«Basler Zeitung»

31. Januar 2011 14:15; Akt: 31.01.2011 14:27 Print

Erste Entlassung unter dem neuen BaZ-Chef

von Lukas Mäder - Der neue Chefredaktor der «Basler Zeitung» Markus Somm stellt einen Mitarbeiter frei und kündigt seine Entlassung an. Die Umstände sind reichlich seltsam.

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Die Wellen schlugen hoch, als der Tessiner Financier Tito Tettamanti letztes Jahr die «Basler Zeitung» (BaZ) übernahm und den konservativen Journalisten und Blocher-Biografen Markus Somm zum neuen Chefredaktor machte. Die Befürchtung ging um, dass dieser Journalisten mit unliebsamer politischer Einstellung auswechseln würde, um der «Basler Zeitung» ähnlich der «Weltwoche» einen SVP-nahen Kurs zu verpassen. Doch während Tettamanti nach dem Wirbel um ein Beratermandat von Christoph Blocher bei der BaZ ausstieg, blieb Somm auf seinem Posten – und sitzt offenbar fest im Sattel, wie jüngste personelle Entscheide zeigen. Ab morgen Dienstag ist der langjährige Bundeshausredaktor Ruedi Studer freigestellt. Die Kündigung hat er noch nicht erhalten, soll aber auf Ende Mai erfolgen, wie Studer auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt. Somm habe ihm die Entlassung angekündigt. Der Chefredaktor selbst will sich nicht dazu äussern. Das seien interne Vorgänge, sagt Somm.

Die angekündigte Entlassung – offiziell soll laut redaktionsinternen Quellen von wirtschaftlichen Gründen die Rede sein – kommt zu einem seltsamen Zeitpunkt. Somm hatte zwar bereits Ende November in der «Schweizer Illustrierten» von Stellenabbau gesprochen, ohne einen genaueren Zeitpunkt zu nennen. Üblicherweise wird aber ein umfassendes Sparprogramm ausgearbeitet und dieses der gesamten Redaktion mitgeteilt. Die Freistellung des Bundeshausredaktors wurde intern jedoch noch nicht kommuniziert, weshalb die Redaktion etwas ratlos sei, wie ein Baz-Mitarbeiter sagt: «Es herrscht Ungewissheit, wer sonst noch entlassen wird.»

Vergrösserung der Bundeshausredaktion

Gegen wirtschaftliche Gründe für die Entlassung Studers spricht auch, dass dieser in Bern nicht nur ersetzt wird. Vielmehr kommt es zu einem Ausbau der Bundeshausredaktion von zwei auf vier Stellen. Dennoch ist ungewiss, ob die neue Führung der BaZ mit Studer, der eher linke Positionen vertritt, ihr erstes politisches Opfer fordert. Andere Redaktoren der vergrösserten Bundeshausredaktion vertreten ebenfalls keine rechtskonservative politische Linie. Dies betont Somm auch selbst und verweist auf den neuen Bundeshaus-Chef Christian Mensch, der bis anhin das Rechercheteam leitete.

Gut möglich, dass Somm aufgrund persönlicher Differenzen Studer entlässt. Doch der Bundeshausredaktor ist nicht die einzige personelle Änderung, die Fragen offenlässt. Die derzeitige Politikchefin Seraina Gross wird im Frühjahr Westschweiz-Korrespondentin der BaZ. Im Umfeld der BaZ ist zu hören, dass sie die neue Stelle nicht freiwillig antritt. Auf Anfrage gibt sich die Betroffene wortkarg: «Das ist eine berufliche Veränderung, mehr sage ich nicht.» Auch Somm gibt sich diplomatisch: «Der Wechsel geschieht im gegenseitigen Einvernehmen.» Und Somm schwärmt: «Der Job als Korrespondentin ist eine grosse Chance.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 31.01.2011 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar

    Ich hoffe wir kriegen keine amerikanischen zustände in der Schweiz, wo sich ein Grossteil der Zeitungen ins Parteischema verorten lassen. Ich wünshce mir einfach nur eine Zeitung, welche die NACHRICHTEN bringt - und das objektiv, denn gerade dadurch sollten sich gute Journalisten auszeichnen. Da sind schon auch die Journalisten gefragt, für ihren Berufsstand einzustehen.

  • Fritz Baumann am 31.01.2011 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Wenn der Mann nicht mehr in der Linie des Chefredaktors ist, dann ist ein Ausscheiden sinnvoll. Das wichtigste an einer Zeitung ist, dass sie eine identifizierbare politische Richtung vertritt und nicht wie viele unserer Tageszeitungen eine wischi-waschi Politik vertreten.

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  • andy444 am 31.01.2011 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Journalismus nur nach linken Vorgaben?

    An Schlüsselstellen in jedem Betrieb gehören loyale Personen, die unter Journalismus das verstehen, was die Geschäftsleitung vorgibt. Dies ist jedem Betrieb so. Freistellungen und Entlassungen sind Sache des Betriebes solange die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten sind. Scheinbar ist es vor allem in Basel so, dass jeder und jede das Gefühl hat, ein Recht auf Mitsprache zu haben; unabhängig davon ob man eine Situation beurteilen kann oder vom Geschäft etwas versteht. Linke Plapperei wie gewohnt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne Baselland am 01.02.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Theater mit und ohne Millionen

    Bie Basler-Zeitung muss auch die anders Denkenden informieren, schliesslich können sie nicht nur von den Abos der einen Seite überleben. Dass bereits bei kleinsten Rechtsverschiebungen so ein Theater gemacht wird, erstaunt mich sehr, denn jahrelang war es ein linkes Blatt. Es gibt sicher auch in Basel 50% anders Denkende.

  • Peter am 01.02.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Man lernt nichts

    Vor kurzer Zeit gabs einen Aufschrei wegen des Blocher-Mandates bei der Baz. Trotzdem wurstelt der Chefredaktor munter weiter und will uns immer wieder die gleichen Thesen der SVP erzählen wie wenn nichts geschehen wäre. Seine Meinung ist wie die Therorien in Ländern mit keiner Vielfalt in der Presse. Merkt man bei der Baz nicht, dass die Basler davon wenig begeistert sind. Will man einen Artikel verkaufen im Laden, muss er auch für die Kundschaft gut sein. Das begreift man scheinbar nicht.

    • Felix am 01.02.2011 21:17 Report Diesen Beitrag melden

      Begeistert?

      Woher willst du wissen, ob die Basler davon begeistert sind oder nicht? Die Baz ist tief in den roten Zahlen, da muss ja die Kundschaft unzufrieden sein. Begreifst du das nicht? Immer mehr haben genug, von diesem roten Einheitsbrei.

    • Jean de Carouge am 01.02.2011 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      Sie wissen natürlich was gut ist ...

      ... für die Kundschaft und was diese will. Dass die BAZ so bleiben soll wie sie ist, d.h. politisch ganz links, dass kann nur aus der Sicht eines ganz bestimmten Gewerkschafters (zumeist Staatsangestellter) gut sein.

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  • wurzel am 01.02.2011 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, Herr Somm !

    Meines Erachtens ist die BaZ in den letzten Wochen inhaltlich und auch nach der Veröffentlichungspraxis von Kommentaren merklich nach links abgedriftet. Zum Glück gibt es da noch den zivilcouragierten Chefredaktor Markus Somm, der da Gegensteuer gibt !

  • Berner Bär am 01.02.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Journalisten-Gejammer

    Tja, die Journalistenstuben sind nicht mehr die geschützten Werkstätten von einst. Auch für Journis gilt nun, dass Qualität an erster Stelle sein muss!

  • Felix am 01.02.2011 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Eigener Wille - oder fast

    Jeder Käufer und Abonnent der BAZ hat die Möglichkeit, seinem Unmut über das Verhalten der BAZ zu reagieren: nicht mehr Konsumieren! Bei TV und Radio gibt es den Knopf fürs abstellen oder einen anderen Sender zu wählen. Leider geht da das mit dem Abo nicht den die Billag schaufelt denen mit unorthodoxen Methoden noch mehr Kohle zu. Saubere frei Schweiz! Der 'Filz' ist überall - leider!