Facebook-Managerin

22. November 2019 12:51; Akt: 22.11.2019 14:12 Print

Wie tickt Mark Zuckerberg als Chef?

von P. Michel - Facebook-Managerin Nicola Mendelsohn spricht im Interview über Mark Zuckerberg, Tiktok und die Pläne des Tech-Konzerns für die Schweiz.

«Ich würde mich nicht mit Mark Zuckerberg vergleichen»: Nicola Mendelsohn spricht im Interview über ihre Karriere. (Video: pam)
Fehler gesehen?

Frau Mendelsohn, Sie sagten einst, dass Sie nur von Montag bis Donnerstag arbeiten. Kann sich das eine Topmanagerin bei Facebook leisten?
Bei Facebook arbeite ich heute Vollzeit. Ich reise sehr viel, weshalb mein Job nicht in vier Tagen zu machen ist. Aber es stimmt: Während 16 Jahren habe ich von Montag bis Donnerstag gearbeitet. Damals war ich in der Werbebranche tätig und merkte: Ich kann nicht eine gute Mutter und eine gute Partnerin sein und gleichzeitig im Job Vollgas geben. Ich muss aber festhalten: Ich erledigte damals die Arbeit von fünf Tagen in vier. Ich arbeitete verdammt hart.

Wie tickt Mark Zuckerberg als Chef?
Mark Zuckerberg ist der offenste und unkomplizierteste Chef, den ich kenne. Früher hatte Mark jede Woche einen Tag der offenen Tür in seinem Büro. Während einer Stunde konnte jeder sein Anliegen einbringen. Dafür ist Facebook jetzt zu gross. Mark verschickt nun jeweils eine Online-Umfrage, in der Mitarbeiter Fragen einreichen können. ​Und jede Woche stellt er sich hin und beantwortet die Fragen mit den meisten Stimmen in einer globalen Videokonferenz.

Sie setzen sich für «Diversity» im Konzern ein. Sie wollen längerfristig 50 Prozent Frauen bei Facebook, ebenso eine angemessene Vertretung von Minderheiten. Haben Sie auch Quoten für LGBTQI?
Nein, keine Quoten. Aber in den nächsten fünf Jahren wollen wir einen durchmischten Konzern. Das umfasst natürlich auch LGBTQI+, Rasse, Religion, Unter-, Mittel- und Oberschicht. Facebook soll ein Spiegel der Gesellschaft und der Nutzer sein. Und es ist ein Fakt: Firmen, die das berücksichtigen, sind erfolgreicher – sie sind profitabler und innovativer.

Als neues Geschäftsmodell hat Facebook in den USA eine Dating-Funktion eingeführt. Wie funktioniert sie und wann kommt sie in die Schweiz?
Facebook-Dating gibt es bisher nur in den USA. Es funktioniert so: Ich kann einen Facebook-Nutzer liken, ohne dass er es merkt. Likt er mich zurück, gibt es einen «Match», und wir können uns schreiben. Es ist derzeit noch offen, ob und wann die Dating-App auch in die Schweiz kommt.

Die App Tiktok ist derzeit bei Jugendlichen extrem beliebt. Ist sie ein Gefahr für den Facebook-Konzern?
Die grösste Gefahr für Facebook sind wir selbst. Wir müssen aufpassen, damit wir mitbekommen, was unsere Nutzer wollen. Facebook hat sich in den letzten sechs Jahren, in denen ich hier bin, extrem stark verändert. Und auch in den kommenden sechs Jahren wird es grosse Änderungen geben. Nehmen wir Facebook-Storys als Beispiel. Vor einigen Jahren hätten wir uns nicht gedacht, dass diese Art zu kommunizieren ein Bedürfnis ist. Wir sind ständig daran, neue Formen zu entwickeln, etwa im Bereich Virtual Reality.

Sie weichen aus. Ich bin sicher, Ihre vier Kinder im Alter von 14 bis 22 sind eher auf Tiktok als auf Facebook unterwegs.
Meine Kinder nutzen sehr viele verschiedene Apps. Sie nutzen auch Facebook, Instagram und Whatsapp. Vielleicht auch Tiktok, und sicher noch mehr, von denen ich nichts weiss.

War der Kauf von Tiktok schon ein Thema?
Wir kommentieren andere Firmen nicht.

Bis Ende 2020 will Facebook die Zahl der Mitarbeiter in Zürich von 80 auf 200 aufstocken. Google bietet in Zürich beispielsweise auch Informatik-Lehrstellen an. Zieht Facebook nach?
Wir haben in London und Dublin bereits ähnliche Praktikumsprogramme, in Zürich noch nicht. Die Ausbildung junger, talentierter Menschen ist auf jeden Fall ein Ziel von Facebook. Ich kann mir gut vorstellen, auch in Zürich im Rahmen des Schweizer Lehrstellensystems Jugendlichen Jobs bei Facebook anzubieten. Ich sage allen jungen Menschen in der Schweiz: Bewerbt euch bei Facebook!

Sie exponieren sich stark in der Öffentlichkeit. Sie machten letztes Jahr Ihre Krebserkrankung auf Facebook öffentlich. Wie waren die Reaktionen, und wie geht es Ihnen heute?
Ich leide seit drei Jahren am Follikulären Lymphom, einem seltenen, unheilbaren Blutkrebs. Als ich auf Facebook meine Diagnose teilte, war ich überwältigt von der Unterstützung. Ich würde den Post wieder so schreiben. Bei meinem Krebs nützt es nichts, eine möglichst rasche Chemotherapie zu machen. Es gibt auch keine dafür zugeschnittenen Therapien. In den ersten acht Monaten nach der Diagnose habe ich mein Leben so normal wie möglich weitergelebt. Im Sommer unterzog ich mich dann einer Chemotherapie, blieb in London, reiste nicht. Im besten Fall lebt man mit dieser Diagnose 20 Jahre. Ich lebe deshalb mein bestmögliches Leben und koste jeden Tag aus.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter B. am 22.11.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    mal abwarten

    Wegen einer einzigen unverbindlichen Aussage einer angelsächsischen Managerin gleich darauf zu schliessen, dass sie tatsächlich Lehrstellen anbieten, finde ich etwas fahrlässig. Am Ende werden es wohl Praktikas für Hochschul-Absolventen sein.

    einklappen einklappen
  • Mr. Right (Official) am 22.11.2019 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertreib

    Wenn man Arbeit von 5 Tagen in 4 erledigen kann, ist es Arbeit für 4 Tage. Sonst bräüchte man 5 Tage dazu.

    einklappen einklappen
  • Mrs.Suckerzwerg am 22.11.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fratzenbuch

    Was, FB, gibt's das noch? Und das wird von freiwilligen verwendet, oder ist das die neueste Strafe für Gefängnisinsassen? Schafft den Mist doch ab, und Instagram erst recht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche FR am 23.11.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Kinder nutzen bestimmt Tiktok...

    und die Mutter analysiert die Kunden der Konkurrenz. Business in realtime! Hoffentlich hocken die nicht nur vor dem Smartphone!

  • Boris am 23.11.2019 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut in euch doch mal genau an und liest das Int

    Alles was ich hier lese ist doch voller Neid. So wie es bei den Kommentaren hier aussieht scheint Mark den meisten von unseren Chefs um einige Nasenlängen voraus zu sein, was die Sozialkompetenz betrifft auf jeden Fall.

  • xxxl-bmw am 23.11.2019 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    Ich bezweifle ob diese managerin jemals kontakt mit zuckerberg hatte,nur von sehen und hören wie die meisten angestellte bei facebook

  • Rob am 23.11.2019 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Huch!

    Heute erledigt sie die Arbeit von 4 Tagen in 5 und ist dabei eine schlechte Mutter. Wow, die erste Frage und soviel Offenheit!

  • Yvonne am 23.11.2019 04:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrungen wertvoll

    Der Marc pinkelt jeden Tag in den Kantinenkaffee und freut sich, wenn dieser den Leuten auch moch schmeckt.