Neues Bewertungssystem

21. Dezember 2016 16:55; Akt: 21.12.2016 16:55 Print

Farben statt Noten für Primarschüler

von Laly Zanchi - Viele Schweizer Schulen überarbeiten ihre Notensysteme. Eine St. Galler Primarschule hat nun Noten durch Kommentare und Farbcodes ersetzt.

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An vielen Schweizer Schulen wird an neuen Notengebungssystemen getüftelt. So wird in mehreren Kantonen darüber diskutiert, die Noten eins und zwei abzuschaffen. Noch mal einen anderen Weg schlägt die Primarschule Rotmonten in St. Gallen ein: Sie verteilt über das Semester keine Prüfungsnoten, sondern versieht die Blätter der Kinder mit einer Farbe und einem Kommentar, welche ausdrücken, wie gut die gestellten Aufgabe gelöst wurden. Die Farben sollen die verschiedenen Wachstumsstufen einer Blume darstellen, berichtete das «St. Galler Tagblatt». Braun stehe für die Wurzeln und damit für: «Das ist dir noch nicht gelungen». Über Grün und Orange klettert das Kind dann die Blume hinauf – Gelb steht für eine besonders gute Leistung. Jürg Brühlmann, Leiter der pädagogischen Arbeitsstelle des Lehrerverbands, sieht die Farben und Blümchen als eine altersgemässe Methode, um der Einschätzung von Kompetenzen Form zu geben. «Natürlich brauchen Kinder solche Spielereien nicht unbedingt, um die Bewertung zu verstehen, doch es macht ihnen auch Freude.» Er bezweifelt auch den Nutzen von reinen Zahlennoten: «In den 70ern und 80ern hat man Noten an vielen Primarschulen abgeschafft und erst in den letzten Jahren aus politischen Gründen wieder eingeführt», sagt Brühlmann. Den Kindern sei es danach nicht viel besser oder schlechter ergangen. Zahlennoten hätten an sich auch keine absolute Aussagekraft: «Wenn Sie die ein und dieselbe Matheprüfung drei verschiedenen Lehrern zur Bewertung abgeben, bekommen Sie drei verschiedene Noten zurück.» Für Brühlmann ist darum nach wie vor das Gespräch mit der Lehrperson das wichtigste Bewertungsinstrument, um zu verstehen, wo besser gelernt werden kann. Alt-Nationalrat Ulrich Schlüer (SVP), Bildungspolitiker alter Schule, ist von alternativen Benotungssystemen wenig begeistert: «Dem Kind Misserfolge ersparen zu wollen, ist kontraproduktiv.» Lernen, mit diesen umzugehen, gehöre ebenfalls zum Reifeprozess. «Aus meiner Erfahrung wollen Kinder auch etwas haben, wonach Sie ihre Leistungen messen können», sagt Schlüer. Die Einschätzung, wonach eine Bewertung über Farben und Blümchen kindergerechter sei, teilt Schlüer auch nicht: «Dem Kind nach einer schlechten Note zu sagen: Das musst du besser machen, ist mindestens genauso kindergerecht wie Farben und Blümchen.» «Natürlich erfolgt die Bewertung nicht nur über Farben», schmunzelt Marius Ettlinger, Schulleiter der Primarschule Rotmonten-Gerhalde, auf Anfrage. «Was wir eingeführt haben, ist die Bewertung über Wortrückmeldungen.» Da diese für ein kleineres Kind abstrakt wirken können, soll die Blume mit der Farbskala bei der Einordnung helfen. Am Semesterende bekommen die Kinder im Zeugnis wie gewohnt eine Note in Zahlen, so wie es der Kanton vorschreibt. Die neue Bewertung über Wortmeldungen solle kompetenzorientiert sein, also die Kinder nach ihren Fähigkeiten und nicht nach reinen Prüfungsleistungen bewerten. Gemäss Ettlinger hat dies den Vorteil, dass Kinder, die ihre Leistungen über das Semester stark verbessern, am Ende auch eine bessere Note im Zeugnis haben. Bekam ein Kind bisher über das Semester fünf Noten und davon waren die ersten zwei ungenügend und die letzten drei gut, hatte es am Ende einen mittelmässigen Schnitt.» Im neuen System könne der Lehrer die Verbesserung besser gewichten.

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Die Primarschule Rotmonten in St. Gallen geht in Sachen Benotung neue Wege: Sie verteilt über das Semester keine Prüfungsnoten, sondern versieht die Blätter der Kinder mit einer Farbe und einem Kommentar, welche ausdrücken, wie gut es die gestellte Aufgabe erfüllt hat.

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Sollen Kinder in der Primarschule Zahlennoten bekommen?
22 %
47 %
29 %
2 %
Insgesamt 2920 Teilnehmer

Die Farben sollen die verschiedenen Wachstumsstufen einer Blume darstellen, berichtete das «St. Galler Tagblatt». Braun stehe für die Wurzeln und damit für: «Das ist dir noch nicht gelungen». Über grün und orange klettert das Kind dann die Blume hinauf – gelb steht für eine besonders gute Leistung.

«Zahlennoten haben keine Aussagekraft»

Jürg Brühlmann, Leiter der pädagogischen Arbeitsstelle des Lehrerverbands, sieht die Farben und Blümchen als eine altersgemässe Methode, um der Einschätzung von Kompetenzen Form zu geben. «Natürlich brauchen Kinder solche Spielereien nicht unbedingt, um die Bewertung zu verstehen, doch es macht ihnen auch Freude.»

Er bezweifelt auch den Nutzen von reinen Zahlennoten: «In den 70ern und 80ern hat man Noten an vielen Primarschulen abgeschafft und erst in den letzten Jahren aus politischen Gründen per Volksentscheid wieder eingeführt», sagt Brühlmann. Den Kindern sei es in keinem der beiden Systeme besonders viel besser oder schlechter ergangen. Zahlennoten hätten an sich auch keine absolute Aussagekraft: «Wenn Sie die genau gleiche Matheprüfung drei verschiedenen Lehrern zur Bewertung abgeben, bekommen Sie drei verschiedene Noten zurück.» Für Brühlmann ist darum nach wie vor das Gespräch mit der Lehrperson das wichtigste Bewertungsinstrument um zu verstehen, wo besser gelernt werden kann.

«Misserfolge gehören zum Reifeprozess»

Alt-Nationalrat Ulrich Schlüer (SVP), Bildungspolitiker alter Schule, ist von alternativen Benotungssystemen wenig begeistert: «Dem Kind Misserfolge ersparen zu wollen, ist kontraproduktiv.» Lernen mit diesen umzugehen, gehöre ebenfalls zum Reifeprozess. «In meiner Erfahrung wollen Kinder auch etwas haben, wonach Sie ihre Leistungen messen können», sagt Schlüer.

Die Einschätzung, wonach eine Bewertung über Farben und Blümchen kindergerechter sei, teilt Schlüer auch nicht: «Dem Kind nach einer schlechten Note zu sagen: ‹Das musst du besser machen›, ist mindestens genauso kindergerecht wie Farben und Blümchen.» Auch in dem Alter sei das Bedürfnis, Ziele zu erreichen und Leistung zu zeigen, erkennbar. Die Blumenskala ist gemäss Schlüer zwar eine kreative Idee, «aber höchstens zur Illustration und nicht als Ersatz für die Note.»

Verbesserung belohnen

«Natürlich erfolgt die Bewertung nicht nur über Farben», schmunzelt Marius Ettlinger, Schulleiter der Primarschule Rotmonten-Gerhalde, auf Anfrage. «Was wir eingeführt haben, ist die Bewertung über Wortrückmeldungen.» Da diese für ein kleineres Kind abstrakt wirken können, soll die Blume mit der Farbskala bei der Einordnung helfen. Am Semesterende bekommen die Kinder im Zeugnis wie gewohnt eine Note in Zahlen, so wie es der Kanton vorschreibt.

Die neue Bewertung über Wortmeldungen solle kompetenzorientiert sein, also die Kinder nach ihren Fähigkeiten und nicht nach reinen Prüfungsleistungen bewerten. Gemäss Ettlinger hat dies den Vorteil, dass Kinder, die ihre Leistungen über das Semester stark verbessern, am Ende auch eine bessere Note im Zeugnis haben. «Bekam ein Kind bisher über das Semester fünf Noten und davon waren die ersten zwei ungenügend und die letzten drei gut, hatte es am Ende einen mittelmässigen Schnitt.» Im neuen System könne der Lehrer die Verbesserung besser gewichten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chamäleon am 21.12.2016 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mathe

    zitat: «Wenn Sie die genau gleiche Matheprüfung drei verschiedenen Lehrern zur Bewertung abgeben, bekommen Sie drei verschiedene Noten zurück.» hä? genau mathe ist doch das fach, in dem es nur richtig oder falsch gibt?

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  • NoHy am 21.12.2016 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wait what?

    wenn man in einer Matheprüfung 3 verschiedene Noten zurückbekommt, dann haben aber 2 der 3 Lehrer ein gewaltiges Matheproblem.

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  • Tim13 am 21.12.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternatives ist Mist

    Ich kann mich noch gut an meine Zeit in der 1.-3. Klasse erinnern. Wir hatten keine Noten und haben uns sehr darüber geärgert. Wir haben uns dann gefreut als wir in die 4. Klasse kamen und endlich Noten erhielten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marla15 am 21.12.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfaires System

    Auch in einer Matheprüfung kann man bei verschiedenen Lehrern unterschiedliche Noten bekommen. Sie müssen nur eine unterschiedliche Skala haben... Unfair

  • Narnia am 21.12.2016 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Worte&Blüemli

    Meine Tochter, jetzt 24, musste bei einem Pilotprojekt mitmachen. 1.-6. Kl. wurde mit mangelhaft-sehr gut bewertet. Was heisst den "gut" für kleinere Kinder absolut nicht fassbar! Als es um den Übertritt Oberstufe ging, waren die Lehrer massiv überfordert. Viele Eltern machten Druck, dass ihr Kind ins Gymi kam. Ohne klare Note kann man gar nicht richtig einstufen.Was nachher die Oberstufen zu spüren bekamen. Auch wollten die Kinder endlich Noten sehen, weil diese fassbar sind& eher motivierend zum mehr lernen. Finde das Farbsystem nicht wirklich gut. Zu abstrakt für wahrscheinlich viele.

  • Trivium am 21.12.2016 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ojee

    juhu ich habe ein grün bis rot. Kein Druck aber 2 Fremdsprachen in der Primar und wir erhalten dann Lehrlinge, die mit dem Druck, einen Besen richtig zu benutzen, nicht umgehen können....! Na Danke und Tschüss

  • Geissenpeter am 21.12.2016 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum immer alles auf den Kopf stellen?

    ist den Leuten im Büro langweillig oder was? Weil sie nichts zu tun haben erfinden sie einfach mal irgendwelche Schnapsideen um dafür Lohn zu bekommen. Aber sofort aufhören!

  • gloria derungs am 21.12.2016 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    banausen am werk

    habt ihr angst den kindern zu schreiben, dass sie ungenügend sind?