Frauenstreik

03. Juni 2019 16:12; Akt: 04.06.2019 08:20 Print

Die Hälfte der Frauen fühlt sich benachteiligt

von P. Michel - Am 14. Juni gehen Frauen gegen Diskriminierung auf die Strasse. Die 20-Minuten-Umfrage zum Frauenstreik zeigt, wie stark benachteiligt sie sich fühlen.

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«Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen des Frauenstreiks. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Vierte offenbar respektlosen Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.» Dass zudem die Lohnungleichheit als grösstes Problem gesehen wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit der Inkraftsetzung des Gleichstellungsgesetzes das Topthema» Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst seien diskriminiert? «Auch Männer erleben Gefühle der Diskriminierung: Sie müssen Ernährer und aktive Väter sein, dabei fehlt es an einem Vaterschaftsurlaub, Teilzeitstellen, hinzu kommt die Militärpflicht», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität durch Negieren der Diskriminierung entzögen, so Trachsels Interpretation. «Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten Frauen als nicht benachteiligt ansieht.

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Ein sichtbares Zeichen für die Gleichstellung wollen die Teilnehmenden des Frauenstreiks am 14. Juni setzen. Die Hauptargumente: «Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11'596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen.

Eine knappe Mehrheit aller Befragten von 53 Prozent findet, Frauen und Mädchen würden in der Schweiz nicht diskriminiert. 22 Prozent glauben, Frauen und Männer hätten Chancengleichheit. 31 Prozent finden, eher die Männer würden diskriminiert. Demgegenüber steht jeder Fünfte oder 21 Prozent, die Frauen als «wesentlich» diskriminiert sehen und 24 Prozent, die eine «geringfügige» Diskriminierung feststellen.

Mehrheit der Frauen fühlt sich diskriminiert

Anders sieht es aus, wenn die Resultate nach Geschlecht aufgeschlüsselt werden. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Jede fünfte Frau findet aber auch, teilweise würden sogar die Männer diskriminiert.

Jene Befragten, die eine Diskriminierung der Frauen feststellen, sehen das grösste Problem bei den Karrierechancen und dem Lohn. An zweiter Stelle folgt die Kinderbetreuung und der Haushalt.

Die Wahrnehmung von Diskriminierung hängt zudem mit der politischen Ausrichtung zusammen: Während 73 Prozent der Grünen-Wähler Frauen als diskriminiert ansehen, sind es bei der SVP-Basis nur 25 Prozent.

Gleichstellungsbeauftragte ist «alarmiert»

Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Zweite respektlosen und diskriminierenden Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.»

Dass Frauen sich selbst eher als Männer diskriminiert sehen, liegt neben der direkten Betroffenheit auch an der Sensibilisierung durch die Gleichstellungs- und Sexismusdebatte: «Heute löst ein zu Gewalt an Frauen aufrufendes Plakat wie jenes von FC-Schaffhausen-Fans sofort zu Recht einen Proteststurm aus – das war nicht immer so.»

Dass die Lohnungleichheit als grösstes Problem betrachtet wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit der Inkraftsetzung des Gleichstellungsgesetzes das Topthema. Lohnunterschiede sind objektiv messbar und sie benachteiligen die Lohnentwicklung und Sozialversicherungleistungen der Frauen.»

Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst würden diskriminiert? «Auch Männer erleben Gefühle der Diskriminierung: Sie müssen Ernährer und aktive Väter sein, dabei fehlt es an einem Vaterschaftsurlaub, Teilzeitstellen, hinzu kommt die Militärpflicht», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität durch Negieren der Diskriminierung entzögen, so Trachsels Interpretation.

Auch FDP sieht Handlungsbedarf

«Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten die Frauen nicht als benachteiligt ansieht.

«Als junge Frau bin ich mir nie diskriminiert vorgekommen, trotzdem setze ich mich für jene ein, die Diskriminierung erleben», sagt Esseiva. Ein Grund, am 14. Juni zu streiken, sind die Zahlen für sie allerdings nicht: «Ich setze mich lieber für statt gegen etwas ein. Der Streik ist zu links angehaucht. Daher werde ich am 14. Juni für mehr Chancengleichheit demonstrieren und nicht streiken.»

Die Umfrage
11'596 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 28. Mai online an der 20-Minuten-Umfrage zum Frauenstreik vom 14. Juni teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichteten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,6 Prozentpunkten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Travor am 04.06.2019 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen werden bevorzugt

    Die CS will ja nun Frauen bei der Stellenvergabe konsequent bevorzugen. Sollte dennoch ein Mann angestellt werden, so muss dies speziell bewilligt werden, mit Begründung, wieso es ein Mann sein muss. Ist das normal?

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  • Denkpause am 04.06.2019 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön und gut ...

    ... sie wünschen gleiche Rechte. Ich habe noch nichts davon gehört, dass sie auch die gleichen Pflichten wünschen.

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  • Thomas am 04.06.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen Diskriminierung?

    interessant, dass mehr frauen denken, dass männer diskriminiert werden, als männer denken, dass sie selber diskriminiert werden. insgesamt zeigt dich die umfrage vor allem dad männer diskriminert werden. dies vor allem wegen den diskriminirenden gesetzen wie militärpflicht, witwenrente, ahv- alter usw. wo hingegen die frau von gesetztes wegen immer gleich oder besser gestellt ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • corettli am 04.06.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    warum glaubt ihr Männer zu sein??? Erbringt doch mal wirklich die gleiche Leistun wie die Männer bei der Arbeit und hört bei jedem Wehwechen auf zu Hause zu bleiben.Geht Krampfen auf dem Bau bei Wind ,Hitze ,Regen und schnee und Kälte. Ihr würded keine Woche durchhalten. Seht endlich ein,dass Ihr niemals die stärke eines Mannes in euch habt. Warum müsst ihr euch Frauen immer den Männern gleichstellen. Ich selbst bin auch eine Frau,aber ich bin zu frieden mit dem was ich habe. Ja ich habe einen Mann,der geht Arbeiten und wenn er nach hause kommt bin ich glücklich und zufrieden,weil er für mich da ist und mich liebt. Also seit doch einfach mal zu frieden mit dem was man habt und was der Partner einem gibt.

  • Rolf Kurt am 04.06.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienen und verdienen

    Wir alle verdienen viel, nur bekommen wirs nicht.

  • Linda am 04.06.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich bin Mensch

    ich verdiene mehr wie mein männlicher Arbeitskollege. Spreche aber mehr Sprachen und hab mich im Leben bewegt. Generell bin ich zufrieden. ein Leben ohne Männer wäre langweilig. Ich werde nicht streiken. bin kein Fan von militanten Frauen

  • King Kong am 04.06.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch viel zu tun

    Gleichberechtigung wird es erst dann geben, wenn auch Frauen ihre Privilegien abgeben müssen. Es müsste z.b. ebenfalls widerrechtlich sein, wenn eine Frau mehr verdient als ein Mann oder wenn sie bloss darum angestellt wird, weil sie eine Frau ist. Der Weg ist noch weit.

  • Schreiber am 04.06.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    300

    Unzufrieden? Der Rest der Schweiz sieht ein,nur das Miteinander kann gut gehen!