Anreiz für alte Fahrer

22. Juli 2014 06:02; Akt: 22.07.2014 06:02 Print

Fahrausweis weg – dafür gibts ein Gratis-GA

von Florian Meier - Die Zahlen sind klar: Rentner verursachen mehr Verkehrsdelikte als jüngere Lenker. Ein SP-Politiker will die Strassen nun sicherer machen.

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Alte Autofahrer können ein Sicherheitsrisiko sein: 5290 Fahrausweis-Entzüge wurden letztes Jahr schweizweit bei den 60- bis 69-Jährigen registriert – 1700 mehr als noch im Jahr 2008. Bei den Fahrern über 70 ist die Zahl sogar von 1930 auf 5264 Entzüge gestiegen. Der Stadtbasler SP-Politiker Otto Schmid fordert deshalb die Kantonsregierung in einem Vorstoss dazu auf, ältere Leute zu einem Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen. So sollen über 70-Jährige, die ihr Billett freiwillig frühzeitig abgeben, für ein Jahr gratis Zug und Bus in der Region fahren können, wie die «Basler Zeitung» berichtet.

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Soll der Staat Anreize setzen, damit Alte vom Auto auf den ÖV umsteigen?
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49 %
3 %
Insgesamt 9745 Teilnehmer

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher erachtet die Idee ihres Basler Genossen auch auf nationaler Ebene für prüfenswert. «Der Vorschlag kann vor allem Rentner in den Städten dazu bringen, sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie das Auto wirklich noch brauchen.» Viele Leute sähen das Auto als etwas Selbstverständliches an. «Dabei ist es ein Luxusgegenstand, über dessen Notwendigkeit man immer nachdenken sollte – gerade auch aus ökologischen Gründen.»

SVP und CVP kritisch

SVP-Politiker und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner hingegen hält von der Idee «gar nichts». Ältere Menschen müssten sich ja regelmässig auf ihre Fahrtauglichkeit untersuchen lassen, diese Massnahme reiche völlig aus. «In der Schweiz sollen alle die gleichen Rechte haben – egal, ob Jung oder Alt. Dies gilt auch für die Autofahrer.»

Auch CVP-Nationalrat Martin Candinas ist gegen eine Umsetzung der Idee auf nationaler Ebene. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Senioren. «Neben den regelmässigen Tests soll jeder selber merken, wann es Zeit ist, den Fahrausweis abzugeben.» Ausserdem zweifelt Candinas an der Durchführbarkeit. «Man müsste beinahe jedem Autofahrer über 70 ein Jahres-GA bezahlen. Dies würde riesige Kosten verursachen, die jemand bezahlen müsste.»

«Bewegungsfreiheit geht verloren»

Ausserdem könne das System ausgetrickst werden, so Candinas. «Jeder, der merkt, dass er bei der nächsten Kontrolle vermutlich nicht mehr durchkommen wird, würde den Führerschein noch schnell freiwillig abgeben.» Das würde dann dazu führen, dass beinahe jeder Autofahrer eines Tages ein GA bekommt, aber niemand deshalb seinen Ausweis früher abgibt. Zudem hat der Bündner Verständnis für Senioren, die ihr Auto lange behalten wollen. «Ich komme selber vom Land und weiss, dass mit dem Auto auch ein Teil der Bewegungsfreiheit verlorengeht.»

SP-Verkehrspolitikerin Graf-Litscher räumt ein, dass es viele Senioren gebe, die auch im hohen Alter noch fit genug seien, um Auto zu fahren. Sie sieht deshalb keinen Grund, alle Pensionierten aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich von der Strasse zu holen. Die Idee aus Basel könne für den Umweltschutz förderlich sein, glaubt die Thurgauerin. Allerdings teilt sie Candinas‘ Skepsis, was die Kosten betrifft: «Die Umsetzung wäre sehr teuer. Deshalb wäre eine solche Massnahme genauestens zu prüfen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel am 22.07.2014 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    es braucht mehr

    Super Idee. Nun braucht es nur noch eine Lösung, wie der/die Alte mit dem Rollator überhaupt zum Bahnhof kommt und wie er/sie in den Zug einsteigen kann. In den Städten vielleicht kein Problem. Auf dem Land aber sehr wohl. Einige haben tatsächlich immer wieder das Gefühl, dass Menschen fliegen können.

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  • Josef Schärli am 22.07.2014 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderner Kundenfang

    Hier will die SP per Gesetzt der Bahn neue Kunden zuhalten.

  • Grieder Alois am 22.07.2014 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und ein neues Feindbild

    Die SP hat ein neues Feindbild, Rentner die Autofahren. Zum Glück gibt es noch ein paar andere, die eine andere Weltanschauung haben - und damit ist nicht die SVP gemeint.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DaST am 23.07.2014 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das Alter ist das Problem.....

    ... sondern die Fahrpraxis und die körperliche Tauglichkeit. Diese ist unabhängig vom Alter! Ich hätte auf jeden Fall lieber Rentner auf der Strasse die regelmässig Fahren und kontrolliert werden, als junge und jüngere Mobility-Fahrer die pro Jahr hundert Kilometer zurück legen oder die jungen Gockel mit ihren getunten Autos, die ihre Hahnenkämpfe auf der Strasse ausfechten oder mit entsprechenden THC Spiegel unterwegs sind.

  • Besorgter Autofahrer am 23.07.2014 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    viel zu gefährlich

    Die über 80-jährigen sollten per Gesetz gezwungen werden ihren Führerausweis abzugeben. Sie sind nicht mehr in der Lage sich im heutigen Verkehr zurecht zu finden. Ein Beispiel: Heute auf der Autobahn, rechts alles frei nur auf der Überhohlspur ein Auto mit riesiger Kolonne dahinter. Er wechselt nur die Spur um die Ausfahrt zu erwischen. Das ganze Notabene mit knapp 80 km/h!!! Beim vorbeifahren hat sich mein Verdacht bestätigt, es war ein weisshaariger Tattergreis der total verkrampft eine handbreit hinter dem Steuer sass. Sowas gehört doch schnellstens von der Strasse.

    • Die Gast am 23.07.2014 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Telefonierend rechts überhohlt

      Naja es gibt überall schwarze Schafe. Letzhin auf der Autobahn. Überhohlspur 120km/h vor uns auf beiden Spuren Verkehr, aber wir mit vernünftigem Abstand (Bremsweg). Autofahrer rechts überholt, sich vor uns reingezwängt und dabei auch noch telefoniert. Ein vielleicht 25 Jähriger. Nach Deiner Logik sind die 25 Jährigen gefährlich und gehören weg von der Strasse, gell? Das Alter perse ist nicht das Problem und darf nicht zum Kriterium werden.

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  • Ernst Vock am 23.07.2014 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ein wichtige Frage.

    Was machen z.B. die Leute die ohne Auto gar nicht Leben können ??? Wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mit den ÖV machbar ist. Wenn der nächste Laden weit entfernt ist. Was macht so ein Mensch denn ohne sein Auto??? Hat man auch an das gedacht ??? Das ist gerade in den Bergtälern noch öfter der Fall.

    • Dave A. am 23.07.2014 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Was machten...

      ...die Leute bloss vor 50, 60 Jahren? Das Auto ist einfach die bequemste Lösung, lebensnotwendig ist es bei niemanden. Ausserdem finde ich es falsch, dass der Luxus (oder, wie du es nennst, das Leben) von nicht mehr fahrtüchtigen Rentnern höher gewichtet werden soll als das Leben der Kinder und Mitmenschen, welche durch fahrunfähige Lenker gefährdet werden. Wer gesundheitlich auf kurze Distanzen angewiesen ist, sollte zudem vielleicht nicht unbedingt in einem Bergtal hausen - und falls doch sollte man sich selbst um die damit eingebrockten Probleme kümmern.

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  • Brigitte am 23.07.2014 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    On demand

    Meine 79 jährige Nachbarin kam kürzlich und sagte sie kam mit "on demand" was ist das? frage ich. Sie sagte, das sei ein Taxi-System organisiert von der Stadt. Es kostet Fr. 5.- für eine Fahrt bis in die umliegenden Gemeinden. Das ist aber nur für Senioren in Japan.

  • Marcel Kugler am 22.07.2014 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Super, entlich mal etwas schlaues, finde ab 75/80 Jahren gehört man nicht mehr in den Strassenverkehr. oder man sollte ab 50/60 Jahren alle 5 Jahre eine Prüfung machen müssen sowie Theorie wie Praxis!