In eigener Sache

05. März 2020 04:45; Akt: 05.03.2020 04:45 Print

Fake News über Corona-Fälle kursieren an Schulen

An einzelnen Schulen sorgen gefälschte Artikel über Corona-Erkrankungen für Verunsicherung. Eine Kanti will nun den Urheber ausfindig machen.

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Derzeit kursieren in Whatsapp-Chats Fake News, die aussehen, wie echte Artikel von 20 Minuten. Darin wird über vermeintliche Corona-Erkrankungen an Schulen geschrieben. Auch gefälschte Links kursieren in den Chats. Diese führen nicht auf weitere Informationen, sondern meist nur auf Memes oder lustige Bilder. Die gefälschten Nachrichten sind von echten 20-Minuten-Meldungen kaum zu unterscheiden. Die gefälschten Meldungen sind teilweise auch auf Instagram zu finden. Mit dem Coronavirus sind viele wenig geläufige Begriffe Teil unseres Alltagsvokabulars geworden. Das steckt dahinter. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders . Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosol (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterscheide gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild:Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Beeinflussung und Verunreinigung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationzeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptma», was so viel wie «vorübergehende Eigentümlichkeit» bedeutet. Auch der Begriff Syndrom stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndrom», der so viel wie «zusammenlaufen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl neutrum als maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» so viel wie «natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft» heisst. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen. Am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Erster Fall an Zürcher Kantonsschule» – «Schüler an Kantonsschule am Brühl positiv auf Coronavirus getestet!». Solche Meldungen kursieren derzeit in Whatsapp-Gruppen. Verbreitet werden sie von Berufs- und Mittelschülern in mehreren Kantonen. Die Nachrichten sehen täuschend echt nach Newsticker-Meldungen oder Artikeln von 20 Minuten aus.

Umfrage
Sollten die Schulen wegen des Coronavirus geschlossen werden?

Ein Schüler der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur hat die Meldung über einen vermeintlichen Corona-Fall an der Kanti Zürich Nord (KZN) in einem Whatsapp-Chat erhalten. «Das Coronavirus ist derzeit Dauerthema. Vermutlich sind so ein paar Schüler so auf die Idee mit den Fake News gekommen, in der Hoffnung, dass er Unterricht gestrichen wird», sagt der 19-Jährige.

Rektor mit erfundenen Aussagen «zitiert»

Die falsche Meldung hat die Empfänger verunsichert. So sagt der 18-jährige Jean, der früher selber an die KZN ging: «Ich habe mich sofort bei Kollegen erkundigt, wer erkrankt sei und wie schlimm es sei.» Er sei froh gewesen, als die Meldung sich als Fake herausgestellt hat. Auch seine Kollegin Helena sei erst verunsichert gewesen, da sie gleich neben der KZN wohne.

Auch Andreas Niklaus, Rektor der Kantonsschule Zürich Nord, ärgert sich über die Aktion: «Wir befanden uns am Dienstag gegen Mittag gerade in einer Schulleitungssitzung, als zwei Lehrpersonen und ein Schüler ins Büro kamen», sagt er. Sie seien verunsichert gewesen und hätten sich erkundigt, was sie nun tun sollten. Als Niklaus die Artikel las, fand er darin sogar seinen eigenen Namen: «Ich wurde mit frei erfundenen Aussagen im Artikel zitiert.»

Er habe sich daraufhin sofort mit der Redaktion von 20 Minuten in Verbindung gesetzt. Schnell sei klar geworden, dass es sich um Fakes handle: «Mir wurde versichert, dass ich nie zitiert werden würde, wenn die Redaktion nicht vorher mit mir gesprochen hat. Auch waren die Artikel auf der offiziellen Website von 20 Minuten nirgends auffindbar.» Niklaus habe daraufhin alle Lehrer und Schüler per E-Mail informiert, dass die Artikel nicht der Wahrheit entsprechen.

Schulleitung will Urheber ausfindig machen

Auf den Unterricht habe der Vorfall keine Auswirkungen gehabt, sagt Niklaus. «Dennoch ist es natürlich sehr ärgerlich, wenn in der angespannten Situation mit solchen Aktionen Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern zusätzlich verunsichert werden.» Der Schulleitung sei es deshalb ein Anliegen, die Urheber der gefälschten Artikel ausfindig zu machen und zur Rede zu stellen. «Entsprechende Abklärungen sind im Gang.»

Unterricht geht wie geplant weiter

Auch an der gibb Berufsfachschule Bern sind Fake News im Umlauf: «Wir haben bereits letzten Freitag erstmals von gefälschten Mitteilungen über Coronavirus-Fälle an unserer Schule gehört», sagt der stellvertretende Schuldirektor Hans Hofer. «Die Lehrerschaft wurde von uns nach intensiver Abklärung darüber informiert, dass es an unserer Schule keine Coronavirus-Fälle gibt und es sich um einen schlechten Scherz handelt.»

Vereinzelt seien Schüler verunsichert gewesen und hätten Fragen gestellt. «Da wir innerhalb von einer Stunde reagieren konnten, hat sich die Aufregung aber schnell gelegt und der Unterricht konnte weitergehen.» Wer die Fake News in Umlauf gebracht hat, weiss Hofer nicht.

Screenshots von Artikeln auf Newsportalen wie 20 Minuten lassen sich mit entsprechendem Knowhow manipulieren. Die Redaktion rät, bei weitergeleiteten Screenshots misstrauisch zu sein. Sicher ist, wer die Website von 20 Minuten im eigenen Browser oder die App aufruft. Bist du bei einer Meldung unsicher, ob es sich um Fake News handelt, kannst du die Redaktion via Whatsapp kontaktieren (076 420 20 20).

Marken und Logo von 20 Minuten sind rechtlich geschützt. Die TX Group behält sich bei Verstössen rechtliche Schritte vor.

(dgr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rollo am 05.03.2020 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger

    Das sind die Auswirkungen des Medienhyps. Weniger und sachlicher wäre mehr.....

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  • tobson am 05.03.2020 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit

    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. Albert Einstein

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  • F.B. am 05.03.2020 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    unnötig und "dumm"

    Es ist bedenklich, dass sich gewisse Leute durch das Verbreiten von Falschmeldungen einen Vorteil erhoffen oder erschaffen wollen. In Anlehnung an Art. 258 StGB wäre zu prüfen, inwiefern solche Meldungen auch strafrechtlich relevant sind. Jedenfalls haben diese Leute, sollten sie denn Schüler oder Schülerinnen an Kantonsschulen/Gymnasien sein, bewiesen, dass sie für eine akademische Laufbahn charakterlich nicht geeignet sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Darius Rickli am 05.03.2020 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Corona Virus

    Darius aus Basel hallo liebe Leute Wir wissen alle dass der Corona Virus sehr gefährlich ist. Ich informiere euch bitte seid vorsichtig zu dem Geld,scheine und Münzen. Es kann sein dass die vieren tranzportiert werden. Liebe grüsse aus Basel

  • Claudi am 05.03.2020 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dämmliche Leute

    Vorsicht. Im moment werden von dummen Leuten die daran wohl Spass haben, immer wieder Fake News verbreitet. Dies ist letzte Woche auch bei uns an der Tankstelle passiert. Wir hatten am Donnerstag bis nach Mittag ca. 15. Uhr geschlossen, wegen Inventar und Pächterwechsel. Da hat doch tatsächlich einer (mit Foto vom Eingang) schon per Whatsup verbreitet, das es bei uns geschlossen ist wegen Corona Virus. Wir fanden es nicht lustig und ganz frech auch noch mit Foto!!!

  • Kira am 05.03.2020 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst denken schmerzt nicht

    Diese Meldungen sind das eine. Das andere ist, seit es Internet gibt, googlet man nur noch. Keiner hinterfragt mehr eine Meldung. Alles wird für echt und bare Münze genommen. Selbst Zeitungen bringen Artikel wo man sich fragt was das soll . Lernt endlich wieder alles zu hinterfragen und selbst zu denken. Googelt nicht jeden Mist sondern hört auf euer Bauchgefühl. Kann das sein? , müsste eigentlich die Frage sein, die man sich täglich mehrmals stellen muss. Wie heisst es so schon? Papier ist geduldig.

  • sämu am 05.03.2020 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    unverantwortlich

    Warum werden schulen erst geschlossen, wenn ein infizierter entdeckt wird? Dann ist es doch längstens zu spät und das virus ist verbreitet!

  • Jänzena am 05.03.2020 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eines ist sicher....

    es gibt Menschen in diesem Land ,die haben noch nicht begriffen wie ernst die Lage ist!