Lawinenwochenende

26. Dezember 2011 22:11; Akt: 26.12.2011 22:44 Print

Familie befreit sich selbst aus Lawine

In den vergangenen Tagen wurden mehrere Menschen von Lawinen verschüttet. Im Bündnerland starb ein 54-Jähriger. Andere hatten mehr Glück und konnten sich aus den Schneemassen befreien.

storybild

Am Weihnachtswochenende musste die Rega zahlreiche Einsätze fliegen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Besonders tragisch war ein Unglück im Bündnerland. Zwei Begleiterinnen gruben einen Verschütteten zwar aus, konnten aber die Rettungskräfte nicht alarmieren - sie hatten keinen Handyempfang, und in der Berghütte versagte das Festnetz.

Das Unglück im Val Bever nahm seinen Lauf am Freitagnachmittag, als das Trio vom Julierpass mit Tourenskis in Richtung Jenatschhütte unterwegs war, um die Hütte für erwartete Gäste vorzubereiten.

Der 54-jährige Mann wollte einen Hang wegen der Lawinengefahr alleine traversieren und wies seine Begleiterinnen an zu warten, wie die Kantonspolizei Graubünden mitteilte. In der Traverse löste sich eine Lawine und verschüttete den Mann. Wegen fehlenden Handyempfangs konnten die Frauen keine Hilfe anfordern.

Als sie den Mann freischaufelten, gab er bereits keine Lebenszeichen mehr von sich. Eine der Frauen versuchte danach, von der Jenatschhütte aus per Festnetz Hilfe zu rufen. Auch dort funktionierte das Telefon nicht - vermutlich wegen der starken Schneefälle der Vortage.

Erst als am Samstagabend die Ehefrau des Verunglückten die Polizei alarmierte, prüfte die Rega einen Suchflug. Dieser konnte wegen des Wetters jedoch erst am Weihnachtsmorgen durchgeführt werden. Das Rettungsteam barg den Mann und holte die beiden Frauen aus der Jenatschhütte.

Familie befreit sich selbst

Glimpflicher verliefen andere Lawinenniedergänge: Am Stephanstag geriet in Verbier VS eine vierköpfige Familie beim Skifahren ausserhalb der markierten Skipiste in eine Lawine. Die Eltern und zwei Kinder wurden mitgerissen, konnten sich aber selbst aus dem Schnee befreien. Sie blieben unverletzt.

Die Lawine löste sich am Monte Gele auf einer Höhe von rund 2900 Metern über Meer, wie die Walliser Kantonspolizei mitteilte. Nach dem Niedergang suchten Rettungskräfte mit Suchhunden nach möglichen weiteren Verschütteten. Niemand wurde gefunden. Das 16-jährige Mädchen und der 14-jähriger Knabe wurden zur Kontrolle ins Kantonsspital Sitten geflogen.

Ebenfalls unverletzt blieben zwei Variantenskifahrer, die am Freitagmittag im Skigebiet von Scuol GR von einer Lawine erfasst wurden. Gemäss Polizeiangaben fuhren die beiden Männer im Alter von 21 und 20 Jahren zur Bergstation Clünas und von dort weiter in Richtung Piz Clünas. Als sie sich rund 100 Meter unterhalb des Gipfels befanden, löste sich eine Lawine.

Viel Glück im Unglück

Der 20-Jährige wurde von den Schneemassen erfasst und komplett verschüttet. Sein Begleiter alarmierte die Rega und begann den Verschütteten zu suchen. Mit einem Suchgerät konnte er ihn sehr schnell orten und damit beginnen, ihn freizuschaufeln. Die Rega flog die beiden Schneesportler zur Kontrolle ins Spital Scuol.

Ebenfalls Glück im Unglück hatte ein Variantenfahrer, der im Engadin unterwegs war. Wie die Rega am Montag mitteilte, geriet er im Val Schlattain in ein Schneebrett. Er aktivierte seinen Airbag und konnte sich schliesslich so weit befreien, dass er die Rega alarmieren konnte. Die Rettungscrew ortete den unterkühlten Touristen dank Handykontakts und flog ihn zur Kontrolle ins Spital.

Auch ein Teenager in Leysin VD konnte rechtzeitig gerettet werden. Der Skifahrer fuhr abseits der markierten Piste und blieb in einem Gebüsch hängen - gleich neben einer 30 Meter hohen Felswand. Einsatzkräfte verschiedener Rettungsdienste konnten ihn aus seiner misslichen Lage befreien. Sein genaues Alter war nicht bekannt, laut Rega ist er jedoch unter 18-jährig.

Erhebliche Lawinengefahr

Die Lawinengefahr nimmt laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) auf den Dienstag hin leicht ab. In Teilen der Alpen ist sie aber weiterhin erheblich. Das entspricht der dritten von fünf Gefahrenstufen.

Die Triebschneeansammlungen der letzten Tage könnten durch einzelne Personen ausgelöst werden. Auf Mittwoch hin dürfte die Lawinengefahr nochmals etwas abnehmen.

(sda)