Analyse der Bahn-Verbindungen

08. Mai 2018 05:46; Akt: 08.05.2018 09:21 Print

Der unpünktlichste Zug ist 8 von 10 Mal zu spät

von Nikolai Thelitz - Fahren Sie bloss nicht mit dem Eurocity 56 von Brig nach Basel oder mit der S50 im Tessin, wenn Sie pünktlich ankommen wollen.

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Anhand von Daten zu rund 12,7 Millionen Zug-Halten von Januar bis April 2018 hat 20 Minuten analysiert, welche regelmässigen Zugverbindungen in der Schweiz am häufigsten verspätet sind oder ausfallen. Ein Zug gilt ab drei Minuten Verspätung bei der Ankunft als unpünktlich.

Auf Platz 1 der unzuverlässigsten Züge landet der Eurocity 56, der in der Schweiz die Stecke Brig-Basel bedient. Er ist in 79,1 Prozent der Fälle verspätet, Reisende in diesen Zügen kommen im Schnitt 16 Minuten und 48 Sekunden zu spät an.

Internationale Verbindungen sind oft verspätet

Weit oben auf der Rangliste landen auch der Eurocity 42 von Domodossola nach Genf, verschiedene Lokal-Verbindungen im Tessin und der TGV Nummer 9277 von Paris nach Lausanne. Betrachtet man nicht einzelne Verbindungen, sondern Zug-Linien, so schnappt sich die S50 zwischen Varese, Mendrisio und Bellinzona den ersten Platz. Auch der Intercity 6 (Basel-Brig) und die TGV-Züge in die Schweiz sind häufig verspätet.

Bei den Verbindungen zwischen den grossen Städten zeigen sich ebenfalls Unterschiede. Während der IC1 von Genf über Bern und Zürich nach St. Gallen zu 11,2 Prozent verspätet ist, sind es beim IC2 zwischen Zürich und Lugano nur 8,1 Prozent. Die Verbindung Zürich–Basel mit dem IC3 ist in 10 Prozent der Fälle verspätet. Der Interregio 70 zwischen Zürich und Luzern ist zu 8,5 Prozent verspätet, der IR15 zwischen Luzern und Genf zu 12,4 Prozent.

Die pünktlichste Zuglinie der Schweiz ist die S26 der Appenzeller Bahnen, die Bergbahn Rheineck–Walzenhausen. Von 10'144 registrierten Stopps war nur ein Einziger verspätet, am 6. April kam die Bahn in Walzenhausen um 16.20 Uhr statt um 16.11 Uhr an. Platz 2 geht an die S81 zwischen Herisau, St. Gallen und Wittenbach, sie ist nur in 0,7 Prozent der Fälle verspätet. Auf Platz 3 landet mit 1,6 Prozent Verspätung die S3 zwischen St. Gallen und St. Margrethen.

«Schweiz soll in Norditaliens Schienennetz investieren»

Das Ranking macht deutlich: Es sind Züge aus Italien, die mit den grössten Problemen zu kämpfen haben. «Das italienische Streckennetz auf Nebenstrecken ist in einem schlechten Zustand», sagt Edwin Dutler von Pro Bahn. Er sei selbst oft in Italien unterwegs, und der Zug zurück in die Schweiz sei sehr oft verspätet. «Die Italiener haben tolle Hochgeschwindigkeitszüge und -strecken zwischen den Städten, doch alles, was nördlich von Mailand passiert, interessiert sie nicht.»

Dutler sagt weiter: «Jeder neue CEO von Trenitalia verspricht Besserung, doch passieren tut nichts.» Was es brauche, sei eine finanzielle Investition in das Schienennetz in Norditalien seitens der Schweizer Regierung. «Das hat zum Beispiel bei der Strecke Zürich-München funktioniert», so Dutler. Der konkrete Bereich, in dem nachgebessert werden müsse, sei je nach Strecke unterschiedlich.

«Die SBB arbeitet mit Hochdruck an einer Verbesserung»

Laut SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sind die Verspätungen aus dem Ausland immer wieder Thema binationaler Gespräche. Im Tessin sei der Betrieb durch die neue Bahnlinie Mendrisio–Varese und den neuen Knoten Mendrisio herausfordernd. «Die SBB ist zusammen mit dem Kanton Tessin und den italienischen Partnern mit Hochdruck daran, eine Verbesserung herbeizuführen. Gerade im Süden wird der kommende Ceneri-Basistunnel auf mehreren Ebenen Entspannung bringen.»

In der Regel gebe es für die Kunden SBB-Ersatzzüge, wenn Verbindungen aus dem Ausland verspätet seien. Wichtiger als die Verspätung eines Zuges sei für die Kunden, dass sie beim Umsteigen ihren Anschlusszug erwischen würden. «Wir haben darum bei den grossen Knotenbahnhöfen einen Puffer eingeplant, so dass die Kunden auch bei leicht verspäteter Ankunft bequem weiterreisen können.»

Auch Glacier- und Bernina-Express sind oft zu spät

Auch innerhalb der Schweiz gibt es jedoch Linien mit geringer Zuverlässigkeit. Besonders oft verspätet sind der Bernina- und der Glacier-Express der Rhätischen Bahn (RhB). Letzterer landet auf Platz 2 der verspätetsten Linien. RhB-Sprecher Simon Rageth sagt, ein Grund für die Verspätungen sei die einspurige Stecke, auf der sich eine Verspätung auch auf den entgegenkommenden Zug auswirke. «Zudem hat es in der warmen Jahreszeit viele Baustellen auf den Strecken und grosse Touristengruppen sorgen beim Ein- und Aussteigen für Verspätungen.» Ausserdem könne es bei beinahe acht Stunden Fahrzeit schon mal zu einer Verspätung kommen.

Dutler von Pro Bahn führt die Unpünktlichkeiten auf die zusätzliche Belastung im Fahrplan durch die Extra- und Panoramazüge zurück. «Die Verbindungen werden in den normalen Fahrplan gepresst, das Streckennetz wird intensiver genutzt und ist anfälliger für Verspätungen.» Er sei selber Reiseleiter im Glacier- und Berninaexpress. «Die Verspätungen sind aber hier nicht so schlimm, es sind ja Freizeitgäste und Touristen, die auch mal ein paar Minuten mehr Zeit haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TinaZi am 08.05.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anders ausgedrückt: die sbb ist zu über 90% pünktl

    Warum muss immer alles so negativ dargestellt werden, nur um möglichst viele Clicks zu erhalten...!?!? Ich pendle täglich und verpasse nur ganz selten einen Anschlusszug. Die SBB ist für mich ein sehr zuverlässiges Verkehrsmittel! Danke an alle Mitarbeitenden der SBB

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  • Marc am 08.05.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Züge können nichts dafür

    Das hat nichts mit den Zügen zu tun sondern mit den Passagieren. Da gibt es den Türblockierer, den ah ich muss ja hier aussteigen, Personen die beim ein- und aussteigen kurz vor dem einschlafen sind. Erlebe ich tagtäglich.

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  • Max König am 08.05.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Und weil die Züge aus dem Ausland so häufig verspätet sind, stellt die SBB für das schweizer Teilstück meistens pünktliche Ersatzzüge bereit, damit der schweizer Kunde trotzdem eine pünktliche Verbindung hat. Die Ersatzzüge bestehen nicht immer aus dem modernsten Rollmaterial, aber sie fahren. Trotzdem ein Grund für Schweizer, darüber zu motzen, wie hässlich die Züge seien. Dass extra ein Ersatzzug fährt und ein Riesenaufwand dafür betrieben wird, damit alle zur Zeit am Ziel ankommen, interessiert eigentlich niemanden. Danke SBB und vor allem an die SBB-Mitarbeiter, dass bei uns der Bahnverkehr so zuverlässig rollt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • C.B. am 08.05.2018 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern

    Jammern auf Höchstniveau. Aber dahin wurden die ÖV-Kunden ja regelrecht gezüchtet. Und zum Thema Preise gebe ich zu bedenCken, was verdient Ihr für ein Geld im Vergleich? Das System ist völlig in Ordnung, jedoch in vielen Bereichen völlig abgehoben und überzogen.

  • Bahnfan am 08.05.2018 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EXT

    Warum wird ein Extrazug im Ranking hier angezeigt? Das macht kein Sinn, verkehrt ja nicht regelmässig. Finde den auch nicht im Fahrplan.

  • Legere am 08.05.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Büenzlihaft

    Lieber gesund ankommen als gar nicht, 5 Min hin oder her! ;) Und jetzt ein bisschen mehr Dankbarkeit und Lebensfreude, die Welt dreht sich trotzdem. ::))

  • Lokomotive am 08.05.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, sonst keine Probleme?

    Ausruf an die Schweizerbevölkerung, seit froh, dass überhaupt ein Zug kommt! Ausland und die Selbstverständlichkeit lässt grüssen! ;)

  • Fabi am 08.05.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lust auf Zug fahren!

    Tja der Preis für ständigen Wachstum, ständiges Mobilitätsgefühl und ständig alles haben wollen und nichts zahlen dafür. Ich habe zwar ein GA von der SBB, brauche es gerade aber nur für die Arbeit und wenn es hoch kommt für zwei Hin- und Rückfahrten nach Basel. Als zusätzliche Einnahme versteuere ich es auch, aber gerne Ausflüge machen, das mache ich schon lange nicht mehr, da sind mir die Züge zuvoll oder eben auch zuspät und den Ärger muss ich nicht noch in der Freizeit haben! Das damit dem Land eigentlich auch Einnahmen entgehen, durch nicht konsumieren! Selbst Schuld!