Familie schlägt im TV Alarm

20. Februar 2020 04:50; Akt: 20.02.2020 09:33 Print

Wird 27-Jährige im Wallis von Partner eingesperrt?

von Qendresa Llugiqi - Via eine albanische TV-Sendung wendet sich die Familie von E. I. (27) an die Öffentlichkeit. Eine Tochter werde in der Schweiz von ihrem Partner und seiner Familie misshandelt.

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E. I.* (27) zog im Juni 2012 aus Albanien in die Schweiz, um hier mit ihrem Partner V. A.* – einem Roma aus Kosovo – zusammenzuleben. Seither soll die Mutter von drei Kindern durch die Hölle gehen. Wie ihre Mutter Z. I.* und ihre Schwester F. I.* am Dienstag in der Sendung «Pa gjurmë» (auf Deutsch: ohne Spur) des albanischen Senders Report TV berichteten, soll die junge Balkan-Ägypterin (Anm. d. Red.: Balkan-Ägypter bilden eine Teilminderheit der südosteuropäischen Roma) von ihrem Partner und seinem Bruder unter anderem misshandelt werden. Auch werde E. gegen ihren Willen zu Hause festgehalten, ihr Pass sei ihr weggenommen worden. Weiter gibt die Schwester an, dass der Verdacht bestehe, dass die junge Frau vom Vater ihres Lebensgefährten sexuell missbraucht worden sei.

Zu 20 Minuten sagt die Mutter von E., dass es für ihre Tochter ziemlich rasch nach ihrem Umzug in die Schweiz in der arrangierten Beziehung bergabgegangen sei: «Zuerst schienen sie eine ganz normale Familie zu sein, doch dann zeigten sie ihr wahres Gesicht. Beispielsweise zerschmetterte der Lebensgefährte nach nur drei Monaten einen Fernseher auf dem Kopf meiner Tochter.»

Mutter hofft, dass Schweizer Behörden aktiv werden

Nach Ausstrahlung der Sendung habe sich E., die in einer Walliser Gemeinde wohnhaft ist, bei ihrer Familie gemeldet, so die Mutter. «Meine Tochter war froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben und hofft, dass bald alles gut wird. Sie steht hinter der Sendung; sie wusste ja, dass ich etwas in die Wege leiten werde, um ihr zu helfen.» Die Mutter habe keine andere Lösung gesehen, als sich an die Öffentlichkeit zu wenden: «Ich habe niemanden in der Schweiz, der mir helfen könnte. Auch fehlt es mir an Mitteln, um in die Schweiz zu reisen.»

Laut der Mutter hat sich auch die Familie von E.s Lebensgefährten bei ihr gemeldet. «Sie beschimpfen uns. Ihr Partner fragte sogar, wieso wir statt den anderen Fotos kein Foto veröffentlicht hätten, wo er Sex mit unserer Tochter habe. So respektlos!» Nun hoffe die Mutter, dass die «Schweizer Behörden endlich aktiv werden und E. aus ihrer misslichen Lage» befreien.

«Sie konnte schon immer tun, was sie wollte»

Der Bruder des Lebensgefährten von E., F. A.*, der in der Sendung als Haupttäter bezeichnet wird, zeigt sich gegenüber 20 Minuten entsetzt über die Aussagen: «Mit diesen Lügen zerstören sie mein Leben, sie nehmen uns unser Gesicht. Wie können sie nur etwas behaupten, das nicht rechtens ist.» Gemäss seinen Aussagen gibt es zwischen E. und ihrem Lebensgefährten momentan zwar Schwierigkeiten, das Paar sei jedoch noch zusammen und lebe mit den Kindern in der gemeinsamen Wohnung. Ausserdem könne sich E. frei bewegen: «Sie konnte schon immer tun, was sie wollte.»

Die Vorwürfe, dass er E. bedroht und misshandelt haben soll, weist F. A. zurück. «Es stimmt zwar, dass es zwischen uns Diskussionen gab, ihr gedroht oder zugeschlagen habe ich aber nie.» Auch sei es eine Lüge, dass sein Vater E. Anfang Jahr sexuell missbraucht haben soll, wie die Schwester von E. in der Sendung angibt. «Wieso sollte mein Vater so etwas tun?»

Polizei führt Ermittlungen

20 Minuten wollte am Mittwoch mit E. telefonieren. Gemäss F. A. konnte der Kontakt jedoch nicht hergestellt werden, da sie am späten Nachmittag von der Polizei abgeholt worden sei.

Auf Anfrage wollte die Walliser Kantonspolizei dazu keine Auskunft geben. Aber: «Ausgehend von Hinweisen tätigt die Kantonspolizei derzeit sogenannte Vorermittlungen um festzustellen, ob in dieser Angelegenheit strafbare Handlungen begangen wurden beziehungsweise vorliegen.»

*Namen der Redaktion bekannt