40'000 Franken

16. Juni 2019 10:55; Akt: 16.06.2019 12:10 Print

Jetzt fordern Frauen happige Lohn-Bussen

38 Wochen Elternzeit, bis zu 40'000 Franken Busse wegen Lohnungleichheit, mehr Frauen im Bundeshaus – Politiker wollen nach dem Frauenstreik den Worten nun Taten folgen lassen.

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Mehr als eine halbe Million Frauen sind am Freitag für die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen auf die Strasse gegangen – auf politischer Ebene sind bereits Reaktionen erfolgt.

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Die Grünen
Gleichstellung im Nationalrat

Die Grünen fordern einen Tag nach dem Streik in einer parlamentarischen Initiative, dass die politischen Parteien bei den Nationalratswahlen immer gleich viele Frauen und Männer als Kandidaten aufstellen. Dies berichtet die «SonntagsZeitung».

Eingereicht wurde der Vorstoss von der Grünen Aargauer Nationalrätin Irène Kälin. Im Bundeshaus sind heute rund 28 Prozent der Parlamentarier weiblich.

GLP
Ausgewogenen Listen bei Parlamentswahlen

Ein ähnliches Rezept wie die Grünen propagiert die GLP. Sie will mehr Frauen ins Bundeshaus bringen, indem sie finanzielle Anreize schafft. Parteien respektive deren Bundeshausfraktionen sollen nur Geld erhalten, wenn sie mit ausgewogenen Listen zu den Parlamentswahlen antreten. GLP-Parteipräsident Jürg Grossen will die Forderung nächste Woche als parlamentarische Initiative einreichen. «Mehr Frauen im Parlament wird die Gleichstellung in Gesellschaft und Wirtschaft voranbringen», sagte Grossen.

SP
38 Wochen bezahlte Elternzeit

Einen anderen Weg schlägt die SP ein: Die Partei reichte neue Forderungen ein, die darauf abzielen, dass Frauen in der Familie entlastet und im Beruf nicht diskriminiert werden. So fordert Nationalrätin Nadine Masshard zum Beispiel, dass Mutter und Vater bei der Geburt eines Kindes insgesamt 38 Wochen bezahlten Urlaub erhalten. Zudem soll der Kündigungsschutz nach Ablauf dieser Zeit verbessert werden.

Nationalrätin Min Li Marti verlangt gar, dass Unternehmen bis zu 40'000 Franken Busse zahlen müssen, wenn sie Frauen weniger Lohn zahlen.

Bürgerliche Politikerinnen und Politiker können den meisten Forderungen dem Bericht zufolge jedoch kaum etwas abgewinnen. Sie wehren sich unter anderem gegen starre Quoten bei Wahlen als Einschränkung der Demokratie.

EDK
Mehr Frauen in den Geschichtsbüchern

Auch auf der Bildungsebene geht man jetzt in die Offensive. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) schreibt laut «SonntagsBlick» in einem Papier von Mitte Mai, dass der «Sichtbarkeit der Frauen unter anderem auch in den Lehrmitteln grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden muss». Will heissen:
In Schweizer Schulbüchern sollen mehr Frauen abgebildet werden. Unterzeichnet ist das Schreiben von EDK-Präsidentin Silvia Steiner. Es richtet sich an eine Gruppe von Bundesparlamentarierinnen sowie an verantwortliche Stellen der Sprachregionen und Kantone, die dort für Lehrpläne und Lehrmittel zuständig sind.

Katharina von Zimmern, Anna Pestalozzi, Iris von Roten

Die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich startete eine unverbindliche Sammlung mit rund 40 bedeutenden Frauen, die in Schulbücher aufgenommen werden könnten. Diese reicht von der letzten Äbtissin des Fraumünsterklosters in Zürich, Katharina von Zimmern (1478-1547), über die Pädagogin Anna Pestalozzi (1738-1815), die Autorin Annemarie Schwarzenbach (1908-1942), die Frauenrechtlerin Iris von Roten (1917-1990) bis zur Slam-Poetin und Kabarettistin Hazel Brugger. «Wir müssen die Geschichtsschreibung vervollständigen. Die weiblichen Vorbilder müssen genauso wie die männlichen im Schulunterricht ein Thema sein», sagte Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung, der Zeitung.

(rab/sda)