besser bedient, wenn nachträglich eine Monatskarte verrechnet würde. Das können die Standards noch nicht. Bis die Ticket-Apps dazu fähig sind, gehe es noch etwas länger, sagten die Entwickler an der Medienkonferenz.

Auch das grosse Problem des modernen Handy-Nutzers ist noch ungelöst. Die Apps brauchen nach wie vor relativ viel Akku. Trotz Kulanz der Bahnen sind die Regeln klar: Das Handy muss bei einer Kontrolle funktionieren. Genau deshalb habe sich die Branche auf den gemeinsamen Standard geeinigt, hiess es. Nun sei der Wettbewerb um die batterieschonendste Lösung eröffnet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 04.07.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volle Überwachung

    Und die SBB weiss dann auch gleich über jeden gereisten Centimeter Bescheid. Danach werden Reiseprofile erstellt und die Preise angepasst.

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  • Kunde am 04.07.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu kompliziert

    Ich müsste jedes Mal mein Handy einschalten und das App aktivieren, dann wird meine Fahrt über GPS verfolgt, vergesse ich das Ende der Fahrt zu registrieren wird mir eine Tageskarte über die hinterlegte Kreditkarte abgerechnet. Nichts für mich. Traditionell geht einfacher und ohne Probleme.

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  • Jdm am 04.07.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr ähnlich

    Erinnert mich an Kyto. Nach der Bus fahrt musste man vorne raus und in einen Automaten 270 Yen schmeissen um zu zahlen. Nach der Tram fahrt fast das selbe, nur warteten da Angestellte des Betriebes auf dem Perron mit mobilen Automaten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luna am 09.07.2017 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GA

    Habe kein Auto da leiste ich mir das GA so habe ich keine Grenzen . Und kann so fahren wie ich will . Fahre auch gerne mal anders rum so geniesse ich die Schweiz !

  • Master Chief am 06.07.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    swisspass

    zuerst müsste doch der swisspass überall funktionieren? nicht?

  • ElmoMcElroy am 06.07.2017 01:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommt zeit kommt draht

    Da SBB sowieso technisch nicht so begabt ist, rechne ich mit einigen ausfällen

  • Flokker6460 am 05.07.2017 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Die BLS hat diese App entwickelt die SBB arbeitet mit der BLS nur zusammen für einen Branchenkenner nichts neues. Wer jetzt wieder die SBB bashen will soll auch das Wort BLS verwenden.

  • The_widi am 05.07.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sbb kanns nicht

    System von london und auch preisleistung passt aber die schweiz bez. Sbb bringt es nicht hin und macht überteuerte preise

    • Flokker6460 am 05.07.2017 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @The_widi

      Kenst du die öV Branche? Dann weisst du auch dass es den Branchenverband VöV gibt der die Preisgestalltung vereinheitlicht.

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