Fernbus-Linien

08. August 2018 05:41; Akt: 08.08.2018 16:39 Print

Eurobus muss Rollstuhl-Fahrern Zugtickets zahlen

von Stefan Ehrbar - Die Schweizer Fernbusse sind noch nicht behindertengerecht. Eurobus muss nachrüsten. Auch beim Fernbus-Riesen Flixbus geht einiges.

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Seit dem 10. Juni fahren die Fernbusse von Eurobus auf drei Linien durch die Schweiz. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat den Betrieb genehmigt – unter Auflagen: So müssen etwa das Halbtax und GA anerkannt werden und das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) eingehalten werden.

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Das ist Eurobus aber aus technischen Gründen noch nicht möglich. Die Busse, die bisher eingesetzt werden, sind nur für Rollstuhlfahrer zugänglich, die eine minimale Gehfähigkeit vorweisen und deren Rollstuhl zusammenfaltbar ist. Die Mitfahrt im günstigen Fernbus ist damit vielen Rollstuhlfahrern verwehrt.

«Solche Busse sind noch nicht verfügbar»

Möglich ist das nur, weil das BAV eine Ausnahme zulässt. «Das Busunternehmen hat sich verpflichtet, Busse zu beschaffen, die dem Gesetz entsprechen», sagt Sprecherin Florence Pictet. Das nehme aber mehrere Monate in Anspruch, weil solche Fahrzeuge noch gar nicht auf dem Markt verfügbar seien. «Das wirtschaftliche Risiko, diese Busse schon vor der Konzessionserteilung zu bestellen, wäre aus Sicht des BAV zu gross gewesen.»

Damit Eurobus trotzdem dem Gesetz entspricht, wurde das Unternehmen zu einer Ersatzlösung verpflichtet. «Eurobus ist verpflichtet, Reisenden im Rollstuhl, für die ein Ein- und Aussteigen nicht möglich ist, die Kosten für eine dementsprechende Beförderung durch die Eisenbahn zu vergüten», sagt Pictet.

«Betroffene offen informiert»

Roger Müri, Leiter Fernbus bei Eurobus, kennt das Problem. «Momentan fahren wir unsere Linien mit normalen Reisebussen. Diese verfügen nicht über Rollstuhlplätze», sagt er. Lange dauere dieser Zustand aber nicht an. «Ab Dezember werden wir unsere neu bestellten Doppelstockbusse in Betrieb nehmen. Diese verfügen über einen Niederflurzugang mit Rampe und über zwei Rollstuhlplätze.»

Zudem werde es eine Rollstuhltoilette geben, die mit einem normalen Rollstuhl befahrbar sei. «Das ist eine Weltpremiere», sagt Müri. «Wir haben Rollstuhlfahrer immer sehr offen darüber informiert, was möglich ist und was nicht. Das wurde von den Betroffenen sehr gut aufgenommen», sagt er. Bisher habe Eurobus keine Ersatzbeförderungen bezahlen müssen.

Flixbus fällt nicht unters Gesetz

Während Eurobus in neue Fahrzeuge investiert, um dem Gesetz nachzukommen, ist beim deutschen Fernbus-Riesen Flixbus keine Besserung in Sicht. Reisende im Rollstuhl, die nicht gehfähig sind, werden dort noch über längere Zeit nicht mitfahren können. Weil Flixbus keinen Transport innerhalb des Landes durchführt, sondern nur auf internationalen Routen, hat die Firma keine dementsprechenden Auflagen vom BAV erhalten.

Marc Moser, Sprecher des Behinderten-Dachverbandes Inclusion Handicap, hält das für einen Fehler. «Unserer Auffassung nach untersteht auch Flixbus dem Behindertengleichstellungsgesetz», sagt er. «Wir sind anderer Ansicht als das BAV.» Der gesamte ÖV müsse gemäss dem Gesetz bis 2023 barrierefrei zugänglich sein. «Es ist wichtig, dass gerade bei neuen Angeboten wie Fernbussen von Anfang an darauf geschaut wird», sagt Moser.

Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia sagt, ein grosser Teil der Flixbus-Flotte sei bereits mit je zwei Rollstuhlplätzen ausgestattet. In Deutschland müssten alle ab 2016 neu zugelassenen Busse behindertengerecht sein, damit ab 2020 alles umgerüstet sei. «Wenn wir allein die deutschsprachigen Buspartner betrachten, die für Flixbus in oder durch die Schweiz fahren, so sind hier etwa 45 Prozent mit den zwei Rollstuhlplätzen ausgestattet – mit stark steigender Tendenz.» Auch im Rest Europas sei Flixbus am Thema dran. Der italienische Ableger arbeite etwa punktuell mit einem Hilfsdienst zusammen, der das barrierefreie Reisen unterstütze.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luftibus am 08.08.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Also, mit einer Gehbehinderung buche ich den Bus, wohlwissend, dass die Betreiberin mir dann das Zugticket zählt. Ist das verhältnismäßig?

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  • Sandra am 08.08.2018 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    streng

    Ich finde die Auflagen sehr heftig. GA muss gelten, okey. Bekommen die dann auch was von den GA Einnahmen? Das mit den Rollstuhlfahrern find ich ehrlichgesagt auch etwas schräg. Ein normales Taxiunternehmen muss einem Rollstuhlfahrer ja auch kein Tixi bezahlen...

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  • Roll Ator am 08.08.2018 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Dann müssen in Zukunft aber alle Busreisen-Anbieter ihre Busse rollstuhlgängig anbieten. Ebenso Postauto und Stadtbusse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bimbo77 am 08.08.2018 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzliche Barrieren

    Es wird mit allen Mitteln versucht den Flixbus zu vertreiben oder konkurs zu treiben! Ich finde es traurig obwohl ich Nie mit Flixbus gefahren bin. Lasst den Wettbewerb doch einfach spielen!? Oder belegt doch jedes Taxi und jeden Schweizer Car mit dieser grandiosen Regel!!!? Es Schadet der SBB schon nicht dass sie Kunden verlieren weil Sie einfach verschämt teuer ist... Die würden besser mal Schauen dass Sie Ihre Kosten gleich wie ein Privatunternehmen im Griff zu behalten.!

  • Denkpause am 08.08.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen ...

    ... im Stau.

  • Pendler am 08.08.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solange Postauto

    nicht niederflurig ist, muss Flixbus überhaupt gar nichts machen. Und der Rollstuhllift bringt gar nichts, wenn er Defekt ist, was bei Postauto oft der Fall ist.

  • Martial2 am 08.08.2018 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist keine Pflicht für sowas...

    Wenn ich Carunternehmer wäre, sollte ich alle meine Busse plötzlich umbauen, warum und wer bezahlt das? Ich wäre keinesfalls gewillt sowas zu unternehmen. Da entscheide nur ich!

  • Deutscher in Zürich am 08.08.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist dann mit den Trams?

    Muss der ZVV auch ein Tixi zahlen wenn gerade eine alte fährt?