Video aus Frauenfeld

18. Oktober 2019 10:43; Akt: 18.10.2019 11:40 Print

Diese Art der Zahnziehung ist nicht zu empfehlen

Ein Video zeigt, wie ein Fahrlehrer aus Frauenfeld seiner Tochter auf kreative Art und Weise einen wackeligen Milchzahn zieht. Zahnärzte raten davon ab.

So hat Thimo Arnold seiner Tochter Selina den Zahn raus gezogen. (Video: J. Ullrich/ T. El Sayed)
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Obwohl die meisten Milchzähne ab dem Alter von etwa sechs Jahren durch kräftiges Wackeln oder einen beherzten Biss ins Bürli von alleine rausfallen, bitten viele Kinder ihre Eltern um Hilfe. Dass dabei der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, zeigt nun Fahrschullehrer Thimo Arnold aus Frauenfeld.

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Der 34-Jährige befestigte den Milchzahn seiner 10-jährigen Tochter kurzerhand an einem Strick und macht ihn am Fahrschulauto fest, wie auf dem Facebook-Video zu sehen ist. Dann gibt er Gas und der Milchzahn fliegt wortwörtlich aus dem Mund des Kindes. Das Video teilte er auf seiner offiziellen Facebook-Seite. «Kennen wir nicht alle diese Probleme im Alltag? Unsere Fahrschule kann dir in vielen Lebenslagen helfen», steht über dem Video-Clip geschrieben.

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«Es ging ganz schnell und tat gar nicht weh»

Fake zu PR-Zwecken oder nicht? «Es ist absolut echt», beteuert Thimo Arnold gegenüber 20 Minuten. Er habe nach einem Weg gesucht, wie er den Milchzahn möglichst rasch entfernen könne. «Ich mag es nicht, wenn ich mit meinen grossen Händen in ihrem kleinen Mund herumstochern muss», so der 34-Jährige. Da er den Zahn nicht mehr von Hand entfernen wollte, sei ihm die Idee gekommen, Beruf und Privates zu verbinden. Doch ist es nicht verwerflich, dass die eigene Tochter dafür hinhalten muss? «Nein. Sie war von der Idee von Anfang an begeistert und hat die Aktion auch toll gefunden», sagt der Fahrlehrer.

Fahrlehrer zieht Tochter Zahn mit Auto raus

Er habe vier Versuche gebraucht, bis der Strick endlich am Zahn gehalten habe. «Das war eigentlich das Schwierigste. Das Ziehen an sich verlief recht schnell und schmerzlos.» Dem stimmt auch Tochter Selina zu: «Es ging ganz schnell und tat gar nicht weh.» Die 10-Jährige sagt zu 20 Minuten, dass sie sich noch einmal auf diese Art und Weise einen Zahn ziehen lassen würde und präsentiert stolz ihre Zahnlücke.

Hohes Verletzungs- und Infektionsrisiko

Doch nicht alle finden die Aktion des Fahrlehrers so cool wie seine Tochter. Zahnärzte raten davon ab, einen Zahn so herauszureissen. «Diese Art der Milchzahnentfernung ist völlig abzulehnen», findet etwa Christoph Epting, SSO-Zahnarzt mit eigener Praxis in der Stadt Basel. Das Verletzungs- und Infektionsrisiko sei bei einer solchen Methode enorm.

Auf YouTube kursieren Hunderte Videos, die Eltern bei den kuriosesten Entfernungsversuchen zeigen. Von Nerf-Pistole bis Velo ist alles dabei. Doch auch von diesen Methoden hält der Zahnarzt nichts. «Die unsachgemässe Methode mit dem Faden ist nicht aus den Köpfen der Bevölkerung zu kriegen», so Epting. Eine der dümmsten Arten einen Milchzahn zu entfernen, ist laut Epting, ein am Zahn angebrachtes Gewicht aus grosser Höhe hinunterzuwerfen. Dies sei äusserst gefährlich, da der Vorgang nicht unterbrochen werden könne, wenn etwas schief laufe.

«Hätte sie sich unwohl gefühlt, hätte ich sofort gestoppt

Stattdessen empfiehlt Epting, dem Kind einen klebrigen zuckerfreien Kaugummi zu geben und darauf zu spekulieren, dass der Zahn daran kleben bleibt. «Alternativ kann man den lockeren Zahn zu Hause auch mit einem sauberen Tüchlein umfassen, um ihn entschlossen rauszuziehen», so der Zahnarzt.

Fahrlehrer Thimo Arnold teilt die Meinung des Experten nicht: «Wenn sich meine Tochter den Zahn selbst ‹rausgewackelt› hätte, wäre das Infektionsrisiko wegen ihren schmutzigen Händen mindestens genauso hoch.» Auch, dass er seine Tochter in Gefahr gebracht hätte, will sich der Vater von zwei Mädchen nicht vorwerfen lassen. «Meine Frau war dabei und hat alles aus direkter Nähe überwacht. Wäre etwas nicht nach Plan gelaufen oder hätte sich Selina kurzfristig umentschieden, hätte sie sofort eingreifen können.»

(juu)