Umfrage

27. Dezember 2018 05:42; Akt: 27.12.2018 09:02 Print

Fast jeder Dritte fährt an Feiertagen betrunken Auto

von B. Zanni - Über 30 Prozent der Schweizer fahren auch nach übermässigem Alkoholkonsum Auto. Ein Experte fordert mehr Polizeikontrollen.

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Der bekannte Slogan «0,5 Promille = max. 1 Glas» verpufft bei vielen Fahrzeuglenkern. 37 Prozent der Schweizer geben an, nach dem Konsum von mehr als zwei Gläsern Wein oder einem halben Liter Bier an einer Feier noch mit dem eigenen Auto nach Hause gefahren zu sein. 41 Prozent fahren grundsätzlich auch nach dem Konsum von zwei Gläsern Wein noch selbst Auto. 13 Prozent der Umfrageteilnehmer lassen ihr Auto unabhängig von ihrem Alkoholkonsum grundsätzlich nie stehen. Dies zeigte eine repräsentative Umfrage von Marketagent im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes Comparis.ch in der Deutsch- und Westschweiz (siehe Box).

Umfrage
Fahren Sie Auto, wenn Sie Alkohol getrunken haben?

Auch die Gastgeber scheren sich nicht um die Verkehrssicherheit. So geben 56 Prozent der Befragten an, ihre Gäste nach dem Konsum der genannten Menge Wein oder Bier selbst ans Steuer gelassen zu haben. Nur 14 Prozent bestellten über die Festtage den nationalen Fahrdienst Nez Rouge, weil sie selbst oder ihre Gäste alkoholisiert waren.

Alkohol spontan serviert

«Vielen Autofahrern ist das Risiko, das sie mit zu viel Alkohol im Blut eingehen, nicht bewusst», sagt Verkehrspsychologe Urs Gerhard. In Begutachtungen erzählten sie dann oft, dass sie bei einer Einladung nicht damit gerechnet hätten, Alkohol zu trinken, oder ihnen einfach eingeschenkt worden sei. «Manche Autofahrer realisieren schlicht nicht, dass sie zu viel getrunken haben, weil sie sich nicht betrunken fühlen.»

Insbesondere Menschen, die in der Regel abends Alkohol trinken, überschätzen laut Gerhard ihre Fahrtüchtigkeit. «Sie glauben dann, dass sie auch noch alles im Griff haben, wenn sie einmal mehr als üblich getrunken haben.» Gerhard stellt zudem fest: «Auf dem Land, wo die Polizei oft nur wenige oder keine Alkoholkontrollen durchführt, wird vermutlich noch mehr getrunken als in der Stadt, wo sich die Leute heute bewusster sind, dass sie kontrolliert werden können.»

«Die Wahrnehmung ist eingeschränkt»

Auch Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU sagt, dass es immer noch Autofahrer gebe, die ihre Fähigkeiten nach dem Alkoholkonsum unterschätzten. Bereits ab 0,5 Promille Alkohol im Blut verdopple sich das Risiko eines tödlichen Unfalls, betont er. «Die Wahrnehmung ist eingeschränkt und die Reaktionszeit verzögert.» Prävention funktioniert laut Kessler nur in Kombination mit Polizeikontrollen. «Es braucht mehr Polizeikontrollen im Strassenverkehr», fordert er. Um das Risiko für alkoholbedingte Unfälle auszuschliessen, empfiehlt die BfU Autofahrern, nach dem Alkoholkonsum aufs Fahren ganz zu verzichten.

Mit Rückblick auf die Vergangenheit hat sich die Situation laut Kessler aber verbessert. «Vor 15 Jahren verzeichneten wir in einem Jahr noch 100 Verkehrstote wegen Alkohol, 2017 waren es hingegen 38.»

«Mehr Fahrgäste»

«Diese Zahlen bekümmern uns», sagt Christel Sommer, Leiterin der Geschäftsstelle von Nez Rouge Schweiz. Es sei gefährlich, bei beeinträchtigten Fähigkeiten zu fahren. «Damit setzt man sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer einem Risiko aus.» Die Studie zeige, dass Nez Rouge seine Botschaft weiterhin verbreiten müsse.

«Verantwortungsvolles Handeln bedeutet, im Voraus einen fahrtüchtigen Fahrer bestimmen, ein Taxi rufen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen oder vor Ort übernachten», sagt Sommer. Zudem sollten sich Autofahrer bewusst sein, dass es im Dezember Nez Rouge als Alternative gibt. Einen Lichtblick gibt es aber. «Auch dieses Jahr verzeichnen wir eine Zunahme bei der Anzahl der Fahrgäste», sagt Sommer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 27.12.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    getürkt

    So kann man Statistiken fehlinterpretieren. Nur weil 37 % der Fahrer einmal im Leben mit 2 Gläsern noch gefahren sind, sitzen noch lange nicht ein Drittel der Fahrer an den Feiertagen betrunken hinterm Steuer.

    einklappen einklappen
  • Benn am 27.12.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Dieser Satz, auf dem Land wenige oder gar keine Alkoholkontrollen entspricht nicht der Realität. Die gibt es wohl.

    einklappen einklappen
  • Spartan am 27.12.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    0,0%

    Gilt das auch für Velofahrer und sorglose Fussgänger am Zebrastreifen? Selbstverständlich nicht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Schnee am 27.12.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Leider so

    Leider gibt es Leute die fahren mit 1 Promille besser und sicherer als so mancher nüchtern. Traurig aber wahr. Und was die Reaktionsgeschwindgikeit und Kraft anbelangt, entspricht mancher Rentner einem jungen Fahrer mit 1 Promille!

  • AL am 27.12.2018 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kassen voll?

    Alkoholkontrollen wären der Polizei sowieso zuviel Aufwand. Da müsste man ja richtig arbeiten. Die schnell aufgestellte Radarfalle verdient Geld quasi von selbst. Und seien wir (und vor allem die Polizei) ehrlich, es geht nur um den Cash und nicht um Verkehrssicherheit.

  • Rick Koser am 27.12.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und dann lehnen wir UBER ab ....

    Wir wärs wenn man UBER zulassen anstatt bekämpfen würde?

  • 0.00 Promill driver am 27.12.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gar keinen

    und wo ist der Punkt in der umfrage trinke nie alkohol? Ich trinke nie alkohol auch wenn ich zu hause bin Aus 3 gründen: 1. bin ich Berufsfahrer und brauche meinen ausweis 2. Weiss ich nie wenn ich das nächstemal fahren muss (Feuerwehr) 3. mag ich alkohol nicht

  • Naja am 27.12.2018 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde sagen

    Jedes wk ist es auch so, früher war es nicht anders, wenn nicht schlimmer. So ist es nunmal, es gibt etliche Verstösse im Strassenverkehr, eine Studie darüber ist eigentlich Unsinn, aber für die Zeitung eine Garantie, für viele Leser und Kommentare;)