Tamedia-Umfrage

29. August 2018 05:41; Akt: 29.08.2018 07:07 Print

Frauen und Männer sind sich bei Fair Food uneins

Bei der Fair-Food-Initiative sind sich Männer und Frauen nicht einig: Während 63 Prozent der Frauen Ja stimmen wollen, lehnen Männer die Vorlage mehrheitlich ab.

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Nach dem guten Start schmilzt der Vorsprung der Befürworter der beiden Agrarinitiativen. So wollen laut der zweiten Tamedia-Umfrage nur noch 55 Prozent der Fair-Food-Initiative zustimmen – das sind 9 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Befragung Anfang August. Die Initiative verlangt, dass der Bund das Angebot an naturnahen, tierfreundlichen und fair produzierten Lebensmitteln fördert.

Ähnlich ist der Trend bei der Initiative «Für Ernährungssouveränität», die aus dem Umfeld der Bauerngewerkschaft Uniterre stammt und unter anderem für «gerechte» Löhne für die Bauern sorgen will. Dem Volksbegehren wollen laut der Tamedia-Umfrage noch 53 Prozent zustimmen. 43 Prozent lehnen sie derzeit ab. 4 Prozent machten keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Laut der Umfrage dürften beim Thema in vielen Haushalten die Fetzen fliegen: Die Fair-Food-Initiativen ist vor allem bei den Jungen und den Frauen populär. Während 63 Prozent der Frauen die Fair-Food-Initiative annehmen wollen, sind es nur 48 Prozent der Männer – eine Differenz von 15 Prozentpunkten. Die Initiative «Für Ernährungssouveränität» wiederum lehnen nur 33 Prozent der Frauen ab, während es bei den Männern 51 Prozent sind.

«Gegenkampagne zeigt Wirkung»

Für Walter Müller, FDP-Nationalrat und Mitglied des Komitees gegen die Agrarinitiativen, zeigen die Resultate, dass die angerollte Gegenkampagne bereits wirkt: «Beide Initiativen haben wohlklingende Titel. Jetzt befassen sich die Leute mit dem Inhalt und merken, dass sie einen bürokratischen Kontrollapparat bringen – sozusagen eine Verstaatlichung der Ernährungsbranche.»

Dass die Agrarinitiativen bei den Frauen populärer sind, überrascht Müller nicht: «Sie machen häufiger den Einkauf und haben eine grosse Affinität zu gesunden Lebensmitteln aus der Region.» Frauen seien eben ein wenig emotionaler und hätten ein Herz für Tiere. Aber: «Jetzt müssen wir den Frauen erklären, dass die beiden Initiativen ihre Erwartungen nicht erfüllen werden. Rational gesehen führen die Initiativen nicht zu gesunden Lebensmitteln, die auch noch erschwinglich sind.»

«Frauen tragen Umwelt und Tieren Sorge»

Maya Graf, Grünen-Nationalrätin und Co-Präsidentin der Fair-Food-Initiative, widerspricht: «Wirtschaft und bürgerliche Parteien führen eine irreführende Angstmacherkampagne, indem sie vor massiv teureren Lebensmitteln warnen. Die Lebensmittel im Inland werden nicht teurer und bei den Importen sind die Margen bei Handel und Verarbeitungsindustrie heute extrem hoch. Das ist ein Hohn für die Konsumenten.» Mit einem Budget von 300’000 Franken könne man mit der Gegenkampagne schwer mithalten. «Es ist aber schön, dass die Leute weiter für umweltfreundliche und faire Lebensmittel einstehen und wir in Führung liegen.»

Die Umfrage bestätige, dass das Anliegen bei Jüngeren und Frauen einen Nerv treffe: «Die Jungen kochen und gärtnern wieder zusammen, machen sich Gedanken über die Ernährung und den Klimaschutz.» Die hohe Zustimmung bei den Frauen überrascht sie nicht: «Wir Frauen setzen uns mehr mit dem Essen auseinander, auch beim täglichen Einkauf.» Es sei bekannt, dass Frauen Umwelt und Tieren stärker Sorge tragen würden und affiner gegenüber sozialen Themen seien.

Zur Umfrage

9415 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 25. und dem 27. August online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 23. September teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

(daw)