Entführung in Pakistan

22. Juli 2012 16:43; Akt: 23.07.2012 10:24 Print

Ex-Geiseln arbeiten fürs EDA - statt zu zahlen

von Lukas Mäder - Dem Bund sind durch die Geiselnahme von zwei Schweizern in Pakistan hohe Kosten entstanden. Weil sie gemeinnützige Arbeit leisten wollen, müssen sie nichts bezahlen.

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Am 17. März 2012 kommt das in Pakistan entführte Schweizer Paar wieder in der Schweiz an. Das Paar traf gegen 13.30 Uhr am Flughafen Zürich-Kloten ein. Mit einem Stofftier winkt Daniela W. aus dem Auto ihren Verwandten zu. Das erste Bild: David O. und Daniela W. sind wieder auf freiem Fuss ... ... und wirken zumindest auf den ersten Blick unversehrt. Die 28-jährige Daniela W steigt aus dem Helikopter auf der Qasim-Militärbasis in Rawalpindi, Pakistan, ... ... gefolgt von ihrem 31-jährigen Freund David O. Am 27. Dezember 2011 wurden den Medien neue Bilder der Schweizer Geiseln zugespielt. Oliver O. und Daniela W. vor einem schwarzen Banner. Die Berner Daniela W. und ... ... Oliver O. sind seit dem 1. Juli in der Gewalt der Taliban. In einem am 25. Oktober 2011 veröffentlichten Video melden sich die beiden Schweizer Geiseln zu Wort. Im Juli entführt und seither vermisst: David O. und Daniela W. Bei den Geiseln handelt es sich um einen aktiven Polizisten und eine ehemalige Beamtin der Kantonspolizei Bern. Die beiden waren auf einer privaten Reise in Pakistan. Sie waren von der Hauptstadt Islamabad her in die südwestliche Provinz Belutschistan gereist. In der Region Loralai wurden sie von bewaffneten Kidnappern verschleppt. Ihr blauer VW-Bus wurde verlassen aufgefunden. Warum sich die beiden in dem gefährlichen Gebiet an der Grenze zum Iran und zu Afghanistan aufhielten, wurde nicht mitgeteilt. Waliur Rehman (M.), die sagt, dass die entführten Schweizer in seiner Hand sind. Sie seien nicht gefoltert worden. Er wollte die Schweizer erst gegen die in den USA inhaftierte austauschen. Siddiqui, die in den USA studierte, war wegen des Tötungsversuchs von US-Beamten in Afghanistan verurteilt worden. Mittlerweile sind die Entführer von dieser Forderung abgerückt.

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Während fast acht Monaten waren die beiden Berner in den Händen von pakistanischen Geiselnehmern, bevor sie im März freikamen. Der Fall beschäftigte in dieser Zeit mehrere Personen beim Aussendepartement EDA, dem Nachrichtendienst, dem Bundesamt für Polizei sowie der Berner und Aargauer Polizei. Es entstanden hohe Kosten - vermutlich von mehreren Millionen Franken. Doch das Paar muss sich nicht wie sonst üblich zumindest symbolisch an den Kosten beteiligen. Das EDA hat ihnen den Betrag von je 10 000 Franken mit dem Segen des Gesamtbundesrats erlassen, wie das Departement einen Artikel des «Sonntag» bestätigt.

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Finden Sie es richtig, dass sich die beiden Schweizer Ex-Geiseln nicht an den Kosten des Bundes beteiligen, sondern nur Präventionsarbeit leisten müssen?
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Möglich macht diesen Gebührenerlass ein Gegengeschäft: Die Ex-Geiseln haben sich bereit erklärt, für das EDA Präventionsarbeit zu leisten. Sie würden an Konferenzen teilnehmen oder ihre Erfahrungen an Schulen erzählen, um so die Öffentlichkeit für seriöse Reisevorbereitungen zu sensibilisieren, wie das EDA schreibt. Details des Präventionsprogramms sowie die Dauer des Einsatzes der beiden Berner konnte das EDA auf Anfrage nicht benennen.

Höhere Kostenbeteiligung gefordert

Bereits an der Medienkonferenz nach der Rückkehr der beiden Schweizer Mitte März sprach Aussenminister Didier Burkhalter davon, Reisende stärker in die Pflicht nehmen zu wollen. Dazu will er eine Gesetzesrevision anstossen. Dabei geht es auch um eine stärkere Kostenbeteiligung von befreiten Geiseln, wie sie aufgrund der heutigen gesetzlichen Regelung nicht möglich ist. Angesichts dieser Forderung, die bei Parlamentariern auf positives Echo stiess, erstaunt es, dass nun den Ex-Geiseln von Pakistan die Kostenbeteiligung erlassen wird. Das EDA konnte sich dazu nicht äussern.

Wie hoch die Gesamtkosten im Fall von Pakistan ausgefallen sind, kommuniziert das EDA nicht. Einzig die Finanzdelegation des Parlaments wurde informiert. Das lässt Raum für Spekulationen. Laut der NZZ habe die Finanzdelegation bereits 2011 einen Sonderkredit von mehreren Millionen Franken behandelt. Im Fall von zwei Schweizer Geiseln in Mali war von Gesamtkosten von 5 Millionen Franken die Rede. Im Fall von Pakistan stritt der Bund immer ab, Lösegeld bezahlt zu haben. Es bestehen jedoch Zweifel an der offiziellen Version, wonach sich das Paar selbst befreit und zu einem Armeestützpunkt geflüchtet hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Miller am 22.07.2012 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz...

    Das ist ein Witz... Für den Nachrichtendienst seien auch kosten entstanden? Dann würde ich aber eher als EX-Geisel Geld verlangen... Und zumdem können sie ja nicht viel wenn sie entführt wurden. Und das beste ist, sie sind ja selber geflohen und nicht etwa vom EDA befreit worden...

  • Gaby am 22.07.2012 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Wofür alles unsere Steuergelder verschwendet werden ! Auf der anderen seite lieber für unser eigenes Volk wenn schon

  • Lilia L. am 24.07.2012 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier verdirbt die Menschheit

    An alle Kritker.. Hättet ihr abgewartet was passiert und sie evtl sterben lassen, wenn ihr im Voraus gewusst hättet, dass sie nichts zahlen müssen? Klingt doch schon ein wenig pervers der Gedanke, nicht?! Jeder von euch wäre über seine eigene Rettung doch auch froh. Es ist wieder nur die Geldgier der Menschen, die sie zu solchen Gedanken bewegt. Und das ist leider nur egoistisch und enttäuschend..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lilia L. am 24.07.2012 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier verdirbt die Menschheit

    An alle Kritker.. Hättet ihr abgewartet was passiert und sie evtl sterben lassen, wenn ihr im Voraus gewusst hättet, dass sie nichts zahlen müssen? Klingt doch schon ein wenig pervers der Gedanke, nicht?! Jeder von euch wäre über seine eigene Rettung doch auch froh. Es ist wieder nur die Geldgier der Menschen, die sie zu solchen Gedanken bewegt. Und das ist leider nur egoistisch und enttäuschend..

    • Verärgerter Steuerzahler am 25.07.2012 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Abwarten wäre Richtig

      Richtig, wir hätten abgewartet. Die hätten sich selber helfen müssen oder wären halt nicht mehr zurückgekommen. "Wer die Gefahr liebt, kommt darin um.".

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  • Serge am 23.07.2012 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Märchen erzählt ...

    Wer Märchen erzählt, dem glaubt man nichts. Und die Beiden haben ein grosses Märchen von "einer Flucht" in der Pakistanischen Wildnis erzählt! Von dem her finde ich Vorträge der Beiden eher kontraproduktiv!

  • Muhkuh am 23.07.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das ein Witz?

    Warum sollten die überhaupt etwas bezahlen müssen?! schlussendlich finanzieren wir den Verein durch Steuergelder, da darf man doch erwarten dass die einen rausholen wenn man sie mal braucht, ohne dass man dann noch eine lächerliche rechnung von 10000.- bekommt, welche problemlos über alle abgewälzt werden kann ohne dass auch nur jemand etwas davon mitkriegen würde.... für was bezahlen wir dann steuern?! Sogar die 5mio könnten problemlos über alle abgewälzt werden ohne dass es jemandem weh tut....

    • Urben M am 23.07.2012 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bezahlst du überhaupt Steuern??

      Nein kein Witz! Diese Polizisten mussten sich dem Risiko bewusst sein. s ist völlig ok das die beiden zumindest so etwas zu den Riesenkosten beisteuern. oder willst du noch mehr Steuern bezahlen? oder bezahlst du sowieso keine Steuern? Nur so ist diese Haltung zu erklären?..

    • Lily am 23.07.2012 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wieso nichts bezahlen? 

      Entschuldigen Sie, aber wenn diese Leute, an einen, der gefährlichsten Orten dieser Welt reisen, obwohl Ihnen klar bewusst ist, das sie sich in Lebensgefahr bringen. Das EDA klar von der reise abrät! Nein in diesem Fall, sollen sie sich an den Kosten beteiligen. Den das war klar Eigenverschuldung!

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  • Peter Zbinden am 23.07.2012 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Unverständlich, wer entgegen den Warnungen des EDA an solche Ort reist sollte die VOLLEN Kosten seiner Rettung übernehmen müssen!

  • F.M. am 23.07.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die alle die jetzt schreien,

    das die alles zurückbezahlen sollten, sind diejenigen die noch lauter schreien, wenn Sie bei einem Amt für ein A4 Blatt 20 oder 30 Franken bezahlen sollten. Aber eben, ich kann ja auch nichts dafür, brauchen Sie dieses Blatt, also bezahlen Sie es auch. Kommt immer grad drauf an wie es einen trifft, so schreit mann dann auch....

    • besser wisser am 24.07.2012 16:06 Report Diesen Beitrag melden

      absolut!

      Word!

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