Schwierige Integration

16. September 2018 19:40; Akt: 16.09.2018 22:33 Print

Expats in der Schweiz «leben oft in einer Blase»

Schweizer sind zu verschlossen, finden viele Expats. Doch auch sie tragen ihren Teil zum distanzierten Verhältnis zwischen ihnen und Einheimischen bei.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Trotz hervorragender Lebensqualität und Sicherheit fühlen sich Expats gemäss dem Ranking der Plattform Internations vielerorts wohler als in der Schweiz: Unser Land belegt nur noch Platz 44 von 68 Ländern. Vor vier Jahren lag die Schweiz noch auf Platz 4. Besonders schwer sei es, hierzulande Freundschaften zu schliessen.

Die Sonntagszeitung wirft nun die Frage auf, ob
nicht auch die Expats ihren Teil zum distanzierten Verhältnis zwischen ihnen und den Schweizern beitragen.

Expat-Kinder besuchen oft Privatschulen

Dass diese Frage ihre Berechtigung hat, zeigt zum einen die Schul-Situation. Die Einwanderer bewegen sich kaum aus ihrer Komfortzone heraus, bleiben meistens unter sich – und das vorwiegend in Privatschulen. Wie die Zeitung schreibt, ist die Quote der Privatschüler aus fremdsprachigen Zuwandererfamilien in der Stadt Zürich in den letzten zehn Jahren von sieben auf elf Prozent gestiegen, bei den Deutschen sass letztes Jahr fast jedes sechste Kind auf der Schulbank einer Privatschule.

In den Goldküstengemeinden, dem bevorzugten Domizil von Expats, waren 2017 gemäss Daten des Bildungs­departements des Kantons Zürich bis zu 40 Prozent der ausländischen Kinder Privatschüler.

In den anderen «Expat-Hochburgen», den Kantonen Zug und Luzern, sehe es ähnlich aus: Die International School of Zug and Luzern unterrichtet derzeit 1250 Schüler. Und in der bei Expats besonders beliebten Zuger Gemeinde Walchwil besuchen inzwischen über 20 Prozent der Kinder eine Privatschule.

Deutschkurs mangels Anmeldungen gestrichen

Auch andere Gelegenheiten, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, werden gemäss der «Sonntagszeitung» kaum genutzt: Zahlreiche Deutschkurse oder «Swissness»-Lehrgänge verzeichneten dieses Jahr nur spärlichen Zulauf:
So musste in Zug der auf Deutsch angebotene Lehrgang «Grüezi Switzerland: Crashkurs in Swissness» mangels Anmeldungen gestrichen werden. An der englischen Kursvariante nahmen immerhin 19 Personen teil.

Die hiesige Landessprache ist in Zug auch beim offiziellen Neuzuzüger-Anlass nicht erwünscht: Der Anlass wird dort mittlerweile zweisprachig auf Englisch und Deutsch durchgeführt. Dies, weil er nur auf Deutsch zuvor kaum besucht wurde.

Die Volkshochschule Zürich bestätigt derweil, dass der Hype um Schweizerdeutsch vorbei sei. So habe es gemäss Direktor Pius Knüsel 2015/16 bei den Schweizerdeutschkursen eine Welle mit hohen Teilnehmerzahlen gegeben und das mit einem grossen Anteil Expats. Die letzten drei Kurse habe man mangels Interesse aber annullieren müssen. Auch an der Volkshochschule Basel sei der Schweizerdeutschkurs in diesem und im letzten Sommersemester ausgefallen.

Der Brite Diccon Bewes lässt sich davon nicht abschrecken und startet an der Basler Hochschule den Lehrgang «More than milk an money: Understanding Switzerland, from Rütli and Referendums to Sex and Swinglish». Er weiss, dass Expats nur selten Deutsch lernen. «Sie leben oft in einer Expat-Blase – ohne Schweizer», so der Brite gegenüber der «Sonntagszeitung».

(rab)