31. Oktober 2005 12:22; Akt: 31.10.2005 12:39 Print

Fall Sabo beschäftigt die Kirche seit über drei Jahren

Der Fall des aufmüpfigen Priesters Franz Sabo ist in den Medien seit einem halben Jahr ein Thema, das Bistum Basel beschäftigt er schon seit über drei Jahren.

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Hier die wichtigsten Entwicklungen:

1998: Der deutsche Priester Franz Sabo wird in Röschenz BL als Pfarradministrator von der Kirchgemeinde angestellt.

Frühling 2002: Ein nicht aus Röschenz stammender Mann bezichtigt bei der Beratungsstelle gegen sexuelle Übergriffe der Diözese in Solothurn Sabo pädophiler Neigungen. Die Bistumsleitung lässt darauf Sabo psychiatrisch begutachten, zeigt ihn aber nicht an.

August 2003: Franz Sabo greift in der «Basler Zeitung» Bischof Kurt Koch an wegen dessen Weisung, künftig keine dispensierten Priester mehr als Gemeindeleiter einzusetzen. Auch in Gottesdiensten kritisiert er die Kirchenoberen. Nach einer Aussprache belässt Koch den Pfarradministrator im Amt.

September 2003: Über Sabos psychischen Zustand werden ein vom Bistum bestelltes Gutachten, ein von Sabo gefordertes Gegengutachten und schliesslich ein von beiden Seiten in Auftrag gegebenes Obergutachten erstellt. Sabo wird darin von den Pädophilievorwürfen entlastet.

Oktober 2004: Der Mann, der Sabo bereits bei der Bistumsleitung angeschwärzt hat, zeigt Sabo bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt an. Das Verfahren wird aber Ende Januar 2005 mangels Beweisen eingestellt.

Dezember 2004: Sabo tituliert den Generalvikar Bernhard Trauffer öffentlich als «gefühlsarmen Dr. Apparatschik».

18. März 2005: Das Bistum Basel kündigt an, Franz Sabo die Missio canonica (Amtsbefugnis) per Ende September zu entziehen - wegen offensichtlicher Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses.

12. April 2005: Die römisch-katholische Kirchgemeinde Röschenz beschliesst einstimmig, Sabo entgegen bischöflicher Anordnung nicht zu entlassen. Die Baselbieter Landeskirche kündigt eine Vermittlungsaktion an.

28. Mai 2005: Eine Röschenzer Delegation bittet Bischof Koch, den Entzug der Missio canonica für Sabo auf Bewährung auszusetzen und eine einvernehmliche Lösung anzustreben. Doch Koch bleibt hart und fordert Loyalität ein.

2. Juni 2005: Die Synode der römisch-katholischen Landeskirche Baselland gibt beim Basler Rechtsprofessor Felix Hafner ein Gutachten über offene Rechtsfragen im Fall Sabo in Auftrag.

Juli/August 2005: Gespräche zwischen Koch, Sabo und dem Kirchgemeinderat von Röschenz bringen keine Lösung.

1. Oktober 2005: Der Entzug der Missio canonica wird wirksam. Für Sabo soll in den nächsten sechs Monaten dessen Heimatbistum, die Erzdiözese Bamberg, zuständig sein. Sabo zelebriert weiterhin Messen und spendet Sakramente.

21. Oktober 2005: Die Kirchgemeindeversammlung von Kleinlützel SO beschliesst, Sabo weiterhin als Aushilfs-Seelsorger zu beschäftigen.

24. Oktober 2005: Bischof Koch suspendiert Sabo definitiv.

25. Oktober 2005: Die Kirchgemeinde Röschenz macht die Affäre um die Pädophilievorwürfe öffentlich und verlangt von der Bistumsleitung die Rehabilitierung Sabos. Die Affäre sei für den Entzug der Missio canonica nicht massgeblich gewesen, erklärt Generalvikar Trauffer.

31. Oktober 2005: Die Landeskirche Basel-Landschaft beschäftigt sich an einer ausserordentlichen Synode mit dem Fall.

(sda)