Nach nur drei Wochen

24. Juli 2012 09:14; Akt: 24.07.2012 12:06 Print

Erster Männer-Beauftragter gibt Amt auf

Kaum im Amt, tritt der erste Männerbeauftragte des Kantons Zürich, Markus Theunert, zurück. Grund waren die Schlagzeilen um die Forderung seines Vereins, Pornos in Schulen zu zeigen.

storybild

Der Kanton Zürich findet seine Doppelrolle problematisch: Der Züricher Männerbeauftragte Markus Theunert tritt von seinem Amt zurück, um Präsident von Männer.ch bleiben zu können. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als Schweizer Premiere schaffte der Kanton Zürich auf den 1. Juli die Stelle eines Männerbeauftragten. Für die Funktion auserkoren wurde Markus Theunert, der 39-jähriger Gründer der Schweizer Männerzeitung und Präsident des Vereins Männer.ch. Genau diese Doppelfunktion wurde ihm nur drei Wochen nach seinem Amtsantritt zum Verhängnis. Theunert hat am Dienstag seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Umfrage
Soll Pornografie ab der 6. Klasse im Sexualunterricht behandelt werden - auch mit Zeigen von Ausschnitten aus Pornos?
33 %
45 %
22 %
Insgesamt 5872 Teilnehmer

Auslöser für seinen Rücktritt ist ein Artikel der «NZZ am Sonntag», der am 15. Juli erschien - zwei Wochen nach Theunerts Amtsantritt. Darin zitierte die Zeitung aus einer acht Monate alten Stellungnahme von Männer.ch zur Revision des Strafgesetzbuchs, in der eine Lockerung der Bestimmungen zum Zeigen von pornografischen Darstellungen gewünscht wurde. Eltern und geschulte Fachleute sollen solche Darstellungen Jugendlichen unter 16 Jahren zugänglich machen könnnen. Heute ist dies strafbar.

Eine solche Änderung würde insbesondere auch den Sexualunterricht an Schulen betreffen und es ermöglichen, beispielsweise Ausschnitte aus Pornos im Klassenzimmer zu zeigen. Man dürfe die Jugendlichen mit dem Thema nicht alleine lassen, begründete der Verein seine Idee.

«Glaubwürdigkeit beschädigt»

Die Medienberichterstattung darüber habe inner- und ausserhalb der Verwaltung hohe Wellen geworfen und empörte Reaktionen provoziert, schreibt Theunert in einer Stellungnahme. Die kantonale Fachstelle sei der Ansicht gewesen, dass seine Doppelrolle den Ruf der Fachstelle und die Glaubwürdigkeit des Männerbeauftragten beschädigt habe.

Die kantonale Verwaltung habe von ihm verlangt, aus dem Vorstand von Männer.ch zurückzutreten, schreibt Theunert weiter. Dazu sei er nicht bereit, weshalb er sein Amt als Männerbeauftragter niederlege. Er wäre nur dazu bereit gewesen, sich nicht mehr öffentlich für Männer.ch zu engagieren, jedoch nicht das Engagement völlig zu beenden. Die kantonale Fachstelle schreibt in einer Mitteilung, dass sie Theunerts Schritt begrüsse.

Männerverband kritisiert Kanton

Enttäuscht über das Verhalten des Kantons Zürich ist der Verein Männer.ch. «Wir bedauern, dass der Kanton Zürich sich nicht überzeugt hinter seinen Männerbeauftragten zu stellen vermochte», schreiben der Vorstand in einer Mitteilung. Bereits bei der ersten Belastungsprobe sei Theunert entgegen früheren Abmachungen vor ein für ihn inakzeptables Ultimatum gestellt worden.

Männer.ch sei froh, weiterhin auf das Engagement seines Präsidenten bauen zu können. Man hoffe aber auch, dass der Kanton Zürich an seiner Strategie festhalte und die aktive Beteiligung der Männer am Gleichstellungsprozess weiter fördere.

Markus Theunert erklärt, weshalb er zurückgetreten ist. (Video: Keystone)

(jep/mdr)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas müller am 24.07.2012 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pornosex &LiebesSex

    Ich bin jetzt auch erst 16 und ich muss sagen das Thema Pornos ist nicht einfach im vergleich zum echten Leben & dem sex da. Es hat keinerlei ähnlichkeiten mit den Liebessex den in den Pornos werden viele SexuelleAkte als selbstverständlich dargestellt und können zueinem falschen Bild vom LiebesSex füren. Z.b die gesichtsbesamung findet man in jedem Porno aber das gehört nicht unbedinngt zum Normalen Sex. Es kann vorkommen aber es ist nicht der Standart. In meiner Schule haben wir das nie berredet oder angedeutet das Thema Pornos was ich falsch finde den es ist auch ein Teil der Aufklärung.

    einklappen einklappen
  • EviZH am 24.07.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dieser Stelle!

    Wer hat sich bloss diesen Humbug mit der Stelle des Männerbeauftragten ausgedacht? So etwas braucht der Kanton Zürich nun wirklich nicht, bitte Stelle ersatzlos streichen!

    einklappen einklappen
  • Juliane V. am 25.07.2012 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Emazipation verpasst!!!!

    Die Männer haben ihre Emanzipation verpasst. Es ist überhaupt keine feministische Welt, denn Frauen werden immer noch unterdrückt,unterschätzt und misshandelt.... Wir Frauen verdienen, für die gleiche Arbeit, immer noch weniger als die Männer. Ein wichtiges Thema, wo viele Männer betrifft, aber kaum besprochen wird, ist das sie die gleichen Rechten haben müssen, wenn es um ihre Kinder geht. Wer die Kinder zugesprochen werden..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Juliane V. am 25.07.2012 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Emazipation verpasst!!!!

    Die Männer haben ihre Emanzipation verpasst. Es ist überhaupt keine feministische Welt, denn Frauen werden immer noch unterdrückt,unterschätzt und misshandelt.... Wir Frauen verdienen, für die gleiche Arbeit, immer noch weniger als die Männer. Ein wichtiges Thema, wo viele Männer betrifft, aber kaum besprochen wird, ist das sie die gleichen Rechten haben müssen, wenn es um ihre Kinder geht. Wer die Kinder zugesprochen werden..

  • Angela Lorenz am 24.07.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Entlich wird der Sicht des Mannes in den heutige Welt ernst genommen d.h. Männerbeauftragter; und was geschieht. Sie nehmen Porno in der Schule als das erste Theme an sich. Bitte? Sind Männer wirklich so blöd geworden? Sorry, aber diese Zug hat der Männerwelt wirklich NICHT geholfen.

  • asdfasdf am 24.07.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Begründung

    Da gab es aber schon Politiker und Beamte, die sich einiges mehr erlaubt haben, ohne deswegen ihr Amt zu verlieren. Und ich lehne mich glaub ich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass man bei einem vergleichbaren Fall mit einer Frau von Diskriminierung reden würde.

  • Kopfmensch am 24.07.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alltagsprobleme als Ziel?

    Vieleicht haette er ja mit einem Alltagsproblem anfangen sollen? Zum Beispiel haette er gleiche Loehne fuer gleiche Arbeit fordern koennen. Oder hoehere Loehne fuer Krankenschwestern und Kindergaertnerinnen damit auch mehr Maenner diese Berufe ergreifen koennten.

  • Ben3x am 24.07.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Zum Glücke ist er weg!! Jetzt muss er nur noch aus dem Verein Männer.ch verschwinden. Wenn in dem Verein Pornos das einzige Problem sind, stimmt etwas mit dem Verien nicht oder er ist am falschen Ort.

    • Daniel am 24.07.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Dito

      Den Nagel auf den Kopf getroffen!

    • Antelma Giger am 24.07.2012 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Die ganze Aktion war von Anfang an ein Schuss in den Ofen!

    einklappen einklappen