Vor den Sommerferien

17. Juni 2013 12:11; Akt: 17.06.2013 12:15 Print

Fast 12'000 Lehrstellen sind nicht besetzt

Am Mittwoch wird der Lehrstellenbarometer veröffentlicht. Schon heute zeichnet sich ab, dass ein deutlicher Lehrstellenüberschuss herrscht. Demografische Entwicklungen sind mitverantwortlich.

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Leere Stühle: 11'809 Lehrlingsplätze sind unbesetzt. (Bild: Colourbox)

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Wenige Wochen vor Ende des Schulsemesters sind in der ganzen Schweiz noch 11'809 Lehrstellen nicht besetzt. Dies zeigen Auswertungen zur Plattform Lehrstellennachweis LENA. In den Berufsfeldern Detailhandel (937 offene Lehrplätze), Elektroinstallation (595) und Coiffeur (444) fehlen in absoluten Zahlen am meisten Junge. Bei KV Schweiz zeigt man sich erstaunt, dass über 10'000 Lehrlingsplätze vor den Sommerferien noch frei sind: «Das ist sehr viel», so Sprecher Ingo Boltshauser.

Der Lehrstellennachweis berücksichtigt die Zahlen der kantonalen Ämter und aktualisiert das Angebot täglich. Am Mittwoch wird das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage bei Unternehmen und Jugendlichen vom April 2013, den sogenannten Lehrstellen-Barometer, veröffentlichen.

Kampf um Talente

Dass so viele Lehrstellen unbesetzt sind, hat laut Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes, hauptsächlich mit der seit 2009 rückläufigen Anzahl Schulabgänger zu tun. Bei schulisch anspruchsvolleren Lehrstellen spiele ausserdem die Konkurrenz durch die Gymnasien eine Rolle. «Dabei ist auch das Sozialprestige relevant. Oft wertet das Umfeld den Besuch des Gymnasiums höher als eine Lehrausbildung.»

Mehr noch als zu den Gymnasien stehen die meisten Betriebe aber untereinander im Wettstreit. Boltshauser sagt, dass ein regelrechter «Kampf um Talente» entbrannt ist. Dieser könne zu Fehlbesetzungen führen, die später wieder aufgelöst werden. «Wegen der Hektik, den Lehrlingsvertrag schnell abzuschliessen, finden ein Lehrling und der passende Betrieb oft nicht zusammen.» Auch ein Abbruch von Seiten des Lehrlings könne die Folge sein. Bei der KV-Lehre sei ausserdem festzustellen, dass die Anforderungen der Betriebe angestiegen sind: «Viele Unternehmen setzen die schulische Latte hoch. Einige besetzen eine Stelle lieber nicht, wenn sie von der Qualifikation eines Bewerbers nicht hundertprozentig überzeugt sind.»

Attestlehre bietet eine mögliche Lösung

Die Unternehmen sollten darum ihre Ansprüche überdenken, ist der KV Schweiz Sprecher überzeugt. «Wir plädieren dafür, etwas später mit der Selektion zu beginnen und es ruhiger angehen zu lassen.» Eine Lösung könne auch die zweijährige Attestlehre für schulisch schwächere Junge sein: «Die Attestlehre gibt es auch im Büro – das ist eine gute Sache.» Beim Arbeitgeberverband ist man derselben Ansicht: «Die Attestlehre ist ein gutes Instrument, um eine erste Ausbildung und den Einstieg ins Erwerbsleben zu vermitteln. Sie eignet sich jedoch nicht für alle Berufsprofile», so Daum.

Um die freien Plätze mit motivierten Schulabgängern zu besetzen sei es besonders wichtig, die Entscheischeidungsträger besser zu informieren. «Die Betroffenen, sowie ihr Umfeld müssen besser über die Möglichkeiten einer Berufslehre und die weiteren Karrieremöglichkeiten informiert werden», so Daum.

(sth)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich, Mutter 2-er Teenager, finde es sehr schwierig für die Jungen. Machen sie eine Schnupperlehre, sollten sie alles schon können und möglichst schnell arbeiten. Alle schauen nur auf Leistungen/Noten! Meine beiden Kids sind eher scheu und sprechen nicht so viel, wenn sie die Leute nicht kennen. Das kommt bei den meisten Betrieben schlecht an. Sie werden immer gleich als desinteressiert abgestempelt, obwohl beide super zupacken können. Vielleicht sollten wir wieder etwas mehr auf das "gesamtpaket" Mensch achten und nicht nur auf grosse Klappen und gute Noten! – Mutter

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Dias am 17.06.2013 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld liebe Büromenschen

    Die Firmen sind selber schuld. Ich war Spengler. Job gefiel mir nicht, Noten waren schlecht. Schulnoten waren auch immer sehr schlecht. Als ich mit 21 entschloss endlich in der IT branche versuchen was zu ergattern, habe ich ganze 227!!!! Firmen abgecheckt. Bei allen eine Absage bekommen, weil meine Noten früher schlecht waren. Eine Firma hat mir gegen Ende die Chance geboten Informatiker bei ihnen zu machen. Nun bin ich mit der Ausbildung durch. Habe in keinem Modul unter einem 5,5 Gemacht und bin Klassenbester. Dank meinem Chef der an meiner Person geglaubt hatte und nicht meinen Noten.

  • Peter Hofmann am 17.06.2013 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Würde mich mit 42 gerne umschulen ...

    wäre bereit Lohneinbussen und Karriere aufzugeben ... mit 3500.- könnte ich leben und würde damit eine Stelle der so wichtigen Facharbeiter für die CH besetzen ... doch die CH, die Arbeitgeber, die Politik und die Kanton wollen das nicht. Genau so bei der Pflege, anstatt anständige Löhne zu bezahlen, holt man aus Polen und Co Frauen die 24h zu Dumpinglöhnen arbeiten (dürfen / müssen)! Schneider-Ammann lässt die KMU Landschaft CH schrumpfen, die Linken helfen über die Zuwanderung mit Leute aus dem Ausland auszubeuten und die Rechte will auf den Feldern Billiglöhner aus dem Ausland!

  • Simon am 17.06.2013 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Heute geht es nicht mehr darum, die Talente rauszupicken, sondern darum, keines der zahlreichen Anti-Talente zu erwischen. Was mir schon alles an Bewerbungen und Bewerbern untergekommen ist, ist einfach nur haarsträubend. Selbst bei den "besseren" Schülern ist Respekt und Allgemeinbildung oftmals Fehlanzeige. Auch haben immer mehr Muttersprachler grosse Mühe mit Deutsch, da frage ich mich schon was in unserem Bildungssystem genau abgeht. Schlussendlich nimmt man lieber einen Schüler mit schlechteren Noten, der dafür motiviert und ehrgeizig ist und eine gewisse Portion Anstand an den Tag legt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie am 18.06.2013 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    "Isch geh' Schulhof"

    Wenn man dieses Buch liest, stehen einem die Haare zu Berge. Es ist von Philipp Möller, der eine Grundschule in Deutschland unterrichtet hat. Der Unterschied zu uns dürfte nicht gross - wenn überhaupt - sein, so wie ich das von unseren Kindern gehört habe. Wenn unsere Kinder SO erzogen werden glaube ich gerne, dass sie keine Lehrstellen finden. Und bevor wieder einer meint, dieser Kommentar wäre überflüssig: er ist es nicht. Genau dort, wo in dem Buch beschrieben, sind die Probleme der Kinder bereits voll im Gange, und genau DAS führt dann dazu, dass sie keine Lehrstellen finden.

  • Marie am 18.06.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    @ja/ja und Cindy

    Ich muss ja/ja Recht geben. Die Söhne meine Mannes konnten zwar super PC-Games spielen, aber sie kannten nicht einmal die Hauptstädte Europas. Unter viel Geschrei nahm ich mir die Burschen mal vor und zwang sie dazu, mit mir Kreuzworträtsel zu lösen. Der Anfang war katastrophal. Heute, Jahre später, sind sie mir dankbar. Beide waren erfolgreich im Gymi und studieren jetzt. @Cindy, siehst Du, ich verstehe Deinen Kommentar nicht ganz. Du beschreibst Dich, sagst aber nicht warum. Bekommst Du auch keine Lehrstelle? Dann schau' mal nach, wie man "Eltener Leute" korrekt handhabt. Könnte DARAN liegen

  • Cindy am 17.06.2013 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Gerne möchte ich mich auf die Antworten äußern. 1. Meinen Noten waren in der Oberstufe nicht gut, ja das stimmt aber es hatte einen Grund weshalb. Nicht weil ich eine Träumerin oder Desinteressiert war. Doch ich war im 10. Schuljahr und habe mich dort auf eine 5.0 rauf gearbeitet und in der Schule die ich jetzt besuche, bin ich sogar auf einer 5.5 oben. 2. Meine Erziehung habe ich genossen, den ich hatte noch eine. Ich weiß das man BITTE, DANKE, GUTEN TAG, AUF-WIEDERSEHEN und ich weiß wie man sich gegen über Eltener Leuten verhält. Aber danke für die Feedbacks. LG

  • LKW-Fahrer am 17.06.2013 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    selber Schuld

    die meisten Betriebe sind auch selbst Schuld, wer nur auf gute Noten sieht, aber nicht darauf ob derjenige auch die richtigen ''Hände'' hat dafür, und nicht ''2 linke'' ist wohl nicht der richtige Weg... etwas mehr Praxis und weniger Theorie wäre in vielen Berufen wünschenswert

  • J. Meyer am 17.06.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich wenig

    Wenn man die Ansprüche der Lehrbetriebe anschaut, wundert es mich wenig, das noch soviele offene Lehrstellen unbesetzt sind. Meine Tochter hat 2 Jahre für eine Lehrstelle gesucht, mehr Bewerbungen geschrieben u mehr Praktikums absolviert, als meine Frau u ich im ganzen Leben. Trotz sehr guter positiver Resonanz in all den Praktikums, bekam die Tochter nie eine Chance, weil eben das Augenmerk auf die Kommastelle hinter der Note gerichtet ist, owohl sie eine weiterführende Schule besucht in dieser Zeit. Lieber ein Lehrling mit guten Noten u 2 linken Händen, als talentierte engagierte Junge.