Staatsanwaltschaft Wien

15. Oktober 2014 08:27; Akt: 15.10.2014 19:08 Print

Fake-Anrufer räumten bei Schweizer Quizshows ab

Die Wiener Behörden ermitteln wegen schweren Betrugs bei TV-Quizshows. Statt Zuschauern sollen Fake-Anrufer abkassiert haben. Auch Schweizer Shows sind betroffen.

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Bei der Sendung «Swissquiz», die auf Schweizer TV-Sendern lief, soll betrogen worden sein.

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TV-Quizshows sind in der Schweiz immer wieder in Verruf geraten. Jetzt folgt ein neuer Vorwurf: Statt reale Zuschauer sollen mehrere Call-in-Shows Fake-Anrufer in die Sendung durchschalten, die den Gewinn dann als vermeintlich echte Kandidaten abräumen. In Wahrheit läuft das Spiel jedoch anders. Die Anrufer werden vorab über die richtige Antwort informiert. Vom Gewinn durften sie 500 Euro behalten, den Rest mussten sie wieder abgeben, schreibt der österreichische «Standard». Zuschauer, die ihr Glück versuchten, blieben hingegen in der Warteschlaufe hängen.

Ziel der Aktion sei es, die Anruferzahlen in die Höhe zu treiben. Als Drahtzieher wird ein Deutscher mit den Initialen S. M.* vermutet. Er soll bereits 2004 mit der Masche begonnen haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Wien drei Personen verhaftet, die in die Machenschaften involviert sein sollen – darunter auch S. M. Bisher vernommene Fake-Anrufer hätten zugegeben, von Mai 2004 bis Juli 2005 über 360'000 Euro an Scheingewinnen einkassiert zu haben, berichtet die Zeitung weiter.

Zuschauer systematisch ausgetrickst

Die Ermittler haben in diesem Zusammenhang auch Schweizer Quizsendungen im Visier. M. habe einer Show seine Hilfe angeboten, mit der er die Zahlen «nach oben prügeln wird, mit allen Mitteln», heisst es laut dem «Standard» im Haftbefehl. In einem Chat hätten die Fake-Anrufer dann Anweisungen bekommen. Nicht alle mussten glückliche Gewinner spielen. Manchmal sollten sie falsch antworten oder auflegen, ohne etwas zu sagen. Selbst Stimmverzerrer seien zum Einsatz gekommen, weil Kritikern die Ähnlichkeit der Gewinnerstimmen aufgefallen war.

Bei einer der betroffenen Schweizer Quizsendungen handelt es sich um die Show «Swissquiz». Die Sender 3+ und Star TV stellten sie jedoch 2010 ein, nachdem das Bundesgericht entschieden hatte, dass diese gegen das Lotteriegesetz verstösst. Immer wieder hatte die Show für heftige Kritik gesorgt. Produziert wurde sie damals von der Wiener Mass Response Services. Eine Ex-Mitarbeiterin erzählte 2008 in der SRF-Sendung «Kassensturz», wie Zuschauer systematisch ausgetrickst würden.

Klarstellung
Die Firma, die für Star TV bis im September die Sendung «Quizexpress» produzierte, legt Wert auf die Feststellung, dass sie von den Ermittlungen nicht betroffen ist.

(vro)